transcarpathica

germanistisches jahrbuch rumänien

 

 

Herausgegeben von George Guţu, Thomas Schares

 

Heft 9, 2010 (384 S.)
Editura Paideia, Bucureşti  ISSN 1583-6592

 

    

 

 

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Besprechung

 

Vasile V. Poenaru

Hinter den Wäldern eine andere Welt:

zehn Jahre transcarpathica

 

„Am Fuße unserer heimatlichen Berge und Buchen“ (siehe auch http://www.aurora-magazin.at/medien_kultur/poenaru_transcarp_frm.htm) begann einst, in der mythischen, in der mythisierten Zeit des fröhlichen Miteinander von Menschen und Kulturen im nördlichen Teil des Königreichs Rumänien, ein Abenteuer der deutschen Sprache, das weit hinaus führte, weit weg von einer jedweden scharf gesetzten Verortung des Flow of Language im multikulturellen Paradigma einer bestimmten historischen Region, weit weg vom „Karpatisch Fixierten“: ein Abenteuer namens Paul Celan. Sein Wort darf als Forschungsgebiet, als Meilenstein, als Lehngut herhalten.

transcarpathica, dieser im übertragenen Sinne sehr wohl groß geschriebene, vielversprechende Name, in dem grundlegende Intuitionen der Mobilität, der Kommunikation, des So-Seins und der Andersheit voll auf ihre Kosten kommen, dieser im Kontext besonders ansprechende Begriff, in dem ein reichliches Ausmaß an Verbindung, an Verschränkung, an Versinnbildlichung mitschwingt, dieser Titel eines wissenschaftlichen rumänischen Periodikums, entwickelte sich in den letzten zehn Jahren zu einem Wahrzeichen der Germanistik im heutigen Rumänien – und nicht nur dies. Das offensichtlich gelungene Projekt führt – um es im halb ernsthaften Ton mit Celan zu sagen – die rumänisch fixierte Germanistik weit in die grenzüberschreitende internationale Forschung hinaus.

germanistisches jahrbuch rumänien: so der Untertitel. Keine nähere lexikalisch-grammatische Bestimmung, keine Präposition, keine Einschräkung, keine Festlegung, was wohl heißen will: keine Festnagelung. Von Anfang an darf man sich darüber den Kopf zerbrechen, wessen Jahrbuch das denn eigentlich sei bzw. in welchem Zusammenhang das Jahrbuch (und die Germanistik) zu diesem Land und zu seinen sieben Burgen steht – und zu den Buchen, die auf der Landkarte darüber hängen, um es mal bedeutungsproduktiv-ungenau auszudrücken. Ein Untertitel, der sitzt, ein Untertitel, der zum Nachdenken anregt und die Diskussion rund um die Begrifflichkeit, rund um das Selbstverständnis der rumänischen Germanistik und ihrer Mitstreiter fördert.

Und die Diskussion führt weit hinaus ins ... ja wohin? Vor zwanzig Jahren gründete George Guțu, Präsident der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR), in Anlehnung an die Revista Germaniștilor din România  (in der Zwischenkriegszeit von Simion C. Mândrescu herausgegeben) seine Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR). Und zehn Jahre später gründete er denn auch seine transcarpathica, ein vom Exzellenzzentrum Paul Celan der Universität Bukarest und vom DAAD mitgetragenes Projekt, ein germanistisches Jahrbuch, das in viele Richtungen geht, um dem Fach Germanistik (nicht nur) in Rumänien neue Impulse zu verleihen.

Um es mit einem Scherzwort zu sagen: das germanistische Jahrbuch aller Rumänen? Oder: das Jahrbuch aller rumänischen Germanisten? Doch nein, gerade derlei einengende Zuordnungen wollen hier vermieden werden, deshalb der schlaue Untertitel. Rumänien soll – jedenfalls auf geisteswissenschaftlicher Ebene – sozusagen wieder zum Tatort vieler Gedanken werden, und zwar unter Einbindung namhafter Germanisten aus anderen Ländern. Der wissenschaftliche Beirat ist zwischen Bukarest, Bologna, München, Rom, Trier, Graz, Salzburg, Paris, Frankfurt an der Oder und Mannheim versprengt, die Beiträger kommen vom Fuße manchen Berges, aus mehreren Kontinenten, kurzum von nah, von fern.

Der 2011 herausgegebene Band (Heft 9, 2010) erschien in der redaktionellen Verantwortung der GGR-Zweigstelle Bukarest und des Instituts für Germanistik der Universität Bukarest in Zusammenarbeit mit dem Sonderforschungsbereich 600 "Armut und Fremde" der Universität Trier und bietet zwei thematische Schwerpunkte: „‚Zigeuner‘ zwischen Ost und West. Beiträge zu Literatur und Film“ und „Zeitlich-räumliche Erkundungen von Fremdem und Eigenem“. Am Ende gibt es dann schließlich auch noch drei ausführliche Rezensionen.

‚Zigeuner‘ zwischen Ost und West: Die Verortung gelingt durch eine Unschärfe territorialer Standortbestimmungen. So ist denn nun auch dementsprechend auf dem Umschlag der jüngsten Ausgabe nicht etwa wie gewöhnlich eine Universität oder – wie in der allerersten, 2002 herausgegebenen Nummer, das Bukarester Athenäum –  abgebildet, also keineswegs etwa ein klar identifizierbares Objekt, sondern vielmehr irgendein Roma-Palast, genauer gesagt „ein palastartiger Roma-Neubau in Rumänien“, was schon auf Anhieb ein unbehagliches Gefühl der Ambiguität, der Nichtlokalität vermittelt – so dass der Leser sozusagen bereits im Vorfeld der Lektüre beinahe aufspringt und fragt: Papiere in Ordnung? Dabei ist man bereits unwillkürlich mittendrin in der zweckmäßig aus vielen Richtungen angegangenen Hauptproblematik dieses Bandes – und hat seinen mutmaßlich objektiv-unvoreingenommenen Standpunkt bereits eingebüßt, was der Diskussion rund um die Asymmetrie der Betrachtungsweise im weitesten Sinne dienlich ist. Irgendwo in Rumänien, könnte es heißen. Oder: ein fahrender Palast?

Es geht nämlich, so die Herausgeber, um „Darstellungen von Roma im europäischen Kontext unter Berücksichtigung ost-west-europäischer Macht-Asymmetrien“. George Guțu, der sich übrigens sicherheitshalber gleich mal des Pluralis Majestatis bedient, wenn er über seinen einschlägigen Forschungsaufenthalt an der Universität Trier berichtet, stellt ein wichtiges Periodikum der Roma im Rumänien der Zwischenkriegszeit vor: „Glasul Romilor“ (Die Stimme der Roma). Thomas Schares, der jetztige DAAD-Lektor in Bukarest, erörtert „Parallele Wort- und Bilddiskurse über Vlad Ţepeş“ – und zitiert dabei natürlich u.a. einen ADZ-Beitrag von Markus Fischer, der seinerseits in den Neunzigern als DAAD-Lektor in Bukarest nach dem Rechten schaute und sich in dem zitierten Beitrag – womit sonst? – ebenfalls mit Vampiren und Dracula beschäftigt.

Iulia-Karin Patrut schlägt in ihrer Abhandlung zum binneneuropäischen Kolonialismus und seiner Darstellung in der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts Sebastian Münsters 1544 erschienene Cosmographia auf:  „Als man zahlt von Christi Geburt 1417 hat man zum ersten mal in Teutschland gesehen die Zygeuner, ein ongeschaffen, schwartz, wüst und onflätig Volck […] Wann die armen Dorffleut im feldt sind, durchsuchen sie ihre Häuser ond nehmen was ihnen gefällt.“

„Nu-i cunoşti pe ăştia“, weiß es Hendrik Kraft  aus dem breiteren Zusammenhang der Zigeuner‘- Geschichte im rumänischen Film Furia vermittels eines treffenden Zitats auf den Punkt zu bringen. Du kennst diese Leute nicht: ein gutes Wort auch für die Versinnbildlichung des Kernstücks dieses Bandes, für die Andersheit der Ausgegrenzten, für die Einverleibung von Vorurteilen und die „diskursiven wie ästhetischen Verortungen sogenannter interner Fremder“. Thomas Söder fängt „das flüchtige Ich“ eines Emil Cioran auf, bedenkt es „in stetig wechselnden Spiegelungen und Brechungen“, und Cosmin Dragoste untersucht innerhalb von „Biographien wie leere Zimmer“ den Menschen als Puzzle bei Roland Kirsch. 

Ja, ein Puzzle. Ein größeres Puzzle kommt hierin zustande, das weit aus dem Stereotyp hinaus führt, ein von George Guțu, Thomas Schares, Iulia-Karin Patrut und Herbert Uerling sinnvoll zusammengestellter Band, der Lücken in der Forschung ausfindig macht und füllt – oder eben doch munter in Augenschein nimmt und aus einer dem Stand der Forschung auch methodologisch angemessenen Perspektive beleuchtet.

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George Guțu und Thomas Schares (Hrsg.): transcarpathica. germanistisches jahrbuch rumänien. Heft 9. Editura Paideia, București 2010 / Von Vasile V. Poenaru

in DIE BRÜCKE (Saarbrücken) Heft 161 • XXXI. Jahrgang • September – Dezember 2012/3, S. 152-154

http://www.bruecke-saarbruecken.de/inhalt.htm

 

 


Ecouri - Pressestimmen

u Newsletter UB (Bucureşti), nr. 3/2011, 21.06.2011

u Vasile V. Poenaru: Transcarpathica. Ein germanistisches Jahrbuch in Rumänien. In: Aurora, Magazin für Kultur, Wissen und Gesellschaft (http://www.aurora-magazin.at/medien_kultur/poenaru_transcarp_frm.htm)

u Fachdienst Germanistik (München), 9/2011, p. 19-20

u Vasile V. Poenaru: Hinter den Wäldern eine andere Welt: zehn Jahre "transcarpathica". George Guțu und Thomas Schares (Hrsg.): transcarpathica. germanistisches jahrbuch rumänien. Heft 9. Editura Paideia, București 2010 / Von Vasile V. Poenaru. In: DIE BRÜCKE (Saarbrücken) Heft 161 • XXXI. Jahrgang • September – Dezember 2012/3, S. 152-154 / http://www.bruecke-saarbruecken.de/inhalt.htm.


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