VI. Kongress der GermanistInnen Rumäniens

Sibiu/Hermannstadt

26.-29. Mai 2003

 

B e r i c h t  v o m  VI.  K o n g r e s s

Im modernen Saal des Hermannstädter Stadttheaters "Radu Stanca" fanden am 26. Mai 2003 die Eröffnung und die erste Plenartagung des VI. Kongresses der Germanisten Rumäniens statt. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste sowie eines zahlreichen Publikums wurde der Kongreß durch den Präsidenten der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens eröffnet.

ERÖFFNUNGSREDE

des Präsidenten der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens,

Prof. Dr. George Gutu

Sehr geehrter Herr Präsident des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Bürgermeister von Sibiu/Hermannstadt, Klaus Johannis,
Hochwürdiger Bischof Dr. Christoph Klein,
Magnifizenz, Prof. Dr. Dumitru Ciocoi-Pop, Rektor der Universität "Lucian Blaga" Sibiu/ Hermannstadt,
Sehr geehrter Herr Erich Kurzweil, Leiter des Referats Kultur und Minderheitenfragen der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien,
Sehr geehrter Herr Dr. Reiner Schubert, Kulturattaché der Botschaft der Republik Österreich in Rumänien,
Sehr geehrter Herr Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Sibiu/Hermannstadt, Peter Adamek,
Sehr geehrte Gäste,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer im Internet "surft" – man erlaube mir, einen der geläufigsten Denglisch-Ausdrücke zu verwenden – wer also im Internet "surft" und in Vorbereitung auf einen Aufenthalt in der gastgebenden Stadt Sibiu/Her-mannstadt die offizielle Homepage dieser Ortschaft liest, wohin die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und der Hermannstädter Germanistiklehrstuhl Sie alle in diesem Jahr eingeladen haben, kann eine Äußerung von Walter Starkie aus dem Jahre 1929 lesen, der man – in bezug auf die Altstadt – im wesentlichen auch heute noch zustimmen kann:

"Ich wischte mir mit Verwunderung die Augen. Die Stadt, in der ich mich befand, scheinte nicht in Siebenbürgen zu sein.
Die engen Gassen und die alten Fassaden der Häuser führten mich mit den Gedanken nach Nürenberg."

Seit jenem Jahr ist die Stadt mächtig gewachsen, um den alten Stadtkern entwickelten sich neue Stadtteile, die in die Vision Starkies kaum passen dürften. Dennoch wird Sibiu/Hermannstadt auch heute noch von einer fast zehn Jahrhunderte alten geschriebenen, bewegten Geschichte geprägt. Die erste urkundliche Erwähnung stamme aus dem Jahre 1191 – liest man auf der erwähnten Internetseite -, so daß Hermannstadt zu den wenigen Städten Rumäniens gehöre, die auf eine derart reiche Geschichte zurückblicken können.

Meine Damen und Herren,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es geschieht also, daß der VI. Kongreß der Germanisten Rumäniens – nach Neptun, Sinaia und Jassy – nun in dieser gechichtsträchtigen Stadt stattfindet: im mittelalterlichen Herzen Siebenbürgens und Rumäniens.
Ich freue mich, heute, bei der Eröffnung der vierten Veranstaltung dieser Art nach der Wende so viele Kolleginnen und Kollegen, Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aus dem Hochschul- und Mittelschulbereich, sowie so viele Gäste begrüßen zu können. Mit 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und mit 220 angemeldeten Vorträgen in den 10 Sektionen und Foren stellt der Hermannstädter Germanistentag einen Rekord auf und gestaltet sich zu der vielleicht z.Z. bedeutendsten und wissenschaftlich anspruchsvollsten, weil auch thematisch vielfältigen, internationalen germanistischen Tagung im Südosten Europas.

Für diese beachtenswerte organisatorische und wissenschaftlich begründete Leistung dürfen wir allen Organisatoren von Seiten der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens, der Germanistiklehrstühle des Landes, ganz besonders des Hermannstädter Germanistiklehrstuhls unseren herzlichen Dank aussprechen! Der Leitung der Universität "Lucian Blaga" sprechen wir unseren besten Dank für die tatkräftige logistische Unterstützung unseres Kongresses aus.

Es war von Anfang an das erklärte und beharrlich verfolgte und verwirklichte Ziel unserer alle drei Jahre stattfindenden Fachtagung der Germanisten unseres Landes, die Kontakte unserer inländischen Kolleginnen und Kollegen untereinander sowie vor allem die Kontakte zu unseren Fachkollegen in der ganzen Welt zu fördern, auszubauen und zu festigen. Im ständigen gegenseitigen Erfahrungsaustausch, im kollegialen Leistungsvergleich fühlen wir den Pulsschlag der einheimischen sowie der weltweiten germanistischen Lehre und Forschung, erkunden die neuesten Forschungstrends, passen unsere Lehrmethoden an die zunehmend höheren Anforderungen der Gegenwart an und leisten unseren alte Traditionen fortführenden modernen Beitrag zum vielfältigen Bild der heutigen, stark interkulturell geprägten internationalen Germanistik.

Unser Beitrag in die germanistische Runde ist um so beachtlicher, zumal die deutsche Bevölkerung Rumäniens auf eine lange, ehrwürdige Tradition in der Pflege ihrer Muttersprache sowie der deutschen Kultur und Zivilisation in diesem Teil Europas zurückblicken kann, worauf wir alle in diesem Land stolz sein können. Mit Gustav Kisch, Karl Kurt Klein, Harald Krasser, Bernhard Capesius, Johann Wolf oder Rudolf Hollinger – um nur einige zu erwähnen - stellten die in Rumänien lebenden Deutschen auch im Bereich der Germanistik ihre solide Kreativität unter Beweis. Am Beispiel der Zusammenarbeit eines Karl Kurt Klein mit dem Rumänen Traian Bratu wurde ein redendes Beispiel für die enge Verflechtung des germanistischen Potentials auf unseren östlichen Breitengraden statuiert. Weitere Beispiele dieser Art ließen sich freilich beliebig anführen.

Durch den kulturellen Beitrag auch anderer in Rumänien lebender Minderheiten entwickelte sich die Germanistik in Rumänien zu einer interreferrenziellen Kulturwissenschaft, die die nicht im geringsten herabsetzende, sondern geradezu ehrenvolle Bezeichnung einer zum Fremden und zum Eigenen hin gleichermaßen offenen, grenzüberschreitenden Auslandsgermanistik verdient.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

vor einigen Tagen ereilte mich die Kunde vom Ableben des letzten bedeutenden, in Rumänien, genauer in der Bukowina der 30er Jahre bekanntgewordenen Dichters, der zusammen mit Paul Celan, Rose Ausländer, Immanuel Weißglas und – allen voran – Alfred Margul-Sperber den weltweiten Ruf dieser geistigen Landschaft mit begründete. Kurz vor Vollendung seines 99. Lebensjahres schied der Autor eines – wie er es selbst bezeichnete – Jahrhundertbuchs, ein Jahrhundertdichter, wie er von Rezensenten genannt wurde: Moses Rosenkranz, aus dem Leben. Nach dem leidvollen Aufenthalt in einem rumänischen Arbeitslager fand er noch die Kraft, ganze 10 Jahre in einem sowjetischen Gulag zu überleben. Dort erdachte er die erste Fassung eines Gedichtes, das die ständige Konfrontation des leidgeprüften Dichters mit dem Tod zum Ausdruck bringt. Wolf Biermann besuchte den von ihm kurz davor tot gesagten Dichter im Schwarzwald und sang ihm auf der Guitarre. Obwohl seit vielen Jahren erblindet und schwerhörig geworden, weinte der greise Dichter einige Tränen. Denn es ging jeden Tag, wie das Gedicht ja auch heißt, "Dem Ende zu":

Dem Ende zu

Es ist die Zeit gekommen abzunehmen
vielliebe Welt ich muß dir schon entgleiten
muß wie ein Fluß aus diesem Lande strömen
die Ufer lassend wert zu beiden Seiten

Die schönen Ufer reich an lieben Plätzen
auch wenn ich recht erinnre an verhaßten
denn meine Wandrung war nicht nur Ergötzen
ich mußte auch durch Finsternisse tasten

Nun ists vorüber unbegrenzte Ferne
nur Licht und Wasser nimmt mich still entgegen
sie eilt mich nicht und wartet bis ich lerne
mich wie ein Tropfen in ihr Meer zu legen

Möge der Dichter in lichtvollem Frieden ruhn!
 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, werte Gäste,

in der Tagungsmappe finden Sie ein Präsent, das Ihnen allen von der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst überreicht wird. Aus Anlaß dieses Kongresses riefen wir eine neue Fachpublikation ins Leben: "transcarpathica. germanistisches jahrbuch. Rumänien", das neben der seit 1992 erscheinenden "Zeitschrift der Germanisten Rumäniens" und den anderen germanistischen Publikationen im ganzen Land Forschungsergebnisse, Erfahrungsberichte und Buchbesprechungen veröffentlicht.
Auch damit setzen wir ein weiteres Zeichen unserer internationalen Berufung – Interkulturalität, Mehrsprachigkeit, Transnationalität sind programmatische Begriffe, die auch die Sektionen und Foren unseres Kongresses prägen.

Dabei müssen wir die enge, konkrete Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Instituten in der Welt besonders hervorheben. Mit dem Münchener Institut für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas verbinden uns fruchtbare Beziehungen in der Erforschung des literarischen und sprachlichen Erbes der Deutschen in unserem Land. Mit seiner Hilfe wollen wir in Bukarest ein Zentrum zur Erforschung dieses bedeutenden Kulturerbes einrichten. Die vom Münchener Institut auf unseren Kongressen betreute Sektion gehört zu den erfolgreichsten wissenschaftlichen Einrichtungen dieser Art.

Wir sind außerdem froh, daß uns in diesem Jahr gelungen ist, auch mit dem Wiener Institut zur Förderung und Erforschung österreichischer und internationaler Literaturprozesse eine von ihm betreute Sektion einzurichten, die in besonderem Maße übergreifenden, interdisziplinären Kulturerschienungen gewidmet ist.

Dabei erfreuen wir uns der Unterstützung sowohl des Deutschen Germanistenverbades als auch der Österreichischen Gesellschaft für Germanistik, nicht zuletzt auch der Internationalen Vereinigung für Germanistische Forschung und des Internationalen Deutschlehrerverbandes.

Durch diese vielfältigen Beziehungen der Zusammenarbeit, zu denen freilich die zahlreichen konkreten Beziehungen aller Germanistiklehrstühle des Landes hinzukommen, gelang uns dieses Jahr durch zahlreiche Foren ein noch differenzierteres thematisches Herangehen an die germanistischen Fragen. Modernste Trends wie die mediale germanistische Information fanden auch die verdiente Beachtung.

Meine Damen und Herren,

Von Anfang an haben unsere Kongrese einen weiteren wichtigen Aspekt verstanden und berücksichtigt, den meines Wissens nur wir in diesem Maße pflegen: Die Förderung und Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Deshalb richteten wir auch dieses Jahr ein Forum studentischer Forschung ein, das nun ganz im Zeichen interregioanler Kontakte steht – Studentinnen und Studenten aus Bulgarien, Ungarn, Österreich und Rumänien treffen sich zu einem offenen wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch.

Meine Damen und Herren,

die Palette unseres Angebots sieht auch Lesungen von Autoren vor, um den Kontakt mit dem kreativen Schreib- und Schaffensprozeß deutlich vor Augen zu führen. Eine landeskundliche Exkursion bittet wie immer die Möglichkeite, Land, Leute, Traditionen und Landschaft dieser Region kennenzulernen und dabei vielleicht weniger wissenschaftliche, dafür aber menschenannähernde Gespräche zu führen.

Zum Schluß möchte ich all meinen Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land, vor allem denen von Bukarest und Hermannstadt danken, die sich voll und ganz der Vorbereitung und Durchführung dieses Kongresses gewidmet haben.

Wir danken den deutschen und österreichischen Institutionen und Einrichtungen für ihre wertvolle Unterstützung und Zusammenarbeit. Auch den örtlichen Institutionen, vor allem der ehrwürdigen Universität "Lucian Blaga" und deren verständnisvollen Leitung, aber auch dem Bürgermeisteramt sei unser Dank ausgesprochen.
Wir danken nicht zuletzt all den renommierten ausländischen Germanistinnen und Germanisten, die zu unserem Kongreß gekommen sind und wünschen Ihnen erlebnisreiche Tage in dieser bezaubernden Stadt und deren Umgebung.

Ich wünsche uns allen einen erfolgreichen Verlauf dieser Tagung und einen angenehmen Aufenthalt in Hermannstadt!

[Anschließend erteilte der Präsident der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens ehrenwerten Gästen das Wort bzw. verlas an den Kongreß gerichtete Grußbotschaften. In seinem Grußwort hob Klaus Johannis, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Bürgermeister der gastgebenden Stadt, die Bedeutung der germanistischen Veranstaltung hervor und sprach seine Freude darüber aus, daß der Kongreß in einer Gegend stattfindet, die mit der jahrhundertealten Existenz der deutschen Minderheit in Rumänien sowie mit deren Gegenwart verbunden sind. Er begrüßte die Zusammenarbeit des DFDR mit der GGR im Geiste der Pflege des kulturellen Erbes einer beispielhaft pluriethnischen Region.
Prof. Dr. Dumitru Ciocoi-Pop brachte die Freude der gastgebenden akademischen Einrichtung zum Ausdruck und bezog sich auf die reichen kulturellen Traditionen, die durch den Namen des Lyrikers und Kulturphilosophen Lucian Blaga einprägsam versinnbildlicht werden. Dann verlas Prof. Dr. George Gutu die]
 

GRUSSBOTSCHAFT

Des Präsidenten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes,

Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Theodor Berchem

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Zur Eröffnung des Sechsten Kongresses der Germanisten Rumäniens sende ich Ihnen die besten Grüße.
Es freut mich sehr, dass es seit 1994 gelungen ist, dieser nun in dreijährigem Rhythmus stattfindenden Veranstaltung neben ihrer Kontinuität auch eine hohe wissenschaftliche Qualität zu sichern.

Ihr Kongress findet in einer Zeit statt, in der sowohl die sprachpolitische Situation als auch Ort und Aufgabe der Nationalphilologien neue Überlegungen erforderlich machen.

Am prominenten Rang des Englischen und am Nutzen der englischen Sprache für die weltweite Kommunikation kann kein Zweifel bestehen. Das kann aber nicht bedeuten, dass ein Verzicht auf andere Fremdsprachen oder ihr Abdrängen an bedeutungslose Orte vertretbar wären. Als eine der großen im Konzert der europäischen Sprachen und als traditionsreiche und auch heute bedeutsame Wissenschaftssprache sollte die deutsche Sprache gepflegt und anerkannt werden. Und als historische Wissenschaften, die im Medium von Sprache und Literatur das kulturelle Gedächtnis der Nationen bewahren, kommt den Nationalphilologien als Muttersprachen- ebenso wie als Fremdsprachenphilologien weiterhin eine bildungspolitisch bedeutsame Aufgabe zu.

Freilich scheint es mir heute geboten, dabei die Internationalisierung der akademischen Disziplinen voran zu treiben und auch die Einzelphilologien thematisch und methodisch als internationale akademische Fächer zu etablieren. Ich bin sicher, dass Ihr Kongress dazu einen Beitrag leistet und der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern aktuelle Impulse gibt.

Erfreulicherweise erscheint rechtzeitig zum Kongress der erste Band des Germanistischen Jahrbuchs Rumänien. Ich wünsche dem Jahrbuch eine gute Resonanz und hoffe, dass es sich als viel gelesenes Periodikum etablieren kann.

Der DAAD misst der akademischen Zusammenarbeit mit den südosteuropäischen Ländern und insbesondere mit Rumänien einen hohen Stellenwert bei. Lassen Sie mich einige wenige Zahlen nennen: Mehr als 2200 Studierende aus Rumänien sind an deutschen Hochschulen. Annähernd 700 haben, wenn man die verschiedenen Programme zusammen nimmt, ein DAAD-Stipendium. Fast 300 Wissenschaftler aus Rumänien forschen oder lehren an deutschen Hochschulen. Nahezu die Hälfte (145 im Jahre 2002) werden vom DAAD gefördert. Etwa 300 deutsche Studierende sind an rumänischen Hochschulen. Ich würde es begrüßen, wenn diese Zahl weiter anstiege. Der DAAD ist bemüht, unter den deutschen Hochschulangehörigen für ein Studium und für gemeinsame Forschung in Rumänien und anderen Ländern der Region zu werben.

Speziell die Germanistik und die deutsche Sprache werden in Rumänien vor allem durch das Lektorenprogramm unterstützt (zur Zeit 11 Lektoren). Aber auch bei der Durchführung von Veranstaltungen und der Herausgabe von verschiedenen Publikationen engagiert sich der DAAD.

Ich wünsche den Germanisten beider Länder, dass sich die wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Rumänien festigt und das Niveau halten, vielleicht noch verbessern kann.
Den Organisatoren des Kongresses möchte ich Dank und Anerkennung aussprechen. Dem Kongress selbst wünsche ich einen glücklichen Verlauf und gute Ergebnisse.

[Der Präsident der GGR verlas anschließend den Wortlaut einer Grußbotschaft, die Dr. Matthias Buth, Ministerialrat bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Dr. Christina Weiss, im Namen dieser bedeutenden Institution der deutschen Bundesregierung dem Kongreß übermittelt hatte:]
 

GRUSSBOTSCHAFT

des Ministerialrats bei der Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien in Berlin,

Dr. Matthias Buth

Rumänien ist nicht fern, es ist ein Land ohne Grenze zu Deutschland, aber mit vielen geistigen Nachbarschaften. Es gibt wenige Kulturlandschaften auf unserem Kontinent, die so sehr die Zusammengehörigkeit von uns Europäern erkennen lassen wie das Banat, das Rumänien mit Ungarn und Serbien verbindet, wie Sathmar, Siebenbürgen oder das sog. Altreich um Bukarest.

Wie nahe einem deutschen Dichter und Gelehrten dieses wunderbare Land sein kann, macht uns bereits Martin Opitz deutlich, denn 1622 nahm er eine Berufung des Fürsten von Siebenbürgen Gábriel Bethlen nach Weißenburg an und wurde Professor an dessen Regierungssitz. Über ein Jahr blieb er und erlernte nicht nur die rumänische Sprache, sondern widmete sich dieser Kulturregion gleichermaßen poetisch wie philosophisch. Zwölf Jahre arbeitete er sodann an einer Geschichte des antiken Dakien. Das Ergebnis seiner Studien ist im Lehrgedicht Zlatna oder Von der Ruhe des Gemüths erhalten, das mit seinen 568 Versen im Jahre 1664 in Straßburg gedruckt wurde.
Wenn also schon der Begründer der deutschen Poesie in Siebenbürgen wirkte, zeigt dies, wie weitläufig und europäisch sich Wissenschaftler und Dichter im 17. Jahrhundert bewegten und über zunächst fern liegenden Kulturen und Landschaften schrieben. Und viele Gelehrte, Künstler, Komponisten und Dichter aus Rumänien verhielten sich nicht anders. Wenn Erkenntnis des Menschen über den Menschen das Ziel ist, wenn Kunst in allen Ausdrucksformen das Ergebnis sein soll, kann dies nur durch eine souveräne Weltzugewandtheit und Neugier auf das Andere, Ungewohnte und vermeintlich Fremde gelingen.

Die Germanistik Rumäniens hat einen guten Klang, der hervorgeht aus dem Resonanzboden von Offenheit, wissenschaftlicher Relevanz und einer weiträumigen Grandezza. Seit Jahren folgen die besten Literatur- und Sprachwissenschaftler aus vielen Ländern den Einladungen von Professor George Gutu, um sich mit ihren Fachkollegen in einer der vielen renommierten Universitätsstädte Rumäniens auszutauschen.

Gerne wäre Frau Staatsministerin Dr. Weiss nach Sibiu, ins siebenbürgische Hermannstadt gekommen, denn nicht nur germanistisches Interesse verbindet sie mit dieser Stadt. Sie ist ihr noch unbekannt, zugleich doch sehr nah durch das Werk von Oskar Pastior, den sie Ende letzten Jahres in Wien mit dem Erich-Fried-Preis auszeichnen konnte. Literatur schafft Nähe: zu einem Land, einer Stadt, ja zu einem Menschen, der so alle Fremdheit verlieren kann.

Das Interesse an der deutschen Sprache und Literatur ist in Rumänien immer noch sehr groß, auch wenn von den ehemals 800.000 Deutschen nur noch ein Zehntel hier leben und eine fast 900-jährige Epoche sich dem Ende zuzuneigen scheint. In den Schulen der ehemaligen deutschen Minderheit, so im Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt oder im Lenau-Gymnasium in Temeswar wächst eine Generation junger Rumänen heran, die in der Dichtung von Heine, Böll, Grass oder Rilke und Celan zu Hause ist und neben Deutsch mit zwei weiteren beherrschten Sprachen die Schule verläßt. Die Europakompetenz Rumäniens weist sich so aus.

Und damit wachsen mit der Zeit auch den Germanisten junge Wissenschaftler zu, die das Band der Wissenschaft und Künste zwischen Deutschland und Rumänien weiter festigen. Das macht Mut und freut uns alle.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ertragreiche Konferenz und überbringe allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sehr herzliche Grüße von Frau Staatsministerin Dr. Christina Weiss.

[Nach persönlicher Absprache mit dem anwesenden Herrn Erich Kurzweil, Leiter des Referats Kultur und Minderheitenfragen der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Rumänien, richtete Peter Adamek, Generalkonsul der BRD in Sibiu/Hermannstadt, an den Kongreß Worte der Anerkennung über die erstaunliche, hoch erfreuliche internationale Beteiligung der Fachleute, die somit die interethnischen und interkulturellen Traditionen Hermannstadts und Siebenbürgens bestätigen und ehren. Er unterstrich die Bereitschaft der deutschen Seite, die Bemühungen der deutschen Minderheit in Rumänien weiterhin zu unterstützen. Zugleich sprach er seine Wertschätzung im Zusammenhang mit der fachlichen und intellektuellen Kompetenz der germanistischen Veranstaltungen aus, die die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens seit ihrer Gründung initiierte und durchführte.
Dann ergriff der Kulturattaché der Botschaft der Republik Österreich in Rumänien, Dr. Reiner Schubert das Wort:]
 

ANSPRACHE

des Kulturattachés der Botschaft der Republik Österreich in Rumänien,

Dr. Reiner Schubert

Werte Festgäste!
Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Vertreter der Österreichischen Botschaft in Bukarest und als Leiter des Österreichischen Kulturforums ist es für mich eine besondere Ehre und Verpflichtung, eine Grußadresse an Sie als Teilnehmer an diesem bedeutsamen Kongress zu richten. Sowohl der Ort als auch die deutsche Sprache sind Grund und Motivation dafür, dass wir uns dank hervorragender Organisation hier versammelt haben. Hermannstadt stellt eines der wichtigsten Zentren deutscher Sprachkultur in Rumänien dar. Viele Menschen dieser Gegend beherrschen die deutsche Sprache ausgezeichnet und sorgen dafür, dass deren Erbe landesweit lebendig bleibt. Die deutsche Sprache ist hier nicht nur toter Gegenstand der Germanisten, sondern lebendige Substanz der Forschung, Subjekt und Objekt in einem.
Darüber hinaus gibt es wahrscheinlich wenig vergleichbare Beispiele, wo die deutsche Sprache außerhalb der traditionellen deutschsprachigen Länder so sorgsam gepflegt wird wie in Rumänien. Nicht nur in den Gegenden der deutschen Minderheit sondern landesweit garantieren exzellente Fachleute und Institutionen für Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Germanistik. Dieser Umstand kann kulturpolitisch nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Dem aufmerksamen Beobachter wird nicht entgehen, dass die deutsche Sprache hinsichtlich ihrer Inhalte, Tiefe und Präzision, ja sogar ihrer Existenz überhaupt einer schon lange anhaltenden Krise ausgesetzt ist. Dabei ist nicht nur an die politische Katastrophe des Nationalsozialismus samt deren Auswirkungen auf die deutsche Sprache zu denken, sondern auch an deren Zurückdrängung durch das Englische als Sprache der Globalisierung von Technik und Wirtschaft sowie an den mitunter schwierigen Stand des Deutschen im Sprachkonzert der Europäischen Union.

Gestatten Sie mir aber auch, meine Damen und Herren, meinen persönlichen Dank an alle Deutschsprechenden in Rumänien zu richten. Als langjährig tätiger Österreicher in Rumänien bin ich mir der Brückenfunktion der deutschen Sprache zwischen meinem Heimatland und dem Gastland Rumänien besonders deutlich bewusst. Das Deutsche erleichtert dem Ausländer den kulturellen Zugang zu Rumänien in außergewöhnlicher Weise und trägt viel zur Wertschätzung der gemeinsamen Tradition unserer beiden Länder bei.

Abschließend darf ich allen am Kongress Teilnehmenden bestes wissenschaftliches Gelingen wünschen und meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass all die Vorträge, Diskussionen und Erkenntnisse, die zur reichhaltigen Gestaltung des Kongresses beitragen, auch ihren schriftlichen Niederschlag finden. Möge dem Kongress ein großer Erfolg beschieden sein!

[Im Grußwort der Direktorin des Instituts für Deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, München, Dr. Krista Zach, wurde die langjährige Zusammenarbeit mit der GGR sowie mit dem Bukarester Germanistiklehrstuhl hervorgehoben, die seit einiger Zeit auf vertraglicher Grundlage abgewickelt wird. Vom IV. Kongreß der Germanisten Rumäniens im Jahre 1994 bis heute war das IKGS auf allen Germanistenkongressen in Rumänien mit einer eigenen, bedeutenden Sektion (Deutsche Regionalliteraturen in Rumänien) vertreten, die es organisierte und finanzierte. Auch perspektivisch bestehen alle Voraussetzungen und Bedingungen für eine verstärkte Zusammenarbeit mit den rumänischen Germanisten. Sie wies auf einige Projekte hin, die das IKGS in Zusammenarbeit mit rumänischen Germanisten in Angriff genommen hat.
Anschließend ergriff Dr. Herbert Arlt vom Wiener INST das Wort:]
 

GRUSSBOTSCHAFT

des wissenschaftlichen Direktors des INST, Wien,

Dr. Herbert Arlt

Der 6. Kongress der GermanistInnen Rumäniens in Sibiu/Hermannstadt zeichnet sich dadurch aus, dass er den neuen Aufgaben offen entgegengeht. Wurde die Germanistik doch im 19. Jahrhundert als Nationalphilologie gegründet. Nationalismus und Chauvinismus überschatten die Geschichte des Faches, wobei die Lehrenden und ForscherInnen sowohl auf der Seite der Täter als auch auf der Seite der Opfer standen.

Angesichts der transnationalen Prozesse – insbesondere seit den ersten Schritten zur Erweiterung der Europäischen Union – werden auch im Zusammenhang mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozessen neue Fragestellungen aufgeworfen. Die Struktur der Konferenz, die wie immer in hervorragender Weise von Präsident George Gu]u und seinen MitarbeiterInnen organisiert wurde, zeigt die neue Ausrichtung gerade auch anhand der Offenheit nicht nur gegenüber neuen Themen, sowie die Bereitschaft zur Kooperation mit anderen Disziplinen durch vereinzelte transdisziplinäre und transnationale Ansätze. Angesichts einer hocharbeitsteiligen Gesellschaft und der Relativität der Informationsaufnahme des Einzelnen, wie dies Robert Musil bereits in seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften" dargestellt hatte, ist die Bedeutung der pluralistischen Ausrichtung dieses Kongresses ebenfalls sehr bedeutsam.

In diesem Sinne wünscht das INST dem Kongress alles Gute bei seinen Beratungen.

[Wegen Erkrankung mußte Prof. Dr. Fritz Tangermann, Bundesvorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes, Berlin, seine Teilnahme am Hermannstädter Kongreß leider kurzfristig absagen. Der 1. Vorsitzende des Deutschen Germanistenverbandes, Prof. Dr. Konrad Ehlich, München, bat deshalb Prof. Dr. Thomas Krefeld, Universität München, die Grußbotschaft des DGV zu verlesen:]
 

GRUSSBOTSCHAFT

des 1. Vorsitzenden des Deutschen Germanistenverbandes

Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Ehlich

Die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens veranstaltet ihren VI. Kongreß. Eine beeindruckende Fülle von Themen zeigt eine lebendige, ausdifferenzierte Wissenschaftslandschaft, zeigt eine Germanistik, die ihre Arbeit umfassend und in einem internationalen Kontext realisiert. Alle Bereiche der germanistischen Forschung sind präsent. Das Rahmenprogramm läßt erkennen, in welcher intensiven Weise diese Germanistik zugleich in das kulturelle Leben ihres Landes eingebunden ist.

Die große Zahl ausländischer Gäste, die nach Sibiu kommen, dokumentiert zugleich, in welcher eindrücklichen Weise die rumänische Germanistik ihre internationalen Kontakte pflegt und so einen herausragenden Beitrag für eine Situation leistet, in der die nationalen Grenzen und die nationalen Rahmen zunehmend überschritten werden.
Die bevorstehenden europäischen Entwicklungen bedeuten für unseren „alten" Kontinent die Chance, das Verhältnis von Nationen zueinander - von Nationen, die oft eine schwierige Geschichte teilen, zudem - neu zu bestimmen. Diese Chance ergibt sich in einer globalen Situation, die zugleich für diesen „alten" Kontinent neue Herausforderungen mit sich bringt. Es wird die Aufgabe Europas sein, für die Kulturen und die Sprachen in ihrer Vielfalt Lösungen jenseits einer „Globalisierung" zu finden, deren ultima ratio Reduktion, kulturelle Nivellierung und sprachliche Verarmung ist. Wir brauchen ein neues Sprachdenken in Europa, das aus der Mehrsprachigkeit mehr macht als eine Reihe politischer Programmpunkte und Floskeln. Mehrsprachigkeit zu einer politischen und bildungspolitischen Realität werden zu lassen - dies bedeutet zuallererst, daß wir aus einem nationalstaatlich bestimmten Sprachdenken aufbrechen, daß wir ein neues Denken wagen und daß wir die bildungspolitischen und die kulturpolitischen Konsequenzen ziehen. Die Praxis und eine neue Realität von Mehrsprachigkeit ist die Grundlage für die Kontinuität von literarischen Kulturen, wie sie für Europa charakteristisch sind. Die Intensität des Übersetzens, die Wirklichkeit eines mehrsprachigen europäischen Kulturbetriebes, eben Vielfalt statt Einfalt - dies zeichnet die kulturpolitische Wirklichkeit aus, und dies soll die europäische kulturpolitische Wirklichkeit weiterhin auszeichnen.

Zu dieser Vielfalt gehört eine Wissenschaft, deren Ursprünge auf eine besonders intensive Weise mit dem Projekt „Nation" verknüpft sind - die als Nationalphilologie entstandene Germanistik und ihre mancherlei Schwestern in anderen europäischen Nationalkulturen. Der Deutsche Germanistenverband hat die Herausforderungen, die mit der Transnationalisierung verbunden sind, angenommen.

Die Auslandsgermanistik hat lange zuvor aufgrund ihrer Situation als Vorreiter für eine solche, die nationalen Horizonte übersteigende Perspektive der Germanistik Problembewußtsein eröffnet und dazu beigetragen, daß neue Entwicklungen mit neuen Lösungen versehen werden. Der Deutsche Germanistenverband freut sich auf eine intensivierte europäische Kooperation. Wir freuen uns, daß der Deutsche Akademische Austauschdienst die Arbeit der rumänischen Germanistik auf so intensive Weise fördert und unterstützt. Gerade mit Blick auf die neuen europäischen Perspektiven kommt diesem Aspekt der deutschen außenpolitischen Kulturarbeit eine erhöhte Bedeutung zu.

Als Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes beglückwünsche ich die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens zu der programmatischen Vielfalt, der Spannbreite der Sektionen und der Themen, der Intensität des wissenschaftlichen Arbeitens, die vor ihnen liegt. Mit Freude sehe ich, daß durch eine eigene studentische Sektion auch die Studierenden die Möglichkeit haben, ihre Interessen und ihre Arbeit in den Rahmen des Kongresses einzubringen.

Ich bin davon überzeugt, daß das, was Sie in den folgenden Tagen gemeinsam wissenschaftlich und kulturell erleben werden, über die Grenzen des Anlasses hinaus ausstrahlen wird. Ich hoffe, daß eine Auswirkung die Präsenz rumänischer Kolleginnen und Kollegen beim Deutschen Germanistentag sein wird, zu dem wir für den 12.-15. September 2004 nach München einladen. Ich wünsche Ihnen allen im Namen und im Auftrag des Deutschen Germanistenverbandes Glück und gutes Gelingen.

[Von Seiten der Österreichischen Gesellschaft für Literatur richtete Prof. Dr. Anton Schwob, ehemaliger Präsident der ÖGG und derzeitiger Vorstand des Germanistischen Instituts der Universität Graz, ein Grußwort an den Kongreß. Er unterstrich die langjährigen Beziehungen der Zusammenarbeit mit dem rumänischen Fachverband: auf allen Kongressen der Germanisten Rumäniens war die ÖGG durch bedeutende GermanistInnen vertreten. Die österreichischen Germanisten schätzen die fachlichen und menschlichen Kontakte zu ihren rumänischen Partnern und äußern ihre Überzeugung, daß auch künftighin gemeinsame Fachveranstaltungen gefördert werden sollen.

Zum Abschluß der Eröffnung des Kongresses dankte der Präsident der GGR allen Gästen im Namen aller rumänischen Kolleginnen und Kollegen für die anerkennenden Worte, die die wissenschaftliche Leistung und die internationalen Beziehungen der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens um ein übriges Mal hervorhoben und unter Beweis gestellt haben. ]

 

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ABSCHLUSSREDE

des Präsidenten der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens,

Prof. Dr. George Gutu

Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen,

Ihnen vor allem, die hier noch im Saal anwesend sind, gilt mein besonderer Dank dafür, daß Sie bis zum Abschluß ausgeharrt haben - aber in gleichem Maße dankt die GGR allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an unserem VI. Kongreß, die durch ihre Vorträge, durch ihre Diskussionsbeiträge den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen und den aktuellen Anforderungen von Forschung und Lehre Genüge leisteten. Es war in erster Linie eine Tagung der wissenschaftlich anspruchsvollen Leistungen, ein Leistungsvergleich zwischen den rumänischen GermanistInnen und ihren KollegInnen aus vielen Ländern der Welt.

Durch seine thematische Vielfalt hat der Kongreß Stand und Perspektiven, Leistungen und Defizite der rumänischen germanistischen Forschung herausgearbeitet und in ihren scharf umrissenen Weiten und Engen - um mit einem Goetheschen Ausdruck zu sprechen - weitgehend erkannt. Ob Literaturwissenschaft, Linguistik, Didaktik des DaF-Unterrichts oder Literatur- und Kulturinterferenzen - all diese großräumigen Forschungsfelder wurden durch bemerkenswerte Vorträge vertreten, wobei in den verschiedenen Foren innerhalb verschiedener thematisch enger, also präziser gezogener Grenzen die Möglichkeit vertiefter Analysen und Erkenntnisse gegeben war. Durch die traditionelle Sektion über die deutschen Literaturen in und aus Rumänien haben wir erneut gezeigt, wie eng unsere Beziehungen der Zusammenarbeit geworden sind und wie ernst es unsere nun deutschen Kollegen mit der Pflege aufrichtiger, vertrauter Beziehungen zur alten Heimat meinen. Das hat eine eminent wissenschaftliche, aber nichtsdestoweniger auch menschliche Dimension, die wir alle drei Jahre der Öffentlichkeit beeindruckend vor Augen führen.

Indem wir mit dem Institut zur Förderung und Erforschung österreichischer und internationaler Literaturprozesse (INST) in Wien die neue, hochaktuelle Sektion zu Fragen der Mehrsprachigkeit, Interkulturalität und Transnationalität einrichten konnten, verzeichnen wir einen besonders lobenswerten Gewinn gegenüber unseren bisherigen Kongressen. Das zeigt um ein übriges Mal den Willen der rumänischen Germanistik, sich nach allen sinnvollen, modernen, aktuellen, zukunftsträchtigen Richtungen hin zu öffnen und trotz denkbar schwieriger Bedingungen an ihrer internationalen Berufung festzuhalten.

Zugleich war unsere Tagung der glückliche Rahmen, Schritte in Richtung einer entschiedeneren Annäherung zwischen verschiedenen Generationen, einschließlich der jüngsten, des studentischen Forschungsnachwuchses zu tun. Durch die Internationalisierung des nun auf unseren Kongressen traditionell gewordenen Forums studentischer Forschung wurde in konkreter und fachgerechter Weise dem Globalisierungsprozeß innerhalb der Kultur- und Geisteswissenschaften entsprochen, denn nicht nur zwischen erfahrenen Wissenschaftlern soll es zu einem germanistischen Leistungsvergleich kommen, sondern auch zwischen den jüngeren Kolleginnen und Kollegen sowie den Studenten verschiedener Länder. Deshalb gilt als ein weiteres Merkmal des VI. Kongresses die Tatsache, daß auch Hermannstadt zum Ort der Begegnung von Kolleginnen und Kollegen aus ganz Rumänien sowie aus sehr vielen Ländern der Welt werden konnte.

Die Diskussion über die aktuellen Aufgaben der rumänischen Germanistik zeigt die Bemühung von uns allen, uns den heutigen Erfordernissen und Ansprüchen zu stellen, sie zu erkennen und ihnen gerecht zu werden - im Gegenstand unserer Forschungsvorhaben, in den methodischen Ansätzen, im didaktischen Prozeß. Es ist klar geworden, daß man sich auch darin einig ist, daß die Vernachlässigung der Lehre unvermeidlich auch zur Minderung des Forschungspotentials sowie zur Abnahme der qualitativen Ansprüche führt. Lehrer und Forscher gehören untrennbar zusammen. Hoch- und Mittelschule ebenfalls. Wer diesen Kreis nicht in sich schließen läßt und ihm Brüche und Schnittstellen zufügt, muß zwangsläufig mit der zunehmenden Verschlechterung der Sprachkompetenz sowie mit der Verwässerung von Fachkenntnissen rechnen.

Der VI. Kongreß hatte den besonderen Vorzug, in einer Region zu tagen, in der es noch eine bedeutende deutsche Minderheit gibt, deren jahrhundertealte Kultur- und Zivilisationstraditionen die Germanistik in Rumänien schon immer in entscheidendem Maße geprägt haben. Die enge Verbindung von germanistischer Tradition in den verschiedensten Gebieten Rumäniens und historisch gewachsenem Bewußtsein wurde gerade an diesem Ort deutlicher denn je. Daß auch die politischen Vertreter der deutschen Minderheit diese bedeutende Einsicht erlangen konnten, ist ermutigend und schafft das notwendige, tragfähige Vertrauen.

Kehren wir nach Hause bereichert an Erfahrungen, bereichert an neuen Kenntnissen, bereichert an neuen menschlichen und fachlichen Kontakten. Bleiben wir weiterhin kollegial miteinander verbunden, vertiefen wir unsere gegenseitigen Kontakte und Mobilitäten, denn nur der kontinuierliche Informationsfluß kann uns vor der Gefahr bewahren, auf falschen, holprigen Wegen zu gehen oder sogar auf der Stelle zu treten.

Ich danke dem DAAD erneut für die großzügige Unterstützung und Ermunterung, wir danken dem Hermannstädter Germanistiklehrstuhl - allen voran dem Kollegen Prof. Dr. Gerhard Konnerth, der nicht selten auch das Unmögliche möglich gemacht hat, aber auch Kollegin Sunhild Galter, die durch ihren Einsatz viele heikle Fragen zu lösen vermochte. Dank gilt allen anderen KollegInnen aus Hermannstadt. Einen besonders herzlichen Dank möchte ich den studentischen Helferinnen und Helfern aussprechen, die stets einsatzbereit waren und keine Mühe gescheut haben, damit alles bestens läuft, zur Zufriedenheit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das ist ein gutes Zeichen und berechtigt uns zu der Hoffnung auf einen bewußt für die hiesige Germanistik arbeitenden wissenschaftlichen Nachwuchs.

Dank gilt meinen Kolleginnen in Bukarest, ohne deren Hilfe dieser Kongreß nicht zustande gekommen wäre. Vor allem Anca Radulescu und Lucia Nicolau verdienen unseren besten Dank! Wir danken allen unseren Sponsoren und Mitveranstaltern, die die Durchführung unseres Kongresses möglich gemacht haben!

Zum Schluß möchte ich meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß die Kongresse der Germanisten Rumäniens ihre Tradition fortsetzen werden! Mögen jüngere Leute neue Konzepte entwickeln und neue Wege erkunden, um die künftigen Ausgaben dieser Tagung zu erneuern, zu optimieren, besser und attraktiver zu gestalten. Die bisherige Erfahrung zeigt, daß dies ohne weiteres möglich - aber auch notwendig ist… Ich bin sicher, daß meine bisherige Erfahrung, mein aufrichtiger ehrenamtlicher Einsatz vielen Kolleginnen und Kollegen nützlich war, damit sie sich daran ein Beispiel nehmen und es weiterführen und an neue Erfordernisse anpassen.

Ich hoffe auch, daß ich beim nächsten Kongreß, über dessen Austragungsort die Leitung der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens demnächst beraten und entscheiden wird - als mögliche Stadt kommt Temeswar durchaus in Frage -, einer der ebenso vielen Gäste zu sein, wie sie in diesem Jahr nach Hermannstadt gekommen sind. Ich stehe mit meiner Erfahrung mit Rat und Tat zur Verfügung.

Mit dieser Zuversicht und in der Hoffnung, daß Sie alle wieder einmal zu uns kommen werden, verabschieden wir uns von unseren ausländischen und inländischen KollegInnen - und danken Ihnen allen für Ihren wertvollen Beitrag zum guten Gelingen des Kongresses.

Mögen wir uns gesund und wissenschaftlich gewachsen in Rumänien wieder treffen!

Auf Wiedersehen im Jahre 2006!

 

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