Markus Fischer: Zeitschrift der Germanisten Rumäniens. 9. Jahrgang, Heft 1-2 (17-18), 2000. Hrsg. von der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens. Bukarest: Paideia 2000. 428 S. ISBN 9739368-06-9. € 15,34.

Vor genau zehn Jahren, noch in der Zeit der Wende nach dem Zusammenbruch der Herrschaft Ceauşescus, erschien – gleichsam in einer Art Hinwendung zur Zukunft und zugleich als Rückbesinnung auf die kulturellen, wissenschaftlichen und germanistischen Traditionen der Vergangenheit – das erste Heft der Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR) unter der Schriftleitung des Gründungsvaters und gegenwärtigen Präsidenten der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens Prof. Dr. George Guţu. Und nun, nach Ablauf eines Dezenniums seit Gründung der ZGR, kann die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) auf eine ununterbrochene Folge von ZGR-Heften verweisen, deren jüngstes – das Doppelheft 1-2/2000, in der Gesamtzählung das Heft 17-17/2000 – kürzlich erschienen ist. Doch die Aktivitäten der GGR erstrecken sich nicht nur auf die Publikation dieses bedeutenden rumänischen germanistischen Fachorgans: George Guţu gibt auch – seit 1997 – die GGR-Beiträge zur Germanistik – heraus, von denen bisher bereits sieben Bände erschienen sind, darunter Sammlungen wichtiger germanistischer und wissenschaftsgeschichtlicher Aufsätze sowie lesenswerte Bukarester Dissertationen. Außerdem hat die GGR während dieses Dezenniums drei große erfolgreiche internationale Germanistenkongresse in Rumänien organisiert: in Neptun (1994), Sinaia (1997) und Jassy (2000).

Letztgenannter Jassyer Germanistenkongreß steht nun im Zentrum des vorliegenden umfangreichen Heftes der ZGR. Allein 36 Seiten sind dem Programm, der Dokumentation und den Reaktionen auf den Kongreß gewidmet. Dann folgt auf weiteren 282 Seiten der erste teil der auf diesem Kongreß gehaltenen Vorträge, geordnet nach den Rubriken ‚Literaturwissenschaft’, ‚Sprachwissenschaft’, ‚Didaktik des DaF-Unterrichts’ sowie ‚Hochschuldidaktik und Germanistik’. Die Publikation des zweiten Teils der Jassyer Referate ist für das nächste Doppelheft (19-20/2001) vorgesehen. Darauf folgen in einer weiteren, 50 Seiten umfassenden Rubrik dieses Doppelheftes diverse Aufsätze zur Kultur- und Sprachgeschichte der Deutschen in Rumänien, insbesondere zu den Ausprägungen des Deutschen im Banat, aber auch in der Dobrudscha und in Siebenbürgen. George Guţus eindringliches Plädoyer für die Einbindung des südosteuropäischen Raums in die vielfältige und reiche Kulturwelt Europas – in seiner Laudatio auf Hans Bergel aus Anlaß seines 75. Geburtstags des in Kronstadt geborenen Schriftstellers, darin dessen Begriff von der europäischen „kontrapunktischen Kultureinheit“ (S. 376) aufgreifend – schließt diese Rubrik ab und leitet zugleich zur nächsten über, die der „Landschaft, in der Menschen und Bücher lebten“ (Celan), der „wortreichen Landschaft“ Bukowina gewidmet ist. In einem gelehreten und substantiellen 25-seitigen Aufsatz hierzu denkt George Guţu über das „Übersetzen als Brückenschlagen“ und über das „Vielvölkerland Bukowina und seine Mehrsprachigkeit“ nach. (vgl. S. 377.401) Er verbindet hier in gekonnter Weise literaturgeschichtliche Perspektiven und eine kritische Sicht auf die Forschungsliteratur mit einem Plädoyer für die Verknüpfung der Translatologie mit kulturhistorischen und mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen. Das vorliegende Doppelheft schließt in bewährter Form mit einer Bücher- und Zeitschriftenschau (S. 402-414), mit der „Leseprobe“, in der diesmal die in Heltau/Siebenbürgen geborene Autorin Karin Gündisch mit ihrem Fragment Gestern, vor hundert Jahren präsentiert wird (S. 415-420), mit Tagungsberichten (S. 421-424), mit Mitteilungen der GGR (S. 425f.) und schlußendlich mit einem Verzeichnis der Autoren. (S. 427f.)

Wir lesen außerdem in dieser Nummer der ZGR, daß für das Jahr 2002 die Publikation des ersten Bandes des vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mit herausgegebenen Jahrbuch der rumänischen Germanistik geplant ist. Dies zeugt einerseits vom großen Fleiß und von der gewaltigen Produktivität der Germanistinnen und Germanisten Rumäniens. Andererseits wäre es bedauerlich, wenn dadurch den bereits bestehenden und fachlich etablierten germanistischen Periodika eine ungewollte Konkurrenz entstünde, die schlimmstenfalls zu einer Minderung der wissenschaftlichen Qualität oder zu Einbußen bei der finanziellen Unterstützung führen könnte.

Die ZGR und ihr Schriftleiter brauchen sich jedenfalls in dieser Hinsicht keine Sorgen zu machen: Die ansprechende Form, das gelungene Layout, das handliche Format, vor allem aber die Qualität des Inhalts braucht den Vergleich mit anderen germanistischen Periodika weltweit nicht zu scheuen. Dies ist nicht zuletzt das Verdienst von George Guţu, der mit großer Beharrlichkeit, unermüdlichem Einsatz, geduldiger Umsicht, aber auch mit eigenen wissenschaftlichen Beiträgen die Sache der rumänischen Germanistik herangetrieben und befördert hat und zugleich deutlich zu machen wußte, daß die rumänische Germanistik ihren eigenen Beitrag zu literatur-, sprach- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen zu leisten imstande ist und dies auch im Selbstbewußtsein ihrer geistigen Potenz und ihrer spezifischen Eigenart immer wieder tut und auch in Zukunft tun wird.

Anmerkung: Die Bücherschau der Südostdeutschen Vierteljahresblätter bringt grundsätzlich keine Besprechungen von Zeitschriften und anderen Periodika. Aus Erwägungen, die Bedeutung und Umfang des vorstehend rezensierten Heftes berücksichtigen, haben wir uns in diesem Sonderfall zu einer Ausnahme von der genannten Regel entschlossen.

Die Redaktion

[In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 51. Jg., Heft 3, München 2002, S. 307-308.]

www.e-scoala.ro

Imagine Romania!

Lernen Sie Deutsch - Kliken Sie hier