VI. Kongress der GermanistInnen Rumäniens

Sibiu/Hermannstadt

26.-29. Mai 2003

 

Stimmen zum VI. Kongress

 

a. Pressestimmen

b. Aus Grußbotschaften

c. Stimmen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern

 

a. Pressestimmen

Siebenbürgische Zeitung Online
24. Juni 2003
 
"Paradiesische Zustände von Mehrsprachigkeit"

Die Wahl des Tagungsortes habe sich positiv auf die Teilnahme der ausländischen Gäste ausgewirkt, meinte Prof. George Gutu, der Vorsitzende der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens, in seiner Eröffnungsansprache und betonte gleichzeitig die Bemühungen des Verbandes um die Internationalisierung der germanistischen Forschung in Rumänien. Der VI. Germanisten-Kongress wurde in Zusammenarbeit mit dem Münchner Institut für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS), dem Wiener Institut zur Förderung und Erforschung Österreichischer und Internationaler Literaturprozesse sowie der Kölner Rose Ausländer Stiftung vom 26.-29. Mai 2003 an der Lucian-Blaga-Universität in Hermannstadt organisiert.

Neben den traditionellen Sektionen wie Theoretische und angewandte Linguistik, Literaturwissenschaft, Deutsche Regionalliteraturen in Rumänien, Didaktik des DaF-Unterrichts umfasste die Tagung den neueren Forschungsrichtungen gewidmete Sektionen wie Interkulturalität, Transnationalität, Mehrsprachigkeit und Kultur, Regionalität, Raum sowie Rumänisch-deutsche/österreichische Literatur- und Kulturinterferenzen in deutscher und rumänischer Sprache. Besonderen Forschungsanliegen gewidmet waren die Foren Valenz, Sonderaspekte verbaler Kommunikation, Rose Ausländer und die Bukowina als Literatur- und Kulturlandschaft, Medien und germanistische Information. Das bereits zur Tradition gewordene Forum studentischer Forschung, das zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses dient, vereinte Beiträge von Studenten aus dem In- und Ausland.

Über 200 Teilnehmer aus über zehn Ländern und vier Kontinenten brachten in ihren Referaten und Diskussionsbeiträgen viele interessante Themen zur Sprache. Die Hauptanliegen der inländischen germanistischen Forschung, etwa die Untersuchungen zur Sprache und Literatur des deutschen Sprachraumes im Allgemeinen und derjenigen der rumäniendeutschen Minderheit im Besonderen, die Einbeziehung der modernen wissenschaftlichen Methodik sowie der mutter- und fremdsprachliche Deutschunterricht, wurden ebenso erörtert wie Fragen zur interkulturellen Kommunikation und Mehrsprachigkeit. Dieser letzte, für Siebenbürgen kennzeichnende Aspekt veranlasste Prof. Otto Kronsteiner aus Salzburg zur Äußerung, es herrschten da „geradezu paradiesische Zustände von Mehrsprachigkeit“. Den maßgebenden Anteil der Deutschen aus Rumänien an der Förderung des Kulturaustausches in dieser Region veranschaulichte die Ausstellung des IKGS „Wortreiche Landschaft. Deutsche Literaturen in Rumänien“, die von Direktorin Dr. Krista Zach eröffnet wurde.

Das dichte Tagungsprogramm wurde durch Lesungen teils ergänzt, teils aufgelockert. Es lasen die Schriftsteller Marianne Gruber und Werner Schandor (Österreich), Dieter Schlesak und Thomas Brussig (Deutschland) und Ana Blandiana und Joachim Wittstock (Rumänien).

Land und Leute erkundeten die Kongressteilnehmer am dritten Veranstaltungstag auf verschiedenen Ausflügen, die nach Schäßburg, auf die Hohe Rinne oder nach Sibiel führten. Es war für die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens, für den Germanistiklehrstuhl der Lucian-Blaga-Universität und seine Leiterin Sunhild Galter sowie für Prof. Dr. Gerhard Konnerth, den Prodekan der Fakultät für Philologie und Bühnenkünste, keine leichte Aufgabe, die Veranstaltungen organisatorisch zu meistern, aber es ist ihnen gelungen, ein Klima kollegialer Zusammenarbeit zu schaffen und die internationale Berufung der rumänischen Germanistik zu bestätigen.

Ana Cleţiu

http://www.siebenbuerger.de/sbz/sbz/news/1056438402,84550,.html
(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 10 vom 25. Juni 2003, Seite 15)

G
 

Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien
(www.adz.ro)
23. Mai 2003

Tagung, Lesungen, Ausstellung
Der VI. Kongress der Germanisten Rumäniens in Hermannstadt

hb. Hermannstadt - Der VI. Kongress der Germanisten Rumäniens findet zwischen 26.-29. Mai in Hermannstadt/Sibiu statt. Außer der Fachtagung sind Lesungen, eine Ausstellung und Ausflüge geplant. Teilnehmen werden Germanisten aus Rumänien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Bulgarien, der Slowakei, den Niederlanden, Großbritannien, Bulgarien, Polen, Ungarn und der Ukraine. Die Eröffnung des Kongresses ist für Montag, den 26. Mai, 9 Uhr, im Saal des Radu-Stanca-Theaters anberaumt. Im Anschluss finden ebendort 2 Plenarsitzungen statt, in deren Rahmen 4 Hauptreferate von Prof. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler (Wien), Prof. Dr. Walter Schmitz (Dresden), Prof. Dr. Jürgen Lehmann (Nürnberg-Erlangen) und Prof. Dr. Jacques Le Rider (Paris) vorgesehen sind. Am Nachmittag (15.30-18 Uhr) sind die Arbeiten in insgesamt 7 Sektionen und zwar Theoretische und angewandte Linguistik, Literaturwissenschaft, Deutsche Regionalliteratur in Rumänien, Didaktik des DaF-Unterrichts, Interkulturalität, Transnationalität und Mehrsprachigkeit, sodann Kultur, Regionalität und Raum sowie im Forum studentischer Forschung geplant (in Räumen der Lucian-Blaga-Universität). Die Sitzungen in diesen Sektionen werden am Dienstag fortgesetzt, wobei am Vormittag auch im Rahmen des Forums Rose Ausländer getagt wird und als neunte Sektion jene über rumänisch-deutsche/österreichische Literatur- und Kulturinterferenzen hinzu kommt. In den meisten der Sektionen wird desgleichen am Donnerstag getagt. Der Kongress endet mit einer Plenarsitzung im Senatssaal (11.30 - 13 Uhr). Im Rahmen des Kongresses wird am Montag (um 15 Uhr) im Foyer der Lucian-Blaga-Universität die Ausstellung "Wortreiche Landschaft. Deutsche Literaturen in Rumänien" durch Dr. Krista Zach, Direktorin des Instituts für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in München eröffnet. Am Montagabend (18 Uhr) lesen in der Aula Magna der Blaga-Universität Marianne Gruber und Werner Schandor aus Österreich. Für Dienstagabend wurde die Lesung von Dieter Schlesak und Thomas Brussig anberaumt (19.30 Uhr, Aula Magna der Universität). Am Mittwoch lesen im Tagungshaus der Evangelischen Akademie Siebenbürgen (ab 18.45) Ana Blandiana und Joachim Wittstock. Für die Teilnehmer am Kongress ist für Mittwoch eine "Burgenfahrt" geplant, wobei Stolzenburg/Slimnic, Mediasch, Birthälm/Biertan und Schäßburg/Sighisoara besucht und besichtigt werden sollen.

G

 

Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien
(www.adz.ro)
6. Juni 2003

Intensive germanistische Forschung.

Gedanken zum VI. Germanistenkongress / Von Dr. Annemarie Podlipny-Hehn
 

250 Teilnehmer aus Rumänien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Bulgarien, Polen, Ungarn, der Slowakei, den Niederlanden, Großbritannien und der Ukraine fanden sich zwischen dem 26.-29. Mai in Hermannstadt/Sibiu beim Kongress der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) ein., der in Zusammenarbeit mit dem Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (München), dem Institut zur Förderung und Erforschung Österreichischer und Internationaler Literaturprozesse (Wien), dem Mitteleuropazentrum der Technischen Universität Dresden, der Rose Ausländer Stiftung (Köln) und mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Bonn veranstaltet wurde. Es war dies die höchste Teilnehmerzahl seit dem Bestehen der Gesellschaft, die 1990 wieder ins Leben gerufen wurde und im dreijährigen Rhythmus - nach Neptun, Sinaia, Jassy - nun in der Stadt am Zibin tagte. Die beiden ersten Tagungen fanden in den Jahren 1929 und 1930 in Bukarest statt, danach wurde die Aktivität dieser Gesellschaft unterbrochen und erst nach der Wende durch prof. Dr. George Guţu, ihrem Vorsitzenden und geistigen mentor, wieder belebt.

Bürgermeister Klaus Johannis, Vorsitzender des DFDR, begrüßte bei der Eröffnung des Kongresses im Radu-Stanca-Theater die Teilnehmer und sprach den Wunsch aus, dass dies der Anlass einer künftigen engeren Zusammenarbeit zwischen Germanisten und der deutschen Minderheit in Rumänien darstellen möge. In den weiteren Grußbotschaften namhafter Persönlichkeiten wurde des Öfteren auf den hohen Stellenwert der Kultur in Rumänien hingewiesen und die wichtige Funktion der deutschen Sprache in der Vermittlung der Kulturen hervorgehoben und nicht zuletzt die intensive wissenschaftliche Forschung der Germanisten Rumäniens sowie ihre grenzüberschreitende Wirkung gewürdigt. Prof. Dr. Anton Schwob (Graz) erwähnte rückblickend die ersten Kontakte rumänischer Germanisten zu ausländischen Kollegen, die 1969 durch die Tagung der Internationalen Lenau-Gesellschaft in Temeswar ermöglicht wurden und mittlerweile eine ungemein dynamische Entwicklung erfahren haben. Als Auftakt der Tagung wurde im Foyer der Lucian-Blaga-Universität die Ausstellung "Wortreiche Landschaft. Deutsche Literatur in Rumänien" durch Dr. Krista Zach, Direktorin des Instituts für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in München eröffnet, die 1998 im Rahmen der Leipziger Buchmesse gezeigt wurde und die der Literatur Siebenbürgens breiten Raum zumisst; das Banater Schrifttum ist lediglich durch die Aktionsgruppe vertreten; erfreulicherweise wird dem Nachwuchs, der "Stafette" (zwei Schautafeln), auch Beachtung geschenkt.

Die Arbeiten der Tagung entfalteten sich innerhalb von zehn Sektionen. Eine beeindruckende Fülle von Themen aus verschiedensten Bereichen der Germanistik zeugten von der Intensität der der wissenschaftlichen Forschung. Im Fachbereich Linguistik wurden Fragen der theoretischen und angewandten Linguistik, der Dialektologie (Peter Kottler berichtete über den Stand der Arbeiten am Banater Mundartenwärterbuch), Fragen der Valenz sowie Sonderaspekte de verbalen Kommunikation erörtert. In der Sektion Literaturwissenschaft war der Bogen der Themen sehr weit gespannt (von Goethe, Büchner, Thomas Mann, Nietzsche, Hesse, Stifter, Bachmann bis zu Celan, Ausländer, Canetti, Rosenkranz u.a.). In einer gesonderten Sektion wurde die deutsche Regionalliteratur in Rumänien behandelt; sie bildete diesmal den Schwerpunkt der Tagung. Zum ersten Mal wurden Berichte zur Interkulturalität, Transnationalität und Mehrsprachigkeit ins Programm aufgenommen, wobei man von der Notwendigkeit einer Öffnung der Nationalen Philologien über die Grenzen hinaus diskutierte und feststellte, dass aus europäischer Sicht in Rumänien günstige Voraussetzungen für Mehrsprachigkeit bestehen. Ein Großteil der Referate war Übersetzungen gewidmet. In den Sektionen Kultur, Regionalität und Raum sowie Kultur- und Literaturinterferenzen (in deutscher und rumänischer Sprache) wurde zur Rezeption der deutschen Literatur in Rumänien sowie zum Rumänienbild in der deutschen und österreichischen Literatur referiert. Ein erster Versuch wurde mit der Aufnahme des Forums "Medien und germanistische Information" ins Tagungsprogramms gemacht, doch blieb die Teilnahme gering; diesem Bereich wird voraussichtlich in Zukunft eine größere Rolle zukommen. In der Abteilung Didaktik  des Deutsch-Unterrichts ging es um die Gestaltung des Deutsch-Unterrichtes in Rumänien von der Grundschule zur Hochschule, um Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Fremdsprache, und man begrüßte die Tatsache, dass Deutsch als Zweitsprache in Rumänien sehr erfolgreich ist. Mit großem Interesse wurde das Forum studentischer Forschungen verfolgt, woran sich 16 StudentInnen aus Rumänien, Ungar und Bulgarien beteiligten, die unter fachmännischer Betreuung in die Internationalität der Germanistik eingeführt wurden. Beeindruckend der hohe Stand ihrer Ausbildung und das wissenschaftliche Niveau ihrer Beiträge (so Prof. Dr. Jürgen Lehmann, Nürnberg-Erlangen).

Der VI. Kongress sowie das erste Jahrbuch der GGR, das zu diesem Anlass erschienen ist, widerspiegeln den aktuellen stand der Entwicklung der Germanistik in Rumänien, die in Europa bereits ein Begriff geworden ist. Höhepunkte der Veranstaltungen waren die Autorenlesungen. Aus Österreich kamen Marianne Gruber und Werner Schandor. Diester Schlesaks lyrische Texte - Liebesgedichte von jugendlicher Frische und meisterhafter Reife - waren beeindruckend und Thomas Brussigs Prosa war erfrischend, besonders für die Jugend. Ana Blandiana", "die grande Dame der rumänischen Literatur" (Dr. Peter Motzan), trug Gedichte in rumänischer Sprache vor, die von Franz Hodjak ins Deutsche übersetzt wurden, und Joachim Wittstock las neue Prosatexte - beide Autoren und deren Moderatoren, Dr. Peter Motzan und Dr. Stefan Sienerth, gestalteten den Abend in der Evangelischen Akademie in Neppendorf zu einem unvergesslichen Erlebnis. Dank gebührt dem Gastgeber dieser Anstalt für den freundlichen Empfang.

Ein Tagesausflug in die Umgebung Hermannstadts, ja sogar bis nach Schäßburg, Poiana Sibiului und bis zur Hohen Rinne mit jeweiligen Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten gewährte den in- und ausländischen Teilnehmern Einblick in eine jahrhundertealte multikulturelle Landschaft. Dank gebührt den Veranstaltern und Mitveranstaltern dieser Tagung, besonders Prof. Dr. George Guţu für seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz zum guten Gelingen dieses großangelegten internationalen Kongresses.

 

G

Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien
(www.adz.ro)
13. Juni 2003

Gegenwart und Zukunft der rumänischen Germanistik.
Zu einem Podiumsgespräch auf dem Germanisten-Kongress /
Von Speranţa Stănescu

Der voll besetzte Saal 38 im Hauptgebäude der Hermannstädter Universität zeigte, dass man am 29. Mai nicht so kongressmüde war, als dass man nicht noch kurz vor Abschluss der groß angelegten internationalen Begegnung an einem Podiumsgesprächs zu "Aktuellen Aufgaben der rumänischen Germanistik: Fachprofil, Ausbildungsziel, Berufschancen" teilnahm.

Es kamen zusammen Studenten, Jungassistenten, Dozenten, Kollegen vom DAAD-Lektorat und einige ausländische Gäste.

Wortführend waren der Vorsitzende der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR), Prof. Dr. George Guţu, und die Inhaber der Lehrstühle für Germanistik: aus Hermannstadt Lekt. Sunhild Galter, aus Jassy Prof. Dr. Andrei Hoişie, aus Klausenburg Prof. Dr. Stefan Trappen, aus Temeswar Prof. Dr. Roxana Nubert. Den eben akkreditierten Lehrstuhl aus Constanţa vertrat Assist. Drnd. Maria Muscan, die Methodik des DaF-Unterrichts Prof. Dr. Angelika Ionaş (Temeswar) und Lektor Drnd. Marianne Koch (Bukarest). Zahlreiche weitere Stimmen kamen zu Wort.

Organisiert wurde die Podiumsdiskussion von Prof. Dr. Speranţa Stănescu vom Bukarester Lehrstuhl.

Die Anwesenden reflektierten eigenes Schaffen, Ansprüche rumänischer Curricula, den Standort des Deutschunterrichts in Rumänien. Nachdenklich und verstimmt zeigten sie, wie sie an den Hochschulen vorwiegend mit völlig anderen Problemen als didaktischen und inhaltlichen konfrontiert sind. Der permanente Kampf mit administrativ-ökonomischen Argumenten autonomer Universitäten, der Rückgang der Studentenzahl haben sogar dahin geführt, dass dem Studium keine oder nur eine formale Bewerberselektion vorangeht. So ist das Niveau der Germanistikstudenten völlig uneinheitlich und deckt die im Europäischen Referenzrahmen vorgesehenen Einstufungen von Niveau A ("elementare Sprachverwendung") über Niveau B ("Selbstständige Sprachverwendung") zu Niveau C ("Kompetente Sprachverwendung").

In adäquater Reaktion auf die Forderungen der neuen rumänischen Gesellschaft sind parallel zum Germanistikstudium immer mehr anwendende Sprachabteilungen entstanden, die die Ausbildung für bestimmte, heute sehr gefragte Berufe wie Übersetzer und Dolmetscher, Kommunikationsmanager, Journalisten in der jeweiligen Fremdsprache zur Aufgabe haben. Besonders wichtig sind außerdem die berufsorientierten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge in deutscher Sprache. Sie alle stehen mit ihren Zielsetzungen, Methoden und Inhalten in Konkurrenz zum traditionell philologisch ausgerichteten Germanistikstudium, dem allein die Lehrerausbildung als explizite spezifische Aufgabe zusteht.

Beklagt wurden auch die Schließung deutschsprachiger Schulen, der Rückgang der Klassen, in denen Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird, weniger wegen Mangels an Intereresse für das Deutsche als an Deutschlehrern, parallel zum Rückgang der Anzahl der Studienbewerber.

Die Interessensverschiebung sowohl in Richtung auf technische Fächer und auf Wirtschaftswissenschaften wie auch in Richtung auf die Weltsprache Englisch lässt befürchten, dass die heute noch solide Basis der rumänischen Germanistik mittelfristig stark schrumpfen wird.

Dennoch sind die Chancen der rumänischen Germanistik, die neben der Pflege ihrer hergebrachten Wurzeln in den deutschen Minderheiten vor allem in der Nutzung des großen Interessenpotentials, der momentan bestehenden Arbeitsmarktchancen und der starken Präsenz von Firmen aus deutschsprachigen Ländern liegen, nicht zu übersehen. "Der Mut, auch einen eigenen Weg, gegebenenfalls unter starker Zurückdrängung philologischer Ausbildungsziele zu gehen, wird erfolgversprechend sein. [...] Im internationalen Vergleich der Auslandsgermanistiken nimmt die Germanistik Rumäniens einen exzellenten Platz ein. Sie weist bei der Qualifikation der Absolventen wesentlich bessere Resultate auf als die der Germanistik Italiens, Frankreichs, Brasiliens und anderer Länder, in denen ebenfalls eine traditionelle bodenständige deutschsprachige Kultur besteht." (Dr. Stefan Trappen)

Bei solchem Tatbestand wollen sich die Germanistiklehrstühle möglichst bald zusammensetzen und ein neues, einheitlich-kohärentes Curriculum diskutieren, als quasi rumänischen "Referenzrahmen", den jeder Lehrstuhl ortsadäquat implementiert. Alle Bereiche des Germanistikstudiums (d.h. die sprachliche, die wissenschaftliche, die methodisch-didaktische und die berufsbezogene Ausbildung) sollten dahingehend präzisiert werden, dass genau feststeht, was der Student bei der Zulassung zum Studium kann/können soll und welches der zu erreichende Wissens- und Könnensstand zum Studienabschluss ist.
Am Ende der zweistündigen Diskussionen wurden folgende Grundsätze formuliert:

Die Germanistikausbildung in Rumänien begreift sich als ein philologisches Studium auf der Basis einer soliden Sprachausbildung. Ihr Ziel ist, Absolventen sowohl des Haupt- als auch des Nebenfaches zu einem definierten Sprachniveau zu führen. Angestrebt wird das wie im Europäischen Referenzrahmen definierte Niveau C. Während des Studiums werden die Sprachkenntnisse systematisch aufgebaut und nach Möglichkeit durch eine Zwischenprüfung garantiert. Philologische und landeskundliche Kenntnisse aus dem traditionellen oder aktuellen Repertoire der Germanistik kommen hinzu. Bei der philologischen Ausbildung beachtet die Germanistik die Interessen der Studenten, insbesondere die Arbeitsmarktchancen. Über die Lehre hinaus verfolgt die Germanistik in Rumänien ambitioniert wissenschaftliche Ziele. Sie tut dies unter schwierigen Umständen aus der Überzeugung heraus, dass allein aus dem Zusammenwirken von Lehre und Forschung die Qualität einer Disziplin dauerhaft gesichert werden kann.

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b. Aus Grußbotschaften

Zur Eröffnung des Sechsten Kongresses der Germanisten Rumäniens sende ich Ihnen die besten Grüße.

Es freut mich sehr, dass es seit 1994 gelungen ist, dieser nun in dreijährigem Rhythmus stattfindenden Veranstaltung neben ihrer Kontinuität auch eine hohe wissenschaftliche Qualität zu sichern.

Ihr Kongress findet in einer Zeit statt, in der sowohl die sprachpolitische Situation als auch Ort und Aufgabe der Nationalphilologien neue Überlegungen erforderlich machen.[...]

Freilich scheint es mir heute geboten, dabei die Internationalisierung der akademischen Disziplinen voran zu treiben und auch die Einzelphilologien thematisch und methodisch als internationale akademische Fächer zu etablieren. Ich bin sicher, dass Ihr Kongress dazu einen Beitrag leistet und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern aktuelle Impulse gibt.

Erfreulicherweise erscheint rechtzeitig zum Kongress der erste Band des Germanistischen Jahrbuchs Rumänien. Ich wünsche dem Jahrbuch eine gute Resonanz und hoffe, dass es sich als viel gelesenes Periodikum etablieren kann.[...]

Ich wünsche den Germanisten beider Länder, dass sich die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rumänien festigt und das Niveau halten, vielleicht noch verbessern kann.

Den Organisatoren des Kongresses möchte ich Dank und Anerkennung aussprechen. Dem Kongress selbst wünsche ich einen glücklichen Verlauf und gute Ergebnisse.

  • Aus dem Grußwort des DAAD-Präsidenten, Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Theodor Berchem, an die Teilnehmenden des sechsten Kongresses der Germanisten Rumäniens

G

... Die Germanistik Rumäniens hat einen guten Klang, der hervorgeht aus dem Resonanzboden von Offenheit, wissenschaftlicher Relevanz und einer weiträumigen Grandezza. Seit Jahren folgen die besten Literatur- und Sprachwissenschaftler aus vielen Ländern den Einladungen von Professor George Gutu, um sich mit ihren Fachkollegen in einer der vielen renommierten Universitätsstädte Rumäniens auszutauschen.

Gerne wäre Frau Staatsministerin Dr. Weiss nach Sibiu, ins siebenbürgische Hermannstadt gekommen, denn nicht nur germanistisches Interesse verbindet sie mit dieser Stadt. Sie ist ihr noch unbekannt, zugleich doch sehr nah durch das Werk von Oskar Pastior, den sie Ende letzten Jahres in Wien mit dem Erich-Fried-Preis auszeichnen konnte. Literatur schafft Nähe: zu einem Land, einer Stadt, ja zu einem Menschen, der so alle Fremdheit verlieren kann.[...]

Das Interesse an der deutschen Sprache und Literatur ist in Rumänien immer noch sehr groß, auch wenn von den ehemals 800.000 Deutschen nur noch ein Zehntel hier leben und eine fast 900-jährige Epoche sich dem Ende zuzuneigen scheint. In den Schulen der ehemaligen deutschen Minderheit, so im Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt oder im Lenau-Gymnasium in Temeswar wächst eine Generation junger Rumänen heran, die in der Dichtung von Heine, Böll, Grass oder Rilke und Celan zu Hause ist und neben Deutsch mit zwei weiteren beherrschten Sprachen die Schule verläßt. Die Europakompetenz Rumäniens weist sich so aus.

  • Aus dem Grußwort von Dr. Matthias Buth, Ministerialrat bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Berlin) zur Eröffnung des Internationalen Germanistenkongresses der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens in Hermannstadt/Sibiu am 26. Mai 2003

G

Lieber Herr Kollege Gutu, mit Freude habe ich gehört, was für ein großer Erfolg Ihr Germanistentag in Rumänien gewesen ist.

Die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens veranstaltet ihren VI. Kongreß. Eine beeindruckende Fülle von Themen zeigt eine lebendige, ausdifferenzierte Wissenschafts-landschaft, zeigt eine Germanistik, die ihre Arbeit umfassend und in einem internationalen Kontext realisiert. Alle Bereiche der germanistischen Forschung sind präsent. Das Rahmenprogramm läßt erkennen, in welcher intensiven Weise diese Germanistik zugleich in das kulturelle Leben ihres Landes eingebunden ist.

Die große Zahl ausländischer Gäste, die nach Sibiu kommen, dokumentiert zugleich, in welcher eindrücklichen Weise die rumänische Germanistik ihre internationalen Kontakte pflegt und so einen herausragenden Beitrag für eine Situation leistet, in der die nationalen Grenzen und die nationalen Rahmen zunehmend überschritten werden.

[...] Der Deutsche Germanistenverband freut sich auf eine intensivierte europäische Kooperation. Wir freuen uns, daß der Deutsche Akademische Austauschdienst die Arbeit der rumänischen Germanistik auf so intensive Weise fördert und unterstützt. Gerade mit Blick auf die neuen europäischen Perspektiven kommt diesem Aspekt der deutschen außenpolitischen Kulturarbeit eine erhöhte Bedeutung zu.

Als Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes beglückwünsche ich die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens zu der programmatischen Vielfalt, der Spannbreite der Sektionen und der Themen, der Intensität des wissenschaftlichen Arbeitens, die vor ihnen liegt. Mit Freude sehe ich, daß durch eine eigene studentische Sektion auch die Studierenden die Möglichkeit haben, ihre Interessen und ihre Arbeit in den Rahmen des Kongresses einzubringen.

Ich bin davon überzeugt, daß das, was Sie in den folgenden Tagen gemeinsam wissenschaftlich und kulturell erleben werden, über die Grenzen des Anlasses hinaus ausstrahlen wird. Ich hoffe, daß eine Auswirkung die Präsenz rumänischer Kolleginnen und Kollegen beim Deutschen Germanistentag sein wird, zu dem wir für den 12.-15. September 2004 nach München einladen. Ich wünsche Ihnen allen im Namen und im Auftrag des Deutschen Germanistenverbandes Glück und gutes Gelingen.

  • Aus dem Grußwort des Vorsitzenden des Deutschen Germanistenverbandes, Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Ehlich, zum VI. Kongreß der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens

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c. Stimmen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Schon lange wollte ich Ihnen noch einmal meinen allerbesten Dank aussprechen, für Organisation, Gestaltung und Durchführung des Kongresses sowie insbesondere dafür, daß ich als Referent teilnehmen konnte. Meine allererste Reise nach Rumänien war für mich ein Erlebnis und ein bedeutender Gewinn.

Der Kongress selbst beeindruckte mich zunächst durch die große Zahl der Teilnehmer(innen), nicht nur aus Rumänien, sondern auch aus vielen anderen Ländern, vor allem aber durch die hohe Qualität der Beiträge der rumänischen Germanist(inn)en, von denen ich bisher nur wenige kannte. Inhaltlich überzeugte mich der Kongress durch die thematische Fülle und Vielgestaltigkeit, die aber doch straff gegliedert war, was sich schon im Programmheft widerspiegelte. Daß die letzte Plenarsitzung mit ihren informativen Zusammenfassungen der Sektionen und den abschließenden Ansprachen einen äußerst würdigen Verlauf nahm und einen markanten Schlußpunkt setzte, verdient ebenfalls besonders hervorgehoben zu werden.

Neben dem wissenschaftlichen Programm hatte man als Teilnehmer, auch aufgrund der zentralen Unterbringung im günstig gelegenen Bulevard-Hotel, genügend Gelegenheit zur Anknüpfung und Vertiefung vieler Kontakte. Die Organisation des Kongresses habe ich als perfekt empfunden.

Also nochmals: meinen herzlichsten Dank.

 

Jens Stüben

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Universität Oldenburg

G

 

 Herzlichen Dank für die Organisation des 6. Germanistenkongresses. Für mich war es eine freundliche und erfolgreiche Zeit.

 

Adina Lucia Nistor

Universität Jassy

G

 

Die Tage in Hermannstadt haben wir noch in bester Erinnerung. Es wird wohl in Zukunft schwer möglich sein, so viele Kolleginnen und Kollegen aus Rumänien und den Nachbarländern an einem Ort zu vereinen.

 

Anton Schwob

Universität Graz

G

 

Ich möchte mich noch einmal für die schönen Tage in Sibiu bedanken.

 

Maria Vajickova

Comenius-Universität Bratislava

G

 

Nach einigen persönlichen und meine Ausreise vorbereitenden Aktivitäten komme ich dazu, Ihnen in Erinnerung an den schönen Kongress in Hermannstadt für die Arbeit der Vorbereitung und Organisation sowie für die Möglichkeit der Teilnahme zu danken. Es waren sehr lehrreiche und interessante Tage in Siebenbürgen.

 

Markus Bauer

DAAD-Lektor, Universität Jassy

G

 

Mit nochmaligem Dank für eine gut gelungene Tagung grüße ich sie herzlich aus dem amerikanischen Süden, der es dieses Jahr schwer hat, mit den Temperaturen in Europa Schritt zu halten.

 

Helmut F. Pfanner

Vanderbilt University, Nashville (USA)

G

 

Um die Frage hinsichtlich der Organisation der Tagung in Sibiu gleich zu beantworten: Ich fand alles in bester Ordnung und kann nur mit höchster Anerkennung von Deiner/Euerer Arbeit, von der sorgfältigen Vorbereitung dieses Riesensymposions sprechen, und mich gleichzeitig für die Einladung nochmals herzlichst bedanken. Ich fühlte mich bei Euch sehr gut und hoffe, auch nächstes Mal an Euerer Tagung teilnehmen zu können. Meine einzige kritische Bemerkung (für die Zukunft): Die Änderungen im Programm sollten angekündigt werden. Ich weiß aber, es ist sehr schwer, die Konferenzteilnehmer(innen) zu informieren, wenn es mehrere Sektionen gibt.

Vielleicht an einer Informationstafel?

 

Zoltán Szendi

Universität Pecs

G

 

Lieber Herr Kollege Gutu,

… Mit … grosser Verspätung möchte ich Ihnen noch einmal sehr herzlich für unser Treffen in Bukarest, zwischen Bahnhof, Park-Restaurant und Flughafen, bedanken. Diese freundschaftlichen Augenblicke waren der letzte Höhepunkt einer vollen und reichhaltigen Woche in Rumänien, an die ich mich sehr gern erinnere.

Mit herzlichsten Grüssen...

 

Jacques Le Rider

Paris

G

 

... schön war es in Rumänien, und ich bin jetzt noch froh, daß sich das alles doch irgendwie ausgegangen ist. Es war ein guter Kongreß, denke ich, und für die Organisation habe ich sie bewundert, für ihren Einsatz.

Sie waren - so hatte ich den Eindruck - buchstäblich 24 Stunden rund um die Uhr für uns alle da.

 

Marianne Gruber

Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien

G

 

Congresul a fost (si) de asta-data [Rum.: Der Kongreß war (auch) diesmal] ein großer Erfolg, dein enormer uneigennütziger Arbeitsaufwand hat sich gelohnt …. (viele Gäste) waren des Lobes voll und werden sich die nächsten Kongresse nicht entgehen lassen.

 

Peter Motzan

Institut für Deutsche Kultur und Geschichte, München

G

 

Ich denke sehr gerne an die Tagung in Hermannstadt zurück - schade, dass alles so schnell vorbei war. Nochmals, vielen Dank für die gute Organisation und die sehr liebenswürdige Betreuung durch die Studentin Lucia.

 

Kathleen E. Thorpe

Associate Professor, Johannesburg Universität

G

www.e-scoala.ro

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