Prof. Dr. George Guţu 60

Für die Germanistik Rumäniens ist er ein Glücksfall – der am 16. März 1944 im Donauhafen Galaţi/Galatz geborene Prof. Dr. George Guţu, Leiter des Germanistiklehrstuhls der Universität Bukarest. Dass er schon als Schüler des Galatzer “Mihail-Kogălniceanu”-Gymansiums Deutsch als Fremdsprache wählte, wurde ihm im mehrfachen Sinne zum Schicksal. Der Bewerbung um ein Auslandsstipendium folgte in den Jahren 1964-1969 das Studium der Germanistik und Kulturwissenschaften in Leipzig, das er als Diplom-Germanist mit Auszeichnung und als einer der beiden Beststudenten des Jahrgangs beendete; die Universität Leipzig bot ihm einen Doktorandenplatz an. In die Jahre nach 1970, zunächst als Assistent an der Bukarester Germanistik, fällt die Dissertation in Leipzig, 1977, der Beginn der Tätigkeit als Lektor, die Berufung als ordentlicher Professor, 1993, und die Wahl zum Leiter des Bukarester Lehrstuhls, 1998.

Hatte George Guţu in bewusster Fortführung der germanistischen Tradition seines Heimatlandes aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen schon 1990 die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und 1992 deren Zeitschrift gegründet, die er als Chefredakteur leitet, so griff er mit dem ihm eigenen Ideenreichtum, mit Hartnäckigkeit, Klugheit und Energie auch den Gedanken der rumänischen Germanistenkongresse wieder auf. Weitgehend in Alleingängen, unterstützt von einer Handvoll begeisterter Studenten und seiner Frau Dr. Antonina Guţu, plante und führte er bisher von der Beschafung der Sponsorengelder bis zur Programmerstellung und den Einladungen deren vier durch: 1994 Neptun, 1997 Sinaia, 2000 Jassy, 2003 Hermannstadt. Erstaunliche Großveranstaltungen, von Germanisten, Schriftstellern und Kulturwissenschaftlern aus mehr als einem Dutzend Länder bis hin nach Japan und den USA besucht – und respektvoll begutachtet!

Dass George Guţu über die Lehr- und seine vielfältige wissenschaftliche Publikationstätigkeit hinaus zu allem anderen 1998 die “Goethe-Gesellschaft in Rumänien” gründete, die beachtliche Buchreihe “GGR-Beiträge zur Germanistik” schuf und 2002 die Herausgabe der “transcarpathica. germanistisches jahrbuch. Rumänien” anregte und vorantrieb, wirft ein weiteres Licht auf die Leistungswilligkeit und -fähigkeit dieses Mannes. Die Wahl zum Mitglied rumänischer wie internationaler Gesellschaften deutet deren Anerkennung an: Internationale Vereinigung für Germanistische Wissenschaften, Goethe-Gesellschaft Weimar, Österreichische Gesellschaft für Germanistik, Rainer-Maria-Rilke-Gesellschaft, Elias-Canetti-Gesellschaft u.a. Nicht zuletzt machte sich George Guţu vor allem als Übersetzer deutscher Belletristik ins Rumänische einen Namen; über die Wortekenntnis hinaus zeichnet ihn ein ungewöhnliches Gespür für die Eigentümlichkeiten beider Sprachen aus.

Der Präsident der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und der Goethe-Gesellschaft in Rumänien, Gründungsmitglied des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas und Chefredakteur der Zeitschrift der Germanisten Rumäniens: Der Leiter des Bukarester Germanistiklehrstuhls Prof. Dr. George Guţu ist heute eine der wichtigsten und zuverlässigsten Institutionen deutscher Kulturpolitik in Rumänien. Das will sehr viel heißen in einer Zeit, da das Deutsche im Land, bedrängt vom Englischen und Französischen, geschwächt durch die Abwanderung der deutschen Minderheit, vor schwierigen Aufgaben steht. Die Mischung aus südöstlichem Gleichmut, lateinischem Esprit und preußischer Genauigkeit machen ihn zu einer Persönlichkeit, deren Charisma auch im privaten Umgang ihre ebenso überzeugende wie sympathische Wirkung ausübt.

Hans Bergel

[In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter. Zeitschrift für Literatur und Kunst, Geschichte und Zeitgeschichte. 53. Jg., München 2004, Heft 2, S. 151-152]

 

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