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Insulare Differenz und grenzgängerische Identität.

Deutsche Literaturen in Rumänien im Überblick

Von George Guţu

(In: Identität und Alterität. Imagologische Materialien für den Landeskundeunterricht.

 

Hgg. v. George Guţu und Mihaela Zaharia. Editura Universitatii din Bucureşti, Bucureşti 2004,

S. 143-186 (Reihe "GGR-Beiträge zur Germanistik", Bd. 11)

 

 

I. Argumentum

Nachstehender Überblick versteht sich als einführender Leitfaden für Studierende in Rumänien, die weder mit der hier knapp zu umreißenden geistig-kulturellen Konstelllation noch mit dem damit bestehenden Zusammenhang deutscher Geschichte und Literaturgeschichte vertraut sind und erst im Laufe ihres philologischen Studiums der Germanistik vertraut gemacht werden, dafür jedoch Interesse zeigen und sich mit der Diskursivität der in Rumänien sowie – später – von da aus geprägten rumäniendeutschen Kunstproduktion beschäftigen wollen. Er soll Meilensteine kenntlich machen und als aufschließender Aufriß den Einstieg in diese komplexe Problematik ermöglichen. Zugleich sollen über ausgewählte Sekundärliteratur weitere Recherchen zu diesem Gegenstand angeregt werden.

II. Zum Begriff "rumäniendeutsche Literatur"

Der Gegenstand deutsche Literaturen in Rumänien oder rumäniendeutsche Literatur, der als unabweisbare, bei Nichtkennern oft Verwunderung auslösende Erscheinung innerhalb des geistig-kulturellen Lebens in Rumänien angesehen wird, konnte lange Zeit mit keinem Begriff genannt werden, der es vermocht hätte, das von ihm nvisierte Phänomen auch nur annähernd zufriedenstellend zu benennen. Man sprach mitunter von der "deutschen Literatur in der RVR"[1], vom "deutschen Schrifttum der RVR"[2], von einer "deutschsprachigen Literatur" oder von einer "deutschgeschriebene(n) Literatur bei uns im Lande"[3], von einer "deutschsprachigen Literatur im rumänischen Raum"[4], von einer "deutschsprachigen Literatur im rumänischen Sprachraum"[5] oder sogar von einer "fünfte(n) deutsche(n) Literatur", das heißt von der "deutsche(n) Dichtung aus Rumänien"[6], ja auch von "deutsche(r) Literatur in rumänischer Landschaft"[7]. Diese breit aufgefächerte begriffliche Vielfalt war der deutliche Ausdruck der Verwirrung, in die man geriet, als es darum ging, über diese Literaturproduktion Aussagen zu machen, und zugleich Ausdruck einer von den widersprüchlich-wechselvollen geschichtlichen, politischen und kulturellen Umständen wesentlich geprägten prozeßhaften Entwicklung dieser Literaturen, die außerhalb des geschlossenen deutschen Sprachraums, an dessen Rand/Rändern, genauer in Gebieten, die heute oder früher das Territorium Rumäniens ausmachen bzw. ausgemacht haben, entstanden sind. Schon von der Ansiedlungszeit an galt die Begegnung als dauerhaftes Merkmal: "Die poetische Literatur der Deutschen in Siebenbürgen stand während ihrer gesamten historischen Existenz zwischen dem 12. Und dem 20. Jahrhundert von einem unausweichlichen Doppelanspruch: ihre Autoren waren einerseits als Deutsche aufgeschlossen für die Einflüsse, die ihnen vom Muttervolk aus Zentraleuropa zuflossen, ja sie waren auf diese angewiesen, andererseits aber hatten sie als Südosteuropäer auf einem von den zentraleuropäischen Deutschen grundlegend verschiedenen geschichtlichen Weg die besondere Situation ihrer geographischen und geopsychischen Lebensraums in der Begegnung mit Völkern und Kulturen zu bewältigen, die der Mittel- und Westeuropäer fast nur dem Namen nach kennt."[8] In ihrer Inselexistenz inmitten fremder Völkerschaften, Sprachen, Kulturen und Traditionen mußten sie sich selbst zunächst als Fremdes begreifen, durch aus eigener Fremdheit resultierte Diskurse die Probe der Toleranz durch das andersgeartete Umfeld bestehen und sich als bereichernder Beitrag zur Konstituierung der eigenen Identität sowie der Akzeptanz von Alterität ausweisen. Sehr spät – und nicht in dieser semiotischen Relevanz – wurde diese wesensbestimmende Dualität der literarischen Produktion verschiedener in traditionell rumänischen Gebieten, zu verschiedenen Zeitpunkten angesiedelten deutschen Bevölkerungsgruppen als schöpferisch fördernde Dependenz einerseits vom binnendeutschen Schrifttum, andererseits vom Selbstbehauptungswillen im inselartigen Daseinsraum verstanden.[9]

Der Begriff «rumäniendeutsche Literatur» setzte sich in den sechziger Jahren immer mehr durch, was den Schluß nahe legt, daß der Klärungsprozeß, die Reflexion in bezug auf die Bestimmung der Eigentümlichkeiten dieser Literatur nicht nur begonnen hatte (wozu das gewandelte kulturpolitische Klima Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in Rumänien wesentlich beitrug), sondern sogar auf Hochtouren lief. So daß in einer der ersten panoramahaft angelegten Synthesearbeiten festgestellt werden konnte: "Die zeitgenössische rumäniendeutsche Literatur ist die Literatur der mitwohnenden deutschen Nationalität in Rumänien."[10] Die Präzisierung "zeitgenössisch" meidet bewußt die berechtigte Frage nach der Definition der "früheren" oder "bisherigen" Literatur der Deutschen, die in früher oder heute zu Rumänien gehörenden Gebieten lebten. Denn "das, was wir heute rumäniendeutsche Literatur nennen, ist aus der Vereinigung dreier Ströme entstanden: der deutschen Dichtung des Banats, Siebenbürgens und der Bukowina"[11] – eine Formulierung, die gerade dadurch gewichtiger wird, da sie aus der Feder eines Bukowiner Dichters mit scharf-kritischem Blick und umfangreicher Sachkenntnis stammt: Galt und gilt doch die Bukowina für manche Forscher gerade durch ihren am kreativsten hervorgetretenen Mittelpunkt (Czernowitz) – irrtümlicherweise – als nichtrumäniendeutsche Komponente.[12] 

Fakt ist, daß "die Vereinigung des Banats, Siebenbürgens und der Bukowina mit Rumänien /…/ die Bildung einer sozio-kulturellen Infrastruktur, die das Näherkommen der Banater Schwaben, Siebenbürger Sachsen, Juden und Deutschen aus der Bukowina förderte, zur Folge /hatte/."[13] Nicht erst nach 1945 begann also der Annäherungs- und Homogenisierungsprozeß, sondern schon "nach dem Zusammenbruch des österreichisch-ungarischen Vielvölkerstaates (1918) und nach der Vereinigung Siebenbürgens und der Bukowina mit Rumänien, einem historischen Ereignis, das zur Bildung des rumänischen Nationalstaates führte und das von allen deutschen Siedlergruppen begrüßt worden war", als solche Bedingungen geschaffen wurden, "die den Zusammenschluß der deutschsprachigen Bevölkerung ermöglichten".[14] Die Annäherung sollte selbstverständlich keinesfalls reibungslos vor sich gehen, sie nahm sogar unter den sozialnationalistischen (auf binnen- sowie fast zeitgleich auch rumäniendeutscher Seite) und nationalistischen Bestrebungen (auf rumänischer Seite) Rückschläge in Kauf, die die Rückbesinnung auf traditionele, klassisch-maßvolle Traditionen sowie auf regional eingegrenzte Thematik bewirkten. Die traditionell historisch gewachsenen Differenzen innerhalb der deutschsprachigen Gruppen und ihrer Literatur in Rumänien konnte nie zur Gänze überwunden werden. Wenn also nach 1918 berechtigterweise von einer – auch wenn strukturmäßig und diskursiv noch heterogenen und weiterhin stark regional geprägten – rumäniendeutschen Literatur gesprochen werden konnte[15], so sollte dies freilich noch nicht bedeuten, daß diese Literatur endgültig zu ihrer Identität und zu ihrem Selbstbewußtsein gefunden hätte[16]. Starke Ansätze dazu bestanden nach 1945, genauer nach 1948, als die noch immer regional geprägten Ströme zu einer immer selbstbewußter werdenden rumäniendeutschen Literatur zusammengeführt wurden.[17] 

Während diese Bezeichnung fast generell Akzeptanz findet, gab es auch Bemühungen, sie als ideologisch und machtpolitisch instrumentalisierte Formulierung zu deuten[18]: «ungarndeutsche Literatur» wird dagegen als Begriff (nicht nur) von ungarischen Literaturwissenschaftlern verdachtfrei verwendet. Der verfemte Begriff erobert alledings erneut seine ideologiefreie Signifikanz zurück: "… der Begriff «rumäniendeutsche Literatur» /wird/ auch in der jüngsten Forschung dadurch weiter rehabilitiert, daß er [sogar; G.G.] für die Erfassung der literarischen Zeugnisse, die in der Bundesrepublik entstanden sind, für kompatibel erklärt…: 'Mir scheint es' [wird René Kegelmann angeführt; G.G.] 'am plausibelsten, beim Begriff «rumäniendeutsche Literatur» zu bleiben, da er sich als einziger der diskutierten Bezeichnungen auch auf die in der BRD entstandene Literatur anwenden läßt. Alle anderen vorgeschlagenen Begriffe sind in der Tat nur sinnvoll, wenn sie auf die in Rumänien entstandene Literatur bezogen werden. In dem Begriff «rumäniendeutsche Literatur» ist die Prägung durch die rumänische Umgebung und der Bezug zur deutschen Literatur und Sprache enthalten'."[19] Am zutreffendsten und fremdbestimmungsfreiesten scheint uns indessen die rumänische Bezeichnung: «literatura de expresie germană din România»[20].

1990, also nach dem Sturz der Diktatur in Rumänien, wurden ohne jeglichen Zensurdruck und vollkommen ideologiefrei Tatsachen beim Namen genannt, die auch auf den unbequemen Begriff ein beruhigendes Licht zu werfen vermag: "Auch der vorliegende Band [Band 7 der Reihe "Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen"; G.G.] spiegelt die engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen der siebenbürgischen Städte und Verbände zu den anderen rumänischen Fürstentümern jenseits der Karpaten."[21] Man merke sich die Zeit: 1474-1486![22]

Die insulare Differenz ihres von Fremdem geprägten und sie prägenden natürlichen, sozialen, geschichtlichen und kulturellen Umfeldes verbindet sich in der prozeßhaften Entwicklung der heute als rumäniendeutsch bezeichneten Literatur durch zahlreiche Querverbindungen zu einheimischen sowie binnendeutschen Faktoren zu einer sich durch Multikulturalität und Grenzgängertum auszeichnenden, in vielerlei Hinsicht einmaligen, unverwechselbaren europäischen Identität.

3. Geschichtlicher Hintergrund

Wie kam es jedoch dazu, daß es deutschsprachige Bevölkerungsgruppen in Rumänien (1930: etwa 625.000, 1977: etwa 360.000, nach dem Exodus 1990 nur noch etwa 60.000 Menschen) gibt?

Der systematischen, wissenschaftlichen Beantwortung dieser Frage mit all den sich daraus ergebenden Konsequenzen wurde die Arbeit eines Forschungsteams in Sibiu (Hermannstadt) gewidmet, deren Ergebnisse vor längerem bereits vorgelegt wurden[23]. Sie wurden erneut aufgenommen, ergänzt, bearbeitet und ab 1997 der Fachwelt zugänglich gemacht.[24] Die Hauptträger der drei erwähnten Ströme waren:

3.1. Die Siebenbürger Sachsen, "die vor allem aus der Mosel-Rhein-Gegend, aus Luxemburg, aber auch aus anderen Gebieten nach Transsilvanien einwanderten und hier erst seit Mitte des 12. Jahrhunderts ansässig wurden" und allmählich "zu einer ethnischen und sprachlichen Einheit" zusammenwuchsen.[25] Um das Jahr 1206 kamen also geschlossen sogenannte "hospites regni saxones", nachdem schon 1105 "der erste, dem Namen nahc bekannte Siebenbürger ‘Sachse’", auf diesem Gebiet angesiedelt wurde.[26] Die Berufung der Deutschen nach Siebenbürgen durch die ungarischen Könige, die damals über das von Rumänen stark bevölkerte Siebenbürgen herrschten, bezweckte die Festigung des Widerstandes gegen die Einfälle der Petschenegen und Kumanen sowie die damit verbundene wirtschaftliche Entwicklung dieses Landes.[27] Daß eine große Anzahl von Deutschen dazu bereit war, in diese Ostgebiete auszuwandern, lag wohl an einer ganzen Reihe von "demographischen, juridischen, religiösen, ethnischen, wirtschaftlichen oder politischen" Ursachen.[28] Im "Andreanischen Brief" (1224) wurden ihre Siedlerrechte verankert, die es fortan zu wahren galt. Hauptbeschäftigungen waren der Ackerbau, das Handwerk und der Handel. 1486 erfolgte "als Folge des wirtschaftlichen Aufstiegs der Kaufmannschaft und der Handwerker" die Gründung eines Organs der Selbstverwaltung, der "Universitas Saxonum". Der Kampf für die Wahrung der auch nach der Schlacht von Mohács (7. August 1687) bestätigten Rechte gegen die in- und fremdländischen Angriffe (des Adels bzw. der Türken, später aber auch der Österreicher und Ungarn) bestimmt dann jahrhundertelang das Bestätigungsfeld der Siebenbürger Sachsen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens (Reformation, dann der im 17. Jahrhundert zu verzeichnende Tiefpunkt, österreichisch-habsburgische Herrschaft etc.). "Das gesamte schöpferische Tun wurde vorbehaltlos in den Dienst der nationalen Erhaltung gestellt. Nur das galt als gut, was der Eigenart der Sachsen entsprach und ihr unmittelbar diente."[29]

3.2. Die Banater Schwaben, die im 18. Jahrhundert "aus dem Westen und Südwesten des damaligen Deutschen Reiches" kamen, durch "subjektiv bereit zum Verlassen der Heimat ... infolge der wirtschaftlichen und sozialen Not durch das Verlangen nach einem besseren Leben ... gezwungen. Doch dies allein hätte hier ebensowenig wie an anderen Orten zur Auswanderung geführt, wären nicht als objektive Bedingungen die besonderen Verhältnisse in diesen Gebieten hinzugetreten, wo es einen kleinen Despotismus, aber keine wirkliche staatliche Gewalt gab und wo der Ansiedlerwerbung infolge der politischen Ohnmacht des Reichs jene Möglichkeit zur Entfaltung gegeben wurde, die man ihr in größeren Ländern sofort wirksam unterbunden hätte".[30] Die karolinische, theresianische und josephinische Kolonisation erfolgte also im Auftrage österreichischer und ungarischer Interessenträger, die Ansiedler erfreuten sich kaum verbriefter Rechte. Nach der 1778 erfolgten Übergabe des Banat an Ungarn mußten sie verstärkt ihren Existenzkampf führen, der sich nach 1867 gegen die Magyarisierungsversuche richtete. "In den rund zwei Jahrhunderten, die zwischen der Einwanderung unserer Vorfahren und dem großen Qualitätssprung der Augustereignisse von 1944 liegen", – zog Franz Liebhard das Fazit einer bewegten Geschichte – "war die deutsche Bevölkerung des Banat einer ganzen Reiche von stattlichen Entflechtungen und Einbauten unterworfen, die durch ihre Widersprüchlichkeit, durch die Vereinigung des vorher Gewesenen und die Notwendigkeit eines kurz zuvor als unmöglich geltenden Bekenntnisses nicht nur einer fortdauernden Stabilität, sondern auch der persönlichen Existenzsicherheit abträglich waren".[31]

3.3. Die Bukowinadeutschen kamen im Zuge von Kolonisationsbestrebungen der neuen Herrscher dieses Gebietes nach 1775 aus der Zips und dem Gründler Land (Zipser "Sachsen"), aus der Rhein-Main-Gegend (Schwaben), aus dem Böhmerwald  sowie (später) aus zahlreichen anderen, nicht mehr genau feststellbaren Gebieten im Zuge eines großangelegten Planes der Einwanderung in die Bukowina, wo sie sich meistens auf dem Lande ansiedelten. Noch vor diesen Kolonisten gab es nachweisbar zahlreiche Deutschstämmigen in der Bukowina und der Moldau, deren Oberland (rum. Ţara de Sus) die Bukowina gewesen war. Noch 1500 scheint die Bukowina "der Schauplatz einer Kulturüberschneidung Nord-Süd und Ost-West gewesen zu sein"; sie stelle sogar "im 14. Jh. neuerlich einen Angelpunkt osteuropäischen Geschehens dar. Die Genuesen, die Anjous und die Polen /…/ vollendeten gerade auf Bukowiner Boden das Werk der deutschen Kolonisten aus dem 12. Und 13. Jh." und bereicherten somit die Kultur und Zivilisation der einheimischen "Bogdaniden" (sprich: Rumänen) zu einer einmaligen Identität europäischer Dimension.[32]

Die von den Habsburgern hereingeholten Kolonisten, die zu Stadtbewohnern wurden, waren "nicht im Rahmen einer planmäßigen Ansiedlung eingewandert. Zum Großteil kamen sie aus eigenem Antrieb, weil es hier bessere gewerbliche und Verdienstmöglichkeiten gab; auch blieben zahlreiche österreichische Militär- und Zivilbeamten nach Ablauf ihrer Dienstzeit weiterhin in der Heimat."[33] Dieser Landstrich, der 1849 zu einem österreichischen Kronland wurde, bot das Bild einer eigenartigen Bevölkerungszusammensetzung. Hier lebten Rumänen, Kleinrussen, Huzulen, Lipowaner, Polen, Ungarn, Armenier, Zigeuner, Juden und Deutsche zusammen, sodaß die Bukowina "in nationaler und konfessioneller Beziehung ... ein Miniaturbild der gesamten Monarchie"[34] darzustellen vermochte. Von der Toleranz der einheimischen Bevölkerung, die sie in Rußland oder Galizien vermißten, nicht zuletzt jedoch durch die ihnen angebotenen Begünstigungen und Privilegien, wanderten sehr viele Juden in die Bukowina ein: Auch die Verwandtschaft des Jiddischen mit dem Deutschen trug dazu in nicht unwesentlichem Maße bei, daß sich Deutsch unter den neuen Herrschern im Laufe der Zeit als lingua franca durchzusetzen vermochte[35]. Trotz des Fleißes ihrer Einwohner und der vielen Naturschätze war die Bukowina lange noch ein rückständiges feudales Gebiet, in dem die traditionellen Herrschaftsmittel des österreichischen Kaiserreiches "Heer, Beamtentum und deutsche Sprache"[36], voll zur Geltung kamen. Durch die allgemeine ökonomische Entwicklung der habsburgischen Monarchie infolge aufgeklärter Maßnahmen in Jurisprudenz und Verwaltung konnte im 19. Jahrhundert ein ökonomischer Wachstum verzeichnet werden, der allen Bewohnern des Gebietes zugute kam.

Die verschiedenartigen Entwicklungen in den drei genannten Gebieten (denen jene in Bessarabien oder der Dobrudscha hinzugerechnet werden können) wiesen jedoch generell zwei gemeinsame Hauptmerkmale auf, die zugleich auch die Eigentümlichkeiten des geistigen Lebens in den einzelnen Enklaven sowie ihrer vielfachen Querverbindungen zueinander sowie zu den in denselben Gebieten lebenden Völkerschaften prägten:

a)    das Leben in einem nicht nur rein landschaftlich, sondern – was viel bedeutender ist – auch ethnisch und geistig-kulturell fremden Umfeld (im Bourdieuschen Sinne), was Insularität, Konservatismus, aber auch Bereitschaft – auch wenn nicht selten aus der Not heraus – zum Brückenschlagen und zur Erkundung differentierender Fremdheitsbestimmungen zur Folge hatte;

b)    die Pflege der Muttersprache, des Deutschen, allem Inselstatus zum Trotz, sowie der eigenen alten und neuen Traditionen, die sich zu einer interkulturellen, interzivilisatorischen und – trotz verständlicher mentalitäts- und und traditionsbedingter Unstimmigkeiten – völkerannähernden Synthese entwickeln sollte.

Obwohl die einzelnen Interessen divergierten, da jeweils andere konkrete Ziele ins Auge gefaßt wurden, schuf die Existenz im Rahmen eines vereinten rumänischen Staates nach 1919 die Voraussetzungen für eine gemeinsame Entwicklungsplattform: "Die Siebenbürger Sachsen, die Schwaben des Banats und des Sathmarer Gebiets, die Bukowina- und Dobrudschadeutschen, zwischen denen es vorher kaum Beziehungen gegeben hatte, schufen sich nun im neuen rumänischen Vaterland gemeinsam politische, kulturelle und teilweise auch wirtschaftliche Organisationen ..."[37] Der 1918 um das Doppelte seines Territoriums angewachsene rumänische Staat sah sich in die Zwickmühle der Bedrohung von Außen (durch die Nichtanerkennung der durch Friedensabkommen versiegelten Ergebnisse des I. Weltkrieges sowie durch den traditonell feindlichen, nun dazu noch kommunistisch gewordenen Nachbar im Osten) und jener von Innen (nazionalsozialistische sowie kommunistische Infiltrationen) geraten. Auch wenn nicht alle Versprechen nach 1918 gehalten wurden und mancherlei minderheitenfeindliche Maßnahmen getroffen wurden, gilt als generell anerkannt der Umstand, daß in der Zwischenkriegszeit eine beispiellose Blütezeit zu verzeichnen war – sowohl in der rumänischen als auch in der Kultur anderer mitwohnenden Minderheiten. Das Beispiel Bukowina mit ihrem gerade in rumänischer Zeit möglich gewordenen Bukowiner Kreis sei nur eines der vielfältigen Belege für die zeitbedingte Akzeptanz. Pauschal-plakative Aussagen[38] sind fehl am Platze und beweisen Unkenntnis der Erkenntnisse zahlreicher sachlich-objektiven Untersuchungen. Bevor Anfang der dreißiger Jahre nationalsozialistische Orientierungen unter den Rumäniendeutschen sichtbar wurden, verhielten sie sich in ihrer großen Mehrheit dem rumänischen Staat gegenüber loyal. Die Entwicklung der internationalen Lage übte jedoch ihren unheilvollen Einfluß auf die Einstellung mancher Rumäniendeutschen aus: Eine Nazi-Partei der "Deutschen Volksgruppe" in Rumänien wurde gegründet. Dies hatte nach dem Wiener Diktat (1940) und dem Abkommen zwischen Rumänien und Deutschland (1943) zur Folge, daß viele Rumäniendeutsche im deutschen Heer ihre Wehrpflicht ableisteten. Doch viele von ihnen versuchten gegenüber der Nazi-Ideologie und den Nazi-Umtrieben entschiedenen Widerstand zu leisten. Einer "Kollektivschuld" konnten sie dennoch nach dem Krieg nicht entkommen.

Das Jahr 1944 bedeutete auch für die deutsche mitwohnende Nationalität eine historische Wende: Ab dem 23. August, als Rumänien die Fronten wechselte, "hatte die gesamte sächsische Bevölkerung (ja die gesamte deutsche Bevölkerung in Rumänien; G.G.) die Konsequenzen jener Entscheidungen zu tragen, die ihre führenden Politiker seit Anfang der dreißiger Jahre getroffen hatten; das Für oder Wider jedes Einzelnen war belanglos, da nach 1944 die deutsche Minderheit insgesamt als 'faschistisch' galt."[39] Es folgten Verschleppung zur Wiederaufbauarbeit in der Sowjetunion, "Kollektivschuld", später systematische Homogenisierungsversuche zur Verwischung nationaler Unterschiede – wie überall in den sowjetisch besetzten Gebieten. Doch "Rumänien hat, als einziger Staat Ost- und Südosteuropas, seine deutsche Minderheit nicht vertrieben"[40] und den Homogenisierungsprozeß durch weiträumige Rechte[41] abgemildert, ja gehindert, die den Deutschen, allen – wie es offiziell hieß – "nationalen Minderheiten" nach 1948 gewährt wurden: "Daß die Menschen ihre Sorgen, Nöte und Vorbehalte in artikulierter deutscher Rede vorbringen können, auch und gerade im Gespräch mit Journalisten, ist nicht zuletzt ein Verdienst rumänischer Minderheiten- und Schulpolitik, die den Deutschen stets große Möglickeiten gab, in Sprache und Kultur Deutsche zu sein. Das Schicksal einer Minderheit hängt nicht an ein paar Vorzeigedeputierten in Parlamenten, nicht an einigen Zeitungen und Büchern – Seele und Rückgrat jeder Volksgruppe ist die Schule. Die über zwei Millionen Deutschen in der Sowjetunion wären glücklich, hätten sie auch nur ein Zwanzigstel der schulischen Möglichkeiten der Rumäniendeutschen – sie haben gar nichts."[42] Das sollte jedoch den repressiven Charakter eines zentralistisch-kommunistisch gelenkten Staates nicht in Frage stellen. Doch solche Nischen, in denen man in seiner Muttersprache nach Luft schnappen konnte, sollten nicht mit Krokodilstränen[43] überflutet und deshalb übersehen werden. Freiräume, wenn auch in tiefster Verunsicherung, sind immer zu finden: "Unsere Literatur wurde zum Versuch, die Umklammerung der Provinz und das kommunistische Verbot gleichzeitig zu überwinden. Wir schrieben gegen Chiles Pinochet, gegen das Nazidenken der Eltern und gegen die realsozialistischen Mißstände der Heimat."[44]

4. Die literarische Entwicklung

4.1. Anfänge und Festigung der einzelnen Ströme

4.1.1. Am Anfang der siebenbürgische-sächsischen Literatur steht die Gestalt Klingsors, eines sagenumwobenen Sängers, doch einen konkreteren, handfesten Eindruck von den literarischen Bemühungen der Siebenbürger Sachsen vermittelt ein Marienlied, das im 15. Jahrhundert aufgezeichnet wurde. Als Urkundensprache ist Deutsch seit dem 14. Jh. belegt. Und damit beginnt die Literaturbeschreibung, da Literatur "als Buchstaben-Fügung, als Literae-Sammlung begriffen" wird. In vorhumanistischer Zeit nimmt die Volksdichtung einen repräsentativen Platz ein. Geschaffen wurden Volkslieder, Balladen, mythische und historische Sagen, vor allem aber sehr viele Märchen. Auf dieses Volksschaffen werden später Johann Gottfried Herder und deutsche Romantiker (die Brüder Jakob und Wilhelm Grimm) aufmerksam machen, was bei den Deutschen in den rumänischen Gebieten das "rege Interesse an der Aufschlüsselung des eigenen Seins und an der Erkenntnis des eigenen historischen Werdens" erweckte.[45]

Das erste gedruckte Buch aus der Feder eines siebenbürgischen Autors ist das Türkenbüchlein (Tractatus de moribus condicionibus et nequicia Turcorum, 1480), das 1530 mit einer Vorrede von Martin Luther in deutscher Übersetzung erschien.

Der Humanismus verzeichnet in Siebenbürgen einige bemerkenswerte Gestalten wie Jakob Piso, Stephan Stieröchsel (Taurinus; 1519 veröffentlichte er Stauromachia), Georg Reicherstorffer (Chorographia Transylvaniae, 1550; Chorographia Moldaviae, 1541), Johannes Sommer, Christian Schesäus, Valentin Wagner. Doch der hervorragendste Vertreter des siebenbürgischen Humanismus’ war Johannes Honterus (1498-1549), der sich als Autor und Verleger hervorgetan hat. Er verfaßte zur Förderung des Unterrichts eine lateinische Grammatik und eine weitverbreitete Weltbeschreibung (Rudimenta Cosmosgraphica, 1530). Die letztere ist nicht zuletzt durch eine Landkarte Südosteuropas bekannt: "Auf ihr wird erstmals das Gebiet Rumäniens unter der klasssischen Bezeichnung ‘Dacia’ dargestellt."[46] Honterus leistete Bedeutendes auf dem Gebiet der Rechtsprechung, der Kirche (als Reformator) und als Buchdrucker. Zusammen mit den Werken von Valentin Wagner (Totentanz), Johannes Lebel (De opido Thalmus, Gedicht), Christian Schesäus (Ruinae Pannonicae), Johannes Sommer (Clades Moldaviae, fünfzehn Elegien, die "zu dem Besten gehören, was der Humanismus des Südostraumes an bleibenden Werten hervorgebracht hat"[47]) verhalf Honterus’ vielseitiges Werk der siebenbürgisch-sächsischen Literatur und Kultur zu allgemeiner Geltung. Es wäre noch zu erwähnen, daß zur Zeit des Humanismus’ in Hermannstadt das erste Buch in rumänischer Sprache herausgegeben wurde: Catehismul românesc (1544).

Das 17. Jahrhundert gilt in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen als eine echte geistige Blütezeit, in der vor allem die Barocke (Johann Trösters Das Alt- und Neue Teutsche Dacia, 1660; Lorenz Töppelts Origines et occasus Transsylvanorum, 1667) und "gelehrte" (Valentin Franck von Franckensteins Breviculus originum nationum et praecipue Saxonicae in Transsylvania) Geschichtsschreibung vorherrschen. Die Bedeutung dieser Werke wird auch dadurch unterstrichen, daß das erste von Miron Costin ins Rumänische übersetzt wurde, während das zweite bei Gottfried Wilhelm Leibniz Beachtung fand. Weitere historische Arbeiten verfaßten Andreas Teutsch, Martin Schmeizel, Georg Soterius (Historia Daciae antiquae) und Johann Filstich (Übersetzer des Letopisetul Cantacuzinesc), die den Übergang ins 18. Jahrhundert markieren. Bedeutendes gelang jedoch Valentin Franck von Franckenstein mit Hetacombe sententiarum Ovidianarum (1679); in diesem Buch stehen auch rumänisch verfaßte Betrachtungen. Ihm ist eine beudeutende Sammlung zu verdanken: Favor Donius (1679); weiterhin veröffentlichte er ein Rosetum Franckianum (1692). Im 18. Jahrhundert machen sich pietistische Einflüsse immer mehr bemerkbar (so in Andreas Teutschs Davidische Harfen, 1707), doch bald darauf setzten sich die aufklärerischen Gedanken durch, so bei Martin Felmer, Johann Seivert, Michael Lebrechts (mit seiner Geschichte der dazischen Völker in Abendunterhaltungen vors Volk, 1791), Jakob Aurelius Müller, Franz Joseph Sulzer (mit seiner Geschichte des Transalpinischen Daziens, 1781), doch das literarische Schaffen nahm keinen allzu großen Aufschwung.

In der Zeit des Vormärz tat die Literatur die Vaterlandsliebe der Autoren kund, die mit einer konstruktiven Kritik an Mißständen der Zeit verbunden war. Josep Marlin schrieb Polotische Kreuzzüge im Sachsenlande (1847), den Roman Horra, das Drama Dezebalus. Eine zeitbedingte Erscheinung war auch das Sammeln von Folklore-Material.

Im 18. Jahrhundert erfuhr die Presse in Siebenbürgen eine rasche Entwicklung. 1784 erschien die erste politische Zeitung in diesem Raume, die Siebenbürgische Zeitung. Unbedingt hervorzuheben ist die Tatsache, daß ein Siebenbürger Sachse (Johann Gött) derjenige waar, der die ersten rumänischen Zeitungen in Siebenbürgen herausgab: Foaia Duminecii (1837) sowie Foaia literară (1838) und die Gazeta de Transilvania (1836), deren Leiter George Bariţiu war.

Die Nachmärz-Zeit zeichnet sich durch das Vorherrschen von Geschichts-, Mundart- und Volkskundeforschung (Georg Daniel Teutsch, Friedrich Teutsch, Joseph Haltrich) aus, so daß der Dichtung nur eine zweitrangige Bedeutung zukam, und zwar nur in dem Maße, wie sie der Erhaltung der nationalen Eigenart dienlich war. Mundart- und Heimatdichtung waren gefragt, was freilich Abkapselung in der eigenen siebenbürgisch-sächsischen Enge zur Folge hatte. Dagegen wirkte Adolf Meschendörfer, der mit der Herausgabe seiner Zeitschrift Die Karpathen (1907-1914) – zumindest zeitweilig – zur Sprengung dieser beinahe selbstmörderischen Isolation und zur Förderung des Dialogs mit den neuesten Entwicklungstrends im Bereich der Literatur, der Kunst überhaupt, beigetragen hat. An die Stelle der Kritiklosigkeit trat im Literaturbetrieb die scharfe, jedoch konstruktive, realitätsnahe Kulturkritik.[48]

In der Lyrik dieser Zeit kommt "der innere Zwiespalt zwischen Wirkung im engen Raume und der Sehnsucht nach breiter Anerkennung /.../ besonders deutlich zum Ausdruck".[49] Als Lyriker treten Friedrich Wilhelm Schuster, Michael Albert, Friedrich Krasser und Viktor Kästner auf. Im Sinne einer "spezifisch sächsischen modernen Literatur"[50] dichteten Eduard Schullerus, Hermann Klöß, Ernst Kühlbrandt, Johann Schuster-Herineanu und Regina Ziegler. Soziale Belange, dann aber immer stärker idyllische Naturbeschreibung  sind Gegenstand ihres lyrischen Mühens in einer Zeit der Verunsicherung, die mit dem Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichte.

Die Prosa ist stärker vertreten und weist bedeutendere Leistungen auf. Die Liste der Prosaautoren ist sehr lang, wir wollen nur die bedeutendsten anführen: Gustav Seifert, Traugott Teutsch (Romane wie Die Bürger von Kronstadt, Einsächsischer Pfarrhof vor hundert Jahren, An der Aula, Schwarzburg), Michael Albert (Erzählungen wie Herr Lukas Seiler, Else, Das Haus eines Bürgers), Franz Obert (Erzählungen wie Die Magranten, Der Brandstifter), Gustav Schuller, Heinrich Schuster (der Roman Martin Alzer), Johann Plattner, Julius Theiß (die Erzählungen Zigeunerblut, In bedrängter Lage, Der alte Romäne), Friedrich Wilhelm Seraphin (der Roman Die Einwanderer), Michael Gottfried Daichendt (die Erzählung Stürmische Zeiten), Oskar Wittstock, Adolf Meschendörfer, Anna Schuller-Schullerus (Himwi. Kleine sächsische Erzählungen). Unter ihnen ragt insbesondere Adolf Meschendörfer (1877-1963) hervor, dessen Arbeit folgendermaßen eingeschätzt wurde: "Ist es zuviel behauptet, daß man ‘sächsische Dichtung’ von Meschendörfer (und noch ein gut Stück länger) stets in Gänsefüßchen genannt und als zwar überflüssige, im Grunde aber harmlose Krankheit betrachtet habe? Und hatte man nicht gewissermaßen ein Recht so zu urteilen, weil marktschreierischer, weil gut gemeint völkischer Dilettantismus die sächsische Literatur ebenso grundlos wie gewaltig aufblies? Da setzte nun der Arzt Meschendörfer sein Messer an und säbelte der Hydra des Literaturdilettantismus mit entschlossenen Schnitten den ersten Giftkopf ab: die ktitische Unfähigkeit."[51] Mit Leonore schuf Meschendörfer einen der ersten modernen rumäniendeutschen Romane, auch wenn er seinerzeit zunächst kein nachhaltiges Escho auslöste. Erst nach 1920, als er in Buchform erschien, setzte der Prozeß seiner eingehenden Rezeption ein, so daß die Leistungen des Romans haben erst so spät aufgezeigt werden können: Verzicht auf den sonst üblichen historischen Stoff und auf die enge, hauseigene sächsische Problematik, mit anderen Worten: "schlechthin Dynamik, Lebendigkeit, Tempo. Eigenschaften, die keinen Augenblick Langeweile aufkommen lassen. Ein Verdienst, das gegenüber der Zähigkeit und breitspurigen, umwegigen Prosa der Tradition nicht hoch genug angeschlagen werden kann."[52] Ironische Betrachtungsweise und kritischer Blick sind Schlüsselverfahren dieser wirklich anregenden Prosa.[53]

4.1.2. Die widrigen Umstände der ersten Jahre der Ansiedlung der Banater Schwaben – das kaum vorhandene geistige Leben in den Städten, begrenztes Betätigungsfeld für die Schriftsteller – bewirkten, daß die Literatur sich hier nur allzu langsam entwickeln konnte. Gottfried Heinrich von Brettschneider gilt als erster banatdeutscher Schriftsteller, dessen Memoiren über die Verhältnisse im damaligen Banat Aufschluß geben. Der im Banat aufgewachsene Johann Friedel schrieb den Roman Eleonore und mehrere Stücke. Gedichte veröffentlichten Gottfried Feldinger, Juli Oldofredi-Haager oder Arthur Kern. Während seines Banat-Aufenthaltes sammelte der Deutsche Arthur Schott Walachische Märchen, die er 1845 in Zusammenarbeit mit seinem Bruder herausbrachte. Eine spezifisch banatschwäbische Problematik ging Karl Wilhelm von Martini an. Johann Nepomuk Preyers schriftstellerisches Wirken steht im Schatten seiner gesellschaftlichen und politischen Tätigkeit. Seine dramatische Dichtung Die Sühnung wurde in mehreren Städten aufgeführt. Preyer schrieb außerdem zahlreiche Gedichte.

In Temeswar erschien die erste Zeitung auf dem Territorium des heutigen Rumänien überhaupt, nämlich eine deutschsprachige, die Temeswarer Nachrichten (18. April 1771), die später als Temeswarer Zeitung erschien.

Gelang es wenigen Banater Schriftstellern, sich literarisch zu Hause durchzusetzen, so versuchte mancher von ihnen im Ausland Fuß zu fassen. Johann Friedel, vor allem aber der berühmt gewordene Nikolaus Lenau, in dessen lyrischem Werk Anklänge an seine Banater Heimat anzutreffen sind.

Trotz der Magyarisierungstendenzen im Banat Ende des vorigen und zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieben viele Schriftsteller ihrer Heimat und ihrer Muttersprache treu: Josef Gabriel, Karl Grünn, vor allem aber Adam Müller-Guttenbrunn, Nikolaus Schmidt und Otto Alscher leisteten im Bereich der Literatur Beachtenswertes, was auf dem Hintergrund der aus Erbauung und Traditionspflege gerichteten deutschsprachigen Banater Literatur besonders beeindruckt.

Nikolaus Schmidt (1874 bis 1930) schrieb zunächst Ungarisch, dann Deutsch. Vor ihm erschienen der Band Dudelsacklieder eines Schreinergesellen (1909, in dem Gedichte wie Das Lied der Unterdrückten etwa zu finden sind), Weltenbrand und Vaterland – patriotische Gedichte (1915), Der Sturm- und Lehrjahre kleinere Gedichte bis Ende 1913 (1917), Satanas (1922) etc. Seine Werke zeugen von der Widersprüchlichkeit seiner Überzeugungen, von einer weitverbreiteten dilemmatischen Entscheidung zwischen Proletariat und Bourgeoisie. Otto Alscher (1880 bis 1944) schilderte in seinen Werken seine Erlebnisse als Jäger. Es sind dies Ich bin ein Flüchtling (1909), Gogan und das Tier (1912), Zigeuner (1914), Wie wir leben und lebten (1915), Die Kluft (1917), Tier und Mensch (1928). In der Nazizeit ließ sich Alscher allerdings mitreißend und vertraut schädliche Ideen, die er jedoch überwinden konnte, wie sein Band Die Bärin (Tiergeschichten, 1943) beweist.

Doch der mündigste Sprecher der Banater Schwaben war Adam Müller-Guttenbrunn (1852 bis 1923). Seine nach 1900 entstandenen Romane Götzendämmerung, Die Glocken der Heimat, die historische Ansiedlungstrilogie (Der Schwabenzug, Der barmherzige Kaiser, Joseph der Deutsche), die Romantrilogie Lenau, das Dichterherz der Zeit fanden große Beachtung. Götzendämmerung schildert den Streik der rumänischen und armen schwäbischen Knechte, die auf den Gütern der reichen ungarischen Besitzer nicht zu Spottpreisen arbeiten wollten. Damit lenkte er die Aufmerksamkeit auf akute, ungelöste Probleme wie die Lage der Nationalitäten und der armen Bevölkerung. Interessanter und künstlerisch gelungener sind seine autobiographisch angelegten Werke, die Erzählung Der kleine Schwab und der Roman Maister Jakob und seine Kinder.[54]

Da die Publikationsmöglichkeiten im Banat recht gering waren (mancher Schriftsteller veröffentlichte – bestenfalls – in Wien oder Berlin), verdient die Tätigkeit der Zeitschrift Von der Heide (1907 bis 1919) besonders hervorgehoben werden.

In seiner Bilanz der fünfundzwanzigjährigen Entwicklung des Banater Schrifttums hob Jakob Stein die schriftstellerischen Hervorbringungen als besondere Leistungen hervor: "Nieversiegte Quellen deutschen Volkslebens, von deren Kraft die Leichenbitter des Banater Schwabentums keine Ahnung hatten, flossen so fröhlich und stark wie je. Das Geschrei der wenigen, die sich der Tagesmode anebquemten, blieb ohne tiefere Wirkung. Die Masse des Volkes zeigte sich den Urvätersitten treu und ergeben, ja es wurden eben um die Zeit der Milleniumsfeier die ersten Spuren einer bäuerlichen Opposition gegen die Magyarisierungspolitik bemerkbar ... schon 1880 setzte leise und schüchtern die literarische Bewegung ein, die auf die Um- und Neugestaltung des geistigen Lebens der Banater Deutschen von höchstem Einfluße werden sollte."[55]

Die qualitativ und quantitativ unterschiedliche kulturelle Entwicklung in der deutschsprachigen Literatur Siebenbürgens und des Banat ist auf die geschichtlich-politischen Unterschiede zwischen diesen Gebieten zurückzuführen: "Der Geschlossenheit der siebenbürgisch-sächsischen Kultur szanden die Beweglichkeit und Labilität der banatdeutschen Autoren gegenüber. Jene sollte aufgesprengt werden, diese mußten vorerst zu einer Einheit zusammenfinden. Auch diesbezüglich leistete Adam Müller-Guttenbrunn Pionierarbeit: Die Anthologie ‘Schwaben im Osten’, die er 1911 in Heilbronn herausgab, vereinte zum ersten Mal Werke banatschwäbischer Autoren zwischen uwei Buchdeckeln. Während Meschendörfer sich um eine moderne ästhetische Erziehung seiner Leute bemühte, zielte Guttenbrunns Schriften auf die Erweckung eines Gemeinschaftsbewußtseins; beiden war nationalistische Engstirnigkeit fremd."[56]

4.1.3. Die dritte Hauptströmung, die in die rumäniendeutsche Literatur (nach 1919) einmündet, war jene der deutschsprachigen Literatur der Bukowina, deren geistige Stärke zum Unterschied zu jener des Banat und Siebenbürgens darin bestand, daß es in der Bukowina "keine ‘Sondersituation’" gegeben habe: "... ihre Dichter schrieben durchaus im Bewußtsein ihrer Zeit, sie standen besonders mit den Wiener literarischen Kreisen in engen und regen Beziehungen und nahmen das Neue mit selbstverständlicher Begeisterung auf – nichts stellte sich dagegen, nichts Altehrwürdiges geriet in Harnisch, aber auch Moden grassierten kaum! Alles deutet auf ein ausgeprägtes Selbstbewußtsein."[57] Bis es jedoch zu diesem Selbstbewußtsein kam, mußten mehrere Generationen an der Vervollkommnung des schriftstellerischen Metiers arbeiten. Als nennenswerte Momente dieser Entwicklung wären anzuführen Leopold Ritter von Sacher-Masoch mit seinen bekannten Werken wie Don Juan von Kolomea oder Das Vermächtnis Kains, die "recht lange Zeit eine einsame Blüte auf gärendem Erdreich blieben"; Karl Emil Franzos mit seinen "packenden Schilderungen aus der östlichen Welt und seinen ersten Getto-Geschichten aus Galizien ‘Die Juden von Barnow’"; Ernst Rudolf Neubauer und Ludwig Adolf Simiginowicz-Stauffe; die "deutsch dichtenden rumänischen Brüder Janku und Theodor von Lupul".[58]

Um das Jahr 1864 begann Wilhelm Capilleri die Anthologie Buchenblätter. Dichtungen aus der Bukowina herauszugeben. In der ersten Folge waren fünfzehn Dichter vertreten. Breitere Geltung erlangte jedoch die deutschsprachige Literatur der Bukowina nach dem Ersten Weltkrieg, als sie sich explosionsartig und mit qualitativ überregionaler Bedeutung zu entwickeln begann.

4.2. Rumäniendeutsche Literatur der Zwischenkriegszeit

Obwohl die Rumäniendeutschen nach 1919 im einheitlichen Rahmen des rumänischen Staates über die nötigen Voraussetzungen verfügten, um zu einer geschlossenen mitwohnenden Nationalität zusammenzuwachsen, blieben die geschichtlich bedingten Unterschiede weiterhin bestehen, die ihre Zugehörigkeit zu der jeweiligen geistigen Ansiedlungslandschaft wachhielten. Doch die Bemühungen um die Überwindung dieser Hindernisse nahmen sichtbar zu: "Man bemühte sich in erhöhtem Maße um die Aneigung der Moderne auf literarischer Ebene, um die Loslösung von der herkömmlichen Heimatdichtung und provinziellen Ebene, sowie um ein beseres Kennenlernen der Geisteswerte der Rumänen und Ungarn."[59] Die Öffentlichkeit wurde mit Hilfe einer Reihe bedeutender Zeitschriften angeregt, sich eingehender mit der Literatur zu befassen: Das Ziel (später Das neue Ziel) in Braşov; Der Nerv in Czernowitz (Herausgeber: Albert Maurüber); Ostland (1918-1921, herausgegeben von Richerd Csaki); Klingsor (1924-1939, herausgegeben von Heinrich Zillich) und die zweite Serie der Von der Heide (1922 bis 1927).

Unter den neuen historischen Verhältnissen setzten Adolf Meschendörfer, Otto Alscher und Ernst Kühlbrandt ihre schriftstellerische Tätigkeit fort. Doch neue Namen tauchen auf, die der rumäniendeutschen Literatur zu hohem ästhetischem Wert verhalfen: Erwin Wittstock, Oskar Walter Cisek, Egon Hajek, Alfred Margul-Sperber, Karl Bernhard Capesius, Wolf Aichelburg, Ernst Maria Flinker, Robert Flinker. Wir verweilen aufmerksamer bei den bedeutendsten Gestalten dieser Zeitspanne.

Karl Bernhard Capesius schrieb das Prosapoem Der schöne Tod – Ein Abendlied (1919), den Prosaband Irrfahrten und den Roman Im alten Land (1923). In letzteren sind kritische Akzente in bezug auf den Literaturbetrieb jener Zeit unverkennbar: "... ich will Schriftsteller werden?" fragt sich eine Gestalt des Romans und antwortet darauf: "Das ist doch lächerlich. Und keine Möglichkeit, meine Veranlagung auf ihre Größen zu prüfen. Unter uns haben wir keine literarischen Größen, an denen man sich messen kann, keine maßgebende Kritik, die objektive Urteile fällt, alles wird nur unter den Gesichtspunkt des ‘Heimischen’ gestellt."[60] Im Band Segel nach der Ewigkeit (1929) veröffentlichte der Autor frühere Gedichte. Später widmete sich Capesius mehr und mehr der Sprachwissenschaft (Dialektologie).

Egon Hajek (1888-1963) brachte 1920 seinen ersten Gedichtband heraus, dann zahlreiche Romane über Musiker (Bach, Mozart etc.).

Franz Xaver Kappus (1883-1946) verdient deswegen erwähnt zu werden, weil er der Adressat der Briefe an einen jungen Dichter von Rainer Maria Rilke war. Seine früheren Werke, Die Peitsche im Antlitz (1922) und Reise um Lena (1925), sind literarisch bei weitem bedeutender als seine späteren, meist Unterhaltungsromane.

Schuster Dutz (eigentlich: Gustav Schuster, 1885-1968) schuf in dieser Zeit die Satiren Das Kulturpfeifen, Die Tarockpartie, Eine sächsische Hausfrau im Bade sowie eine große Anzahl von Gedichten.

An die Öffentlichkeit trat auch Alfred Margul-Sperber (1898-1967) mit literarischen Produkten, die er in die Bände Geheimnisse der Landschaft (1934) und Geheimnis und Verzicht (1939) aufnahm. Der verdiente Widerhall blieb diesen Gedichten wegen der widrigen Umstände versagt. Auf sie wurde man eigentlich erst nach dem Tode des Dichters aufmerksam, und obwohl Sperber nach 1944 mehr veröffentlicht hat, gehören diese zwei frühen Bände zum Besten, was er als Lyriker geleistet hat.

Erwin Wittstock (1899-1962) begann mit aggressiv-expressionistischer Lyrik (Pseudonym: Erwin von Bischofshausen), verfaßte dann Erzählungen über typisch siebenbürgische Begebenheiten. Turnier und Die Verfolgung gehören zu den ersten, in denen der Sinn für traditionsverpflichtete Gerechtigkeit eine schicksalhaft pessimistische Prägung aufweist. Ein klassisch gewordenes, humorvolles Werk ist Ein Ausflug mit Onkel Flieha (1926). Das nicht allzu umfangreiche novellistische Werk von Wittstock ist von Auflage zu Auflage vom Autor selbst verbessert und umgearbeitet, ja gestrafft worden. Weit über Grenzen Siebenbürgens hinaus bekannt wurden Die Viehmagd von Wängersthuel, Die Freundschaft von Kokelburg und anderes. Ebenfalls humoristisch angelegt sind die Erzählungen Der falsche Malvasier, Der Bienenstock. In Niesken und Riesken (1937) behandelt der Autor Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg. Es ist dies eine "seiner schönsten Geschichten", in der er "geschickt die Abstufungen zwischen Mundart, Umgangs- und Hochsprache" nutzt, "um die Authentizität der Darstellung zu steigern"[61]. 1934 erschien Wittstocks Roman Bruder, nimm die Brüder mit, in dem die Probleme der siebenbürgischen Nationalitäten objektiv dargelegt werden. Der Verfasser nahm außerdem mehrere Romane in Angriff, konnte sie jedoch nicht zu Ende schreiben (Stelzenquelle, Das jüngste Gericht in Altbirk). Wittstock trat auch als Stückeschreiber auf, doch verdient nur das Stück Die Töpfer von Agnethendorf erwähnt zu werden.

Oskar Walter Cisek (1897 bis 1966) wurde in Bukarest geboren, begann jedoch seine schriftstellerische und journalistische Tätigkeit in Sibiu mit Gedichten und Kulturbeiträgen (an der Deutschen Tagespost und im Frühling). Später kehrte er nach Bukarest zurück, wo er zusammen mit Ion Pillat als Trakl- und Heym-Übersetzer tätig war. Er stand im Briefwechsel mit Lucian Blaga. 1934 erschien sein erster Gedichtband in Deutschland (Dresden), Die andere Stimme, der erst in den sechziger Jahren Beachtung fand: Ciseks Band sei die Stimme "eines lyrischen Einzelgängers, sie klingt im Chor rumäniendeutscher Stimmen neuartig und ungewöhnlich, sie stiftet einen Raum magischer Korrespondenzen zwischen Ich und Natur, von bezaubernder Konturlosigkeit".[62]

1937 veröffentlichte Cisek den Roman Strom ohne Ende. Die Novelle Die Tatarin, die schon 1929 erschienen war, verhalf Cisek zu eigentlicher allgemeiner Anerkennung. Diese beruhte im Grunde genommen auf der Tatsache, daß ihm die spezifisch rumäniendeutsche Problematik fremd war, daß er sich dem Leben im rumänischen Staat, in der rumänischen Landschaft zur Darstellung verpflichtet fühlte. Er wurde gelegentlich mit Mihail Sadoveanu und Panait Istrati verglichen, wobei folgendes Merkmal hervorgehoben wurde: "Zwar umgibt seine Gestalten der Reiz des Pittoresken, doch seine Stärke beruht auf der sensualistischen Kunst, die Wirklichkeit lebendig werden zu lassen, eine Wirklichkeit voller karikaturistisch gezeichneter Kleinbürger auf der einen und gradliniger, unverbildeter einfacher Menschen auf der anderen Seite."[63]

Außer dieser in ihrer Spezifik sehr unterschiedlichen Literatur in Siebenbürgen und im Banat trat eine ganze Reihe bedeutender Lyriker in der Bukowina geradezu explosionsartig auf den Plan. Man sprach von einem sogenannten "Bukowiner Dichterkreis", so daß man daran ging, "das Material für eine Anthologie Bukowiner Lyrik zu sammeln, deren Veröffentlichung nur durch Hitlers Machtergreifung vereitelt wurde."[64] Aufmerksam gemacht wurde die Öffentlichkeit der sechziger Jahre auf die geistige Landschaft durch die Äußerungen Paul Celans über diesen Raum seiner Herkunft. Zu den Dichtern dieses Kreises, der keineswegs eine geschlossene Gruppe war, gehörten Moses Rosenkranz (Gemalte Fensterscheiben, 1936; Die Tafeln, 1940), Rose Ausländer (Der Regenbogen,1939), Georg Drozdowski (Gedichte, 1934), David Goldfeld (Der Brunnen, 1940), Alfred Kittner (Der Wolkenreiter, 1938), Bruno Harth, Siegfried Laufer, Ernst Cara, Tina Marbach, Adriane Löwendal, Jona Gruber und andere, die in der Bukowina lebten, aber auch Dichter, die schon seit langem in der Hauptstadt Österreichs lebten, wie etwa Kamillo Laucher, Erich Singer und Hugo Maier. Die Interferenzen dieser rumäniendeutschen, aber auch der rumänischen geistigen Landschaft mit jener der Celanschen Lyrik lieferten das längst fällige Beispiel für die in diesem Raum seit Jahrhunderten andauernde geistig-kulturelle Symbiose.[65]

Auch die Mundart- und Heimatdichtung war in dieser Zeit stark vertreten (Otto Reich, Grete Lienert-Zultner, Peter Barth). Nicht übersehen werden darf auch die Tatsache, daß eine Reihe von Dichtern "unter dem Einfluß der Naziideologie der sogenannten ‘Blut und Boden’-Dichtung huldigten"[66]. Gleichzeitig stand jedoch die Mehrheit der rumäniendeutschen Schriftsteller an der Seite der antifaschistischen Kräfte, denn "der Kern der deutschen Arbeiterschaft, insbesondere in den großen Industriezentren sowie die klarsehenden Vertreter anderer Schichten – Intellektuelle, einige Geistliche und andere Kreise – bekämpften den Nationalsozialismus."[67]

Ihren Anschluß an die europäische literarische Bewegung vollzog also die rumäniendeutsche Literatur nicht ohne den hohen Preis temporärer Irrungen.

4.3. Rumäniendeutsche Literatur der Gegenwart

Mit dem Sieg des bewaffneten Aufstandes vom 23. August 1944 wurde in der Geschichte des rumänischen Volkes eine neue Etappe eingeleitet. Der Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung wurde in Angriff genommen, an ihm sollen sich auch die in die rumänische Gesellschaft integrierten Rumäniendeutschen aktiv teilnehmen. Obwohl das – durch die geschichtlichen Ereignisse in gewissem Maße berechtigte, jedoch nicht allgemein anzuwendende – Mißtrauen einer "Kollektivschuld" auf dem Verhältnis zu den Rumäniendeutschen lastete, überwand man es schließlich in den fünfziger Jahren völlig. "Für die Entwicklung der rumäniendeutschen Literatur wurde ein entsprechender Rahmen geschaffen, Zeitungen und Zeitschriften wurden ins Leben gerufen und deutschsprachige Abteilungen der rumänischen Verlage gegründet. Der unlösbare Zusammenhang von Gesellschaftsformation und kulturpolitischem Auftrag, von landweit identischer, neuer Problematik und künstlerischem Engagement prägte das Literaturkonzept aller Schriftsteller, ungeachtet der Nationalität."[68]

Manche Schriftsteller knüpfen an die fortschrittliche, humanistisch gesinnte Literatur an (Adolf Meschendörfer, Erwin Wittstock, Schuster Dutz, Franz Liebhard, Oskar Walter Cisek, Alfred Margul-Sperber), ihr Werk erreichte dabei ein inhaltlich höheres Niveau, auch wenn der spezifisch-künstlerischen Gestaltung eine hintergründige Bedeutung beigemessen wurde. Bei der ästhetischen Bewältigung der neuen Wirklichkeit machten sich starke Anzeichen einer vereinfachenden, plakativen, platt-aufklärerischen Schreibweise bemerkbar, die die freie Entfaltung der künstlerisch wirklich Begabten sichtlich hemmten. Da "der heutige rumänien-deutsche Schriftsteller ... nach außen hin nicht eine rumäniendeutsche Gesellschaftsform, sondern die Gesellschaftsform Rumäniens"[69] vertritt, wurde die Entwicklung der rumämiendeutschen Literatur von der rumänischen insofern beeinflußt, als die Wandlungen der letzteren dem kulturellen Klima entsprangen, das sie ja direkter, entscheidender prägte.

In den vierziger und fünfziger Jahren erschienen Werke, die nur selten mehr als ein bloß literaturhistorisches Interesse erwecken (Anton Breitenhofers Sieg in der Arbeiterstadt, Oskar Walter Ciseks Vor den Toren, Erwin Wittstocks Die Töpfer von Agnethendorf, Andreas Lilliyns Jetzt, da das Korn gemahlen). Mit dem IX. Parteitag der Rumänischen Kommunisten Partei (RKP) (Juli 1965) begann eine qualitativ neue Etappe im geistigen Leben Rumäniens. Vorher schon nahmen die Schriftsteller Entschließungen für die Neuorientierung im Bereich der Literatur an: Sie unterstrichen auf ihrer Landeskonferenz "die Notwendigkeit einer tieferen Durchdringung des Universums unserer Tage, der Bereicherung des Inhalts der Literatur und der Vermittlung dieses Inhalts durch eigene, neue Mittel. Gleichzeitig wurden die Tendenzen zur Einseitigkeit, Oberflächlichkeit und Routine sowie das Erstarren in überholten, sterilen Formen kritisiert. Der literarische Wert, interessante künstlerische Lösungen sind allein imstande, Kraft ihres revolutionären Ideengehalts, einen starken Widerhall im Leser zu erwecken."

Doch der Weg war widersprüchlich und keineswegs geradlinig: Es galt, der eigenen, besonderen Lage Rechnung zu tragen und dabei sowohl die eigene, rumäniendeutsche Tradition schöpferisch weiterzuführen, als auch die exogenen, stets wirkenden Impulse auf keineswegs epigonenhafte, sondern angemessene Weise zu verarbeiten. Im Spannungsfeld dieser Kraftlinien entwickelte und entwickelt sich weiterhin die rumäniendeutsche Literatur der Gegenwart.

Da im Bereich des Dramas kaum Beachtliches geleistet wurde, schenken wir im folgenden der Prosa und der Lyrik eine besondere Aufmerksamkeit, darin die Stärke der rumäniendeutschen Literatur liegt.

Außer den erwähnten Romanen der Nachkriegszeit wurden insbesondere nach 1965 die nachstehenden Werke von bleibendem Wert veröffentlicht: Reisigfeuer (1960-1963) von Oskar Walter Cisek, Der Sturz (1970) von Robert Flinker, Der fragwürdige Bericht Jakob Buhlmanns (1968) von Arnold Hauser, kurze Prosa von Hans Liebhard, Georg Schergs Romane, Prosa von Claus Stephani, Ludwig Schwarz und Joachim Wittstock sowie mehrere Romane von Franz Storch (Drei schwere Tage, 1968; Der Fall Nr. 13, 1970; Sonst geschah nichts – kurze Prosa, 1978). Im Vegleich zur Zwischenkriegszeit, als in einem Jahrzehnt etwa eine Anthologie erschien, wurden nach 1945 mehrer thematisch oder gattungsmäßig zusammengestellte Anthologien herausgebracht.

Viel Aufsehen erregte Arnold Hausers Roman Der fragwürdige Bericht Jakob Buhlmanns, der kurz nach seinem Erscheinen ins Rumänische und Ungarische übersetzt wurde. Der Grund des Erfolges dieses Werkes liegt darin, daß er Ereignisse aus den Jahren 1950 bis 1952, also aus jüngster Vergangenheit, aufarbeitet, als man "in unzulässiger Verallgemeinerung von einer ‘Kollektivschuld’" sprach und "übereilte, ungerechtfertigte Beschlüsse" faßte, "die sich auf das Verhältnis zwischen Staatsmacht und Bevölkerung ungünstig auswirkten, Verunsicherung, Ratlosigkeit und Frustration entstehen ließen".[70] Der seelische Schock eines solchen pauschalen Mißtrauens, den auch Hauser (geboren 1922) erleben mußte, ist das mutig und künstlerisch interessant gestaltete Thema dieses Romans, der auch in Österreich und in der DDR erschienen ist.

Äußerst produktiv war Georg Scherg (1917-2002). 1957 erschien sein Roman Da keiner Herr und keiner Knecht, der 1958 unter dem Titel Sturm über den Karpaten neu aufgelegt wurde. 1966 erschien der Roman in einer weiteren Neuauflage, in die auch die Erzählungen des Peter Merthes aufgenommen wurden. Der ursprüngliche Titel ist ein geflügeltes Wort, das gewöhnlich – hier jedoch keineswegs – in der Bedeutung verstanden wird, die die siebenbürgische Vergangenheit verklärt und die Klassenunterschiede wegwischt. Der Roman geht von einem Gedicht von Friedrich Wilhelm Seraphin (1860-1904) aus. Peter Merthes ist eine Gestalt des Romans, seine Erzählungen sollten ursprünglich in den Roman gehören, doch der Autor wollte das Zustandekommen eines Rahmenromans vermeiden, so daß er sie gesondert veröffentlichte. Ihre Fortsetzung erschien 1968 unter dem Titel Das Zünglein an der Waage. Weitere Romane von Scherg, von denen viele ins Rumänische übersetzt wurden, sind Der Mantel des Darius (1968), Penelope ist anderer Meinung (1971), Baß und Binsen (1973), Spiegelkammer (1974) und Paraskiv, Paraskiv (1976).

Zu den Vertretern rumäniendeutscher Prosa der 70er und 80er Jahre zählen Franz Hodjak (geboren 1944; das maß der köpfe. halbphantastische teste, 1978; An einem Ecktisch, 1984), Karin Gündisch (geboren 1948; Didel und Düdel und andere Dingsgeschichten, 1980; Lügengeschichten, 1983), Herta Müller (geboren 1953; Niederungen, 1982; Drückender Tango, 1984), Richard Wagner (geboren 1952; Der Anfang einer Geschichte, 1980; Das Auge des Feuilletons. Geschichten und Notizen, 1984), Joachim Wittstock (Karusselpolka, 1978; Parole Atlantis. Erzählende und betrachtende Prosa, 1980; Ascheregen. Parallele Lebensbilder und ein Vergleich, 1985; Morgenzug. Vergegenwärtigungen, Überlegungen, 1988).

Interessanterweise nimmt im Schaffen einiger von den Autoren, die sowohl Gedichte als auch Prosa verfaßten, auch die Kinderbuchproduktion einen relevanten Platz ein: Zufluchtsort Kind als Eskapismusversuch, Protest gegen nervliche behördliche Bevormundung durch Rückzug ins Unverdorbene: Rolf Bossert (Mi und Mo und Balthasar, 1980; Der Zirkus. Ein Bilderbuch, 1982), Franz Hodjak (Die humoristischen Katzen., 1979; Der Hund Joho, 1985), Richard Wagner (Anna und die Uhren. Ein Lesebuch für kleine Leute, 1981) und Karin Gündisch.

Doch der weit produktivste Sprengel der rumäniendeutschen Literatur, der eher weltweit Geltung erlangen konnte, ist der Bereich der Lyrik, die auf die Regungen der geschichtlichen Konstellationswandlung am schnellsten und mit echtem Profit reagierte. Peter Motzan verfolgte ihre geschichtlich bedingte, spezifische Entwicklung und ihre Wandlungsfähige künstlerische Leistung in der von uns mehrmals herangezogenen grundlegenden Studie, auf die die nachstehende Übersicht (mit eigenen Ergänzungen) zurückgreift.[71] Es werden folgende Etappen festgestellt:

î Zwischen Isolation und Neuorientierung (1944 bis 1947). Neben "erbaulicher" und religiöser Lyrik wird auch eine "Poesie der Hoffnung" geschrieben (Else Kornis’ Geleit durch die Zeit, 1945).

î Gereimte Reportage und abstrakte Monumentalität (1948-1954). Durch die Schaffung eines geeigneten Presse- und Verlagsrahmens wird das literarische Leben stark gefördert. Es erscheint die erste rumäniendeutsche Gedichtanthologie (Aufbau und Frieden, 1950), dann eine zweite (Deutsche Dichter der RVR, 1953). Alfred Margul-Sperber veröffentlicht Ausblick und Rückschau (1955), Lotte Berg In seiner Vielfalt singt das Leben (1954) und Fahrt in den Frühling (1957), Ewald Ruprecht Korn Zwiegespräch durch die Jahreszeiten (1946), Franz Johannes Bulhardt Uaf gleichem Weg (1953) und Der Auftrag (1955), Werner Bossert Frischer Wind (1953) und Strom des Lebens (1956).

î Verzweigung und Ausdruckswege (1955-1965). Außer den älteren (Margul-Sperber, Werner Bossert, Lotte Berg etc.) veröffentlichen nun auch jüngere, besonders interessante Lyriker wie Oskar Pastior[72] (Offene Worte, 1964; Gedichte, 1965), Astrid Connerth (Sonnenräume, 1964), Christian Maurer (Die Hände, 1964). Erwähnenswert ist Alfred Kittners Band Hungermarsch und Stacheldraht (1956), der vom faschistischen KZ-Terror lyrisch berichtet. Wirklichkeitsnähe, zugleich aber auch die "große Verführung zur Formlosigkeit" (Brecht) brachte die Durchsetzung der freien Rhythmen mit sich. Margul-Sperber veröffentlicht einen seiner besten Gedichtbände (Sternstunden der Liebe, 1963). Die Zurückeroberung früherer ästhetischer Positionen ging jedoch mit dem unscharfen Wirklichkeitsbild Hand in Hand.

î Formenpluralismus und Themenvielfalt (1965 bis 1979):

à Aufschwung des literarischen Lebens. Mit dem Hinwegwerfen abwegiger Lyrik-Auffassungen Mitte der sechziger Jahre erfolgte die Annäherung an die "Moderne". Doch die heterogenen Einflüsse entpuppen sich nicht nur als Aufwind und Anreiz, sondern auch als Gefahr und Hemmschuh, sie wurden sowohl stereotyp als auch schöpferisch genutzt" (S. 13). Anthologien junger Autoren zeugen von diesem Dilemma: Wortmeldungen (1972)[73], Befragungen heute (1974).

à Drei "Klassiker" rumäniendeutscher Lyrik: Adolf Meschendörfer (Gedichte, 1967), Alfred Margul-Sperber (mit den Nachlaßbänden, die ein neues, korrekturbedürftiges Sperber-Bild vermittelten) und Oskar Walter Cisek (1972 erschien ein Band mit frühen und späten Gedichten, einschließlich jener aus dem 1934 erschienen Band Die andere Stimme). "Die moderne Lyrik hat im Alterswerk der drei Dichter keine Spuren hinterlassen. Das soll kein Vorwurf sein. Manches aus ihrem Oeuvre gehört zu den Höchstleistungen rumäniendeutscher Lyrik, zu ihrem unverlierbaren Bestand. Aus diesem Grund und in diesem Sinne dürfen wir sie als ‘Klassiker’ einstufen" (S. 121).

à Die Bewahrenden: Immanuel Weissglas (Der Nobiskrug, 1972), Peter Barth (Purpurnes Schattenspiel, 1972), Alfred Kittner, Wolf Aichelburg (Herbergen im Wind, 1969). Diese Lyrik leistet der Moderne Widerstand, sie empfindet keine Zweifel an den  Ausdrucksmöglichkeiten der dichterischen Sprache: "Die ‘bewahrenden’ Lyriker transzendieren die empirische Umwelt und gruppieren deren Komponenten in der Textrealität um, die zu einem beziehungsreichen und stimmigen Mikrokosmos ausgebaut wird" (S. 123). Sie schrieben so, als ob es nie einen Brief des Lord Chandos von Hugo von Hofmannsthal gegeben und als ob die "Wiener Gruppe" der konkreten Poeten nicht zu ihrer Zeitgenossenschaft gehört hätte.

à Esoterik und Innerlichkeit. Unter dem Einfluß von Lyrikern des binnendeutschen Raums (Ingeborg Bachmann, Günter Eich und Paul Celan, aber vor allem Bertolt Brecht) sowie von der Theorie der modernen Lyrik Hugo Friedrichs entstand eine rumäniendeutsche Lyrik, deren Instrumentarium modern sein will. Doch die mitimplizierten Gefahren erkannte Günter Grass, der 1969 in Rumänien zu Besuch weilte: "Mir ist ganz besonders aufgefallen, daß bei der Lyrik die Einflüsse von allen möglichen Bereichen kommen, daß also von einer provinziellen Enge nicht die Rede sein kann. Das führt manchmal ins Epigonale oder Dilettantische hinein, aber auf jeden Fall mit einem Qualitätsniveau, das sich ohne weiters mit Versuchen von jungen westdeutschen Lyrikern vergleichen läßt."[74] Als solche Versuche sind Bände von Franz Hodjak, Claus Stephani, Verona Bratesch, Christian Maurer oder Ilse Hehn anzusehen.

à Vom polemisch-präskriptiven Engagement zur engagierten Subjektivität. Neue Verfahrensweisen führten in in die rumäniendeutsche Lyrik Anemone Latzine (Was man heute so dichten kann, 1971). Frieder Schuller (Kreise ums Unvollendete, 1969;  Ausgespielt, 1972) und Rolf Frieder Marmont (Fünfte Jahreszeit, 1974) ein. Ihnen gesellen sich Claus Stephani, Franz Hodjak (Brachland, 1970; Spielräume, 1974; Offene Briefe, 1976; mit Polly Knall spricht man über selbstverständliche dinge, als wären sie selbstverständlich, 1979; Flieder im Ohr, 1983; Augenlicht, 1986; Luftveränderung, 1988), Klaus Hensel (Das letzte Frühstück mit Gertrude, 1980), Rolf Bossert (siebensachen, 1979; neuntöter, 1984) sowie eine Gruppe jüngerer Autoren [Richard Wagner (Klartext, 1973; Die Invasion der Uhren, 1977; Hotel California I, 1980; Hotel California II, 1981; Gegenlicht, 1983); Rolf Bossert; Werner Söllner (Wetterberichte, 1975; mitteilungen eines privatmannes, 1978),  William Totok (die vergesellschaftung der gefühle, 1980; Freundliche Fremdheit, 1984), Johann Lippet (biographie. Ein muster, 1980; so wars im mai so ist es, 1984) etc.] zu, "die sich als frühreife Träger eines neuen ästhetischen Bewußtseins auswiesen" (S. 138) und jene inzwischen legendär gewordene "Aktionsgruppe Banat" konstituierten,[75] die die Engen der Insularität endgültig zu sprengen wußte: "Ich habe mich von Anfang an wohler gefühlt in der deutschsprachigen Literatur als Gesamtheit, wo es Autoren gab von Brecht über Bobrowski bis Celan usw., und ich war nie zu Hause in der rumäniendeutschen Literatur von Adam Müller-Guttenbrunn bis Erwin Wittstock. Mit diesen Leuten wollte ich eigentlich nicht in einer Literatur sein und möchtes es auch heute nicht sein."[76]

Die Entwicklung der rumäniendeutschen Literatur von den Anfängen bis in die Gegenwart bietet eine vielfältiges, kompliziertes Bild von Bedingtheiten und Eigentümlichkeiten, die auf das (nicht nur) sprachliche Inseldasein der Deutschen in Rumänien sowie auf die spezifischen Beziehungen dieser Literatur zu jener der Rumänen einerseits und zu jener des binnendeutschen Raumes andererseits zurückzuführen sind. Dieser Literatur mangelte es – vor allem in den 60er bis zu den 80er Jahren – nicht an Selbstbewußtsein. Doch damit allein war es nicht getan: Es war abzuwarten, ob und wie sie sich in der Zukunft bewähren wird.

4.4. Rumäniendeutsche Literatur zwischen aufgezwungener Auswanderung und ausbleibender Ankunft

Seit Ende der 60er, verstärkt jedoch seit Mitte der 80er Jahre verließen eine stattlichen Anzahl von deutschsprachigen Autoren Rumänien. Sie wanderten fluchtartig aus einem Land aus, in dem sich das Absurde breitgemacht hatte: "Mein Herkommen in die Bundesrepublik geschah nicht aufgrund des Gedankens, daß ich hierher wollte, weil ich von hier gekommen sei. Ich bin nicht zurückgekommen. Das ist keine Rückkehr. Das ist in erster Linie nicht ein Ankommen, sondern ein Weggehen. Und darum bin ich natürlich auch im Exil. Ich bin nicht aus Rumänien weggegangen, weil ich in die Bundesrepublik kommen wolte, sondern ich bin in die Bundesrepublik gekommen, weil ich in Rumänien nicht mehr bleiben konnte." War man in der Heimat kein Rumäne, so ist man in der BRD "allerdings doch ein Rumäne".[77] Rand und Zentrum geraten durcheinander in einem perpetuum mobile von Insularitätsgefühl und identitärer Weltbürgerlichkeit. Die ausbleibende Ankunft ist vorprogrammiert. Dieter Schlesak prägte sogar sprachlich diesen Zustand als den eines „Zwischenschaftlers“ – das Gefühl, auch in solchen Fällen mit Sonderlingen, mit geistigen Eremiten, mit ständig Fremden im ureigenst Eigenen von der Sorte eines zwischen Klassik und Romantik hin und her gerissenen Hölderlin, Kleist oder Jean Paul zu tun zu haben, ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Der "Blickpunkt" auf Rumänien blieb lange innerlich erhalten, es galt, Erlebtes aus geographischer, gesellschaftlich-politischer und kultureller Distanz schreibend aufzuarbeiten, diskursiv-mitteilbar zu gestalten, um im Nachhinein besser zu begreifen, wie die nun hinter sich gelassenen Mechanismen liefen, ja liefen konnten. Man gehört jedoch am neuen Aufenthaltsort (ist dieser jetzt vielleicht dauerhaft?) nicht dazu, man beobachtet die neue Wirklichkeit mit "fremdem Blick"[78]. Auch die Wirklichkeit der fluchtartig verlassenen Heimat ließ sie nicht heimisch werden, wurde mit ähnlichem "fremden Blick", distanziert, in konfuser Irritation, durch ihr Sprachgitter pantherhaft wahrgenommen: Die "Vehemenz ihrer Rückwärtsorientierung" sei bei Dieter Schlesak (Vaterlandstage und die Kunst des Verschwindens, Der Verweser), bei einem der fünf Opfer diktaturbedingter Denuntiation, Hans Bergel (Der Tanz in Ketten, Wenn die Adler kommen), bei Eginald Schlattner, dem eigenartigen, sich durch Literatur innerlich Katharsis erhoffenden Täter-Opfer diktatorialer Zwangsmethoden (Der geköpfte Hahn, Der rote Handschuh), ebenso präsent wie bei Herta Müller, die "als Chronistin des Endes der Minderheitenexistenz zehn Jahre nach ihrer Auswanderung nach Deutschland ihren Platz immer noch innerhalb der fast ausgestorbenen rumäniendeutschen Literatur /behält/. Ihre Romane Der Fuchs war damals schon der Jäger, Herztier, Heut wär ich mir lieber nicht begegnet rechnen nach wie vor mit der rumänischen Diktatur ab, ihre poetologischen Schriften handeln weiterhin von den Auswirkungen des Terrorregimes auf den psychologischen Schaffenshintergrund des Schriftstellers."[79] Von interkultureller Begegnung, vom dadurch ermöglichten erkenntnishaften Weltgewinn im osteuropäischen Raum, in dem immerhin jahrhundertelange Koexistenz sich durch noch so schlaue und perfide Zensur nicht wegdenken läßt, liest man mehr bei den rumäniendeutschen Literaturkritikern und im Werk früh ausgereister Autoren (Bergel, Schlesak, Pastior) nach, die später Ausgereisten verarbeiten mit Vorliebe ihr traumatisches Erlebnis Diktatur. Was hinter dem "Kunststoffgalgen auf dem Berg"[80] dauerhaft steckte, das Land, das nicht "in die Knie" zu kriegen war, wurde aus ihrem Blickfeld weitgehend verdrängt. Erfolgs- und/oder Überlebensrezepte? Auf alle Fälle ein – um in Anwandlung Hugo Friedrichs zu sprechen – "epochaler Inhaltszwang"[81]. Die Suche nach anderen, dem neuen Umfeld angemesseneren Inhalten hat bereits begonnen. Doch den Erfolg im mutterländischen Literaturbetrieb macht ihnen aller- und neuerdings kein anderer als ein daheimgebliebener Landsmann streitig: Eginald Schlattner. Das Opfer der Diktatur war interessant. Das zum Täter gewordene Opfer ist nun offensichtlich attraktiver geworden. Das Faszinosum interkulturell-basarhafter Buntheit feiert erneut seine unwiderstehliche Anziehungskraft. Die deutsche Literatur entdeckt – wie von Zeit zu Zeit: durch Sympathie- (Zwischenkriegszeit) oder durch Antipathieantrieb (kommunistische Diktatur) – um ein übriges Mal die rumäniendeutsche Literatur.

Auch diese Fakten bekräftigen die Aussage des bedeutendsten Literaturkritikers des rumäniendeutschen Literaturbetriebs, Gerhardt Csejka – sowohl in seinen Hoffnungen als auch in seinen Befürchtungen: Ebenso wie in Prag lebten die Deutschen in Rumänien im Bewußtsein ihrer insular-minderheitlichen Fremde und ihres sprachlich und kulturell bedingten deutschen Identitätsbewußtseins: "Man lebte tatsächlich mit dem Kopf in der deutschen Literatur, wie man das näher bestimmen möchte. Deshalb hatte ich damals ganz heftig – ich muß heute einiges relativieren – nicht «deutschsprachige Literatur in Rumänien», sondern «rumäniendeutsche Literatur» gefordert, weil sie von der Ambition lebte, in die deutsche Literaturgeschichte einzusteigen. Deshalb ist mir «rumäniendeutsch» als Zuordnungsbegriff und als einer, der trotzdem auf die Herkunft hinweist, heute noch wichtig. Denn wenn wir nicht aus Rumänien kämen, wären wir im Schreiben sicher auch anders."[82]  Auch hier scheint Rumänien als ein bloß geographischer Ort zu gelten.

Ist besagter Einstieg 14 Jahre nach 1989 bereits vollzogen? Offensichtlich noch nicht, oder zumindest nicht zur Gänze, wenn Literaturkritiker und -historiker immer noch dahingehend neigen, den Begriff «rumäniendeutsche Literatur» trotz nachhaltiger Nachrufe noch nicht zu Grabe zu tragen. Ob mehr oder weniger bewußt, ob mehr oder weniger absichtlich, sind die noch in Rumänien lebenden und die aus Rumänien stammenden Autoren Gefangene und zugleich Federführer eines historisch-räumlich bedingten kollektiven Gedächtnisses – ihre Diskurse weisen hin sowohl auf engste biographische Räume und abgelagerte, noch immer zu bewältigende historische Erfahrung als auch auf grenzgängerische Intentionen in einem von der Vergangenheit her erst zu begreifenden künftigen Europa.

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Weiterführende bibliographische Angaben (Eine Auswahl)

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T E X T E

Rolf Bossert: VIERZEILER

 

Auf hellem Feld ein Gartenzwerg.

Daneben stampft die Industrie.

Ein Kunststoffgalgen auf dem Berg.

Ein Land geht langsam in die Knie.

 

(Aus: Rolf Bossert: Auf der Milchstraße kein Licht. Gedichte.

Eingeleitet von Guntram Vesper. Nachwort von Gerhardt Csejka,

Rotbuch Verlag, Berlin 1986, S. 14.)

 INTERPRETATION[83]

 

Rolf Bossert hat die Trostlosigkeit der sich in die eigene Sackgasse verrenenden Diktatur in einem scheinbar ganz schlichten, in Wirklichkeit aber durchtriebenen Kurzgedicht beschrieben.

Der Einfachheit des textes entspricht die Ausweglosigkeit der Lage. Jede einzelne Zeile ist mit einem Schlußpunkt wie verrammelt. Keine Übergänge, keine Aussicht. Die Landschaft des hellen feldes ist uns aus dem Slogan der "Epoche des Lichts" wohlvertraut. Und der Gartenzwerg kann dann nur einer sein; denn neben ihm ist in dieser Ära keiner.

Zu unserer Deutung paßt, daß Werner Söllner, ein anderer ausgewanderter und mit Bossert befreundeter rumäniendeutscher Lyriker, als Titel für einen Aufsatz zur aktuellen Lage Rumäniens, sich auf "Ein Gartenzwerg als Patriarch" besann.[84] Die Metapher ist von einer Evidenz, die sich zum Gemeingut jener hat werden lassen, die politische Kritik mit den Mitteln der Poesie zu artikulieren vorgenommen haben.

Sicherlich: "Censure oblige"; doch konstituiert sich derart auch eine künstlerische Sagweise, die zugleich subtil und handfest das Elend des Alltags und wer es verursacht, zu Gehär zu bringen versteht. Ein Blick aufs Porträt des lokales Idols reicht aus, um zu erkennen, daß tatsächlich nur die Kappe fehlt, um die Ästhetik jener Herrschaft zu vervollkommnen. Und wahrscheinlich fällt es gerade den deutschstämmigen Schriftstellern leicht, die Lücke im Repräsentationsinventar durch das entsprechende Bild zu schließen. Bevor sie zum individuellen poetischen Wort fanden, mußten sie schließlich ihre Imagination erst befreien von der Bannwirkung jener Totemfigur deutscher traditioneller Populärkultur, die von der Maas bis an die Memel und auch im Banat und in Siebenbürgen die Vorgärten und die Hinterköpfe kolonisiert. Für die Wiederkehr der Spießerschrecknis als Symbolfigur der Volksmacht mußten sie daher besonders feinfühlig sein.

"Daneben", als anderer Fetisch der Macht, "stampft die Industrie". Auch hier verweist der Punkt am Zeilenende darauf, daß, trotz dröhnender Maschinenbewegung, Statik vorherrscht: Kein Fortschritt. Nirgends. – Oder mit dem abschließenden Befund eines anderen Gedichts von Rolf Bossert: "Die Veränderung / ein Geräusch"[85]. Also nurmehr sinnentleerter Lärm beziehungsweise erstarrte Rhetorik. Und keine Spur authentischer Innovation.

Von der Erstarrung leite die dritte Zeile zu dem Konzept über, das als Grundmuster aller Vorstellungen des hier angesprochenen gedanklichen Bereichs anzusehen ist: Der Tod tritt uns im Bild des Kunststoffgalgens gegenüber. Gleichzeitig evoziert ist Bedrohung – der Galgen ist das überlieferte Symbol des staatlich verordneten Todes, verhängt über den kriminalisierten einzelnen. "Auf dem Berg" ist der Kunststoffgalgen weithin sichtbar – Monument der Einschüchterung und Sinnbild der unerbittlichen Vernichtungsgewalt der Macht.

Doch im "Kunststoffgalgen" enthalten ist nicht nur jenes, von uns bislang akzentuierte, archaische Element, welches dem Bilderschatz der Tradition entstammt und der Verfügungsgewalt des Gartenzwerg-Patriarchen korrespondiert. Der voranstehende Teil des Worts bringt den Aspekt der Modernität ein, zugleich jenen anderen des synthetisch Produzierten, Unnatürlichen. Denn das Zwitterwort verweist auf eine zwitterhafte Realität: die seltsame, lebensfeindliche Allianz, welche archaische Herrschaftsverhältnisse und moderne Produktionsweisen eingehen können. Sie kulminiert in der Erzeugung von Objekten, die, gleich dem Kunststoffgalgen, Materialien aufbieten, die sich der Anwendung neuer technischer Mittel verdanken, aber nur, um mit ihrer Hilfe desto weniger althergebrachte Zwecke zu verfolgen. Der Galgen von heute ist nicht mehr aus Holz, das verwittern kann. Gesichert gegen den Verfall, verewigt sich seine Drohung.

Es entsteht vor unseren Augen eine Landschaft der Vergeblichkeit. Unangefochten herrscht eine unheilige Dreifalt: da ist in Zeile 1 der sterile, gleichwohl stets selbstzufriedene Gartenzwerg; in Zeile 2 die lärmend sich zelebrierende Industrie; in Zeile 3 das Insignium allmächtiger erbarmungsvoller Staatsgewalt. Die Metapher des Kunststoffgalgens verknüpft die drei Zeilen aufs Engste; denn jenes der Realität entnommene Element, das die Assoziationsarbeit Bosserts in Gang setzte, ist vermutlich die Petrochemie, zentraler Sektor im Rahmen der voluntaristischen Bemühungen des Regimes, die industrielle Entwicklung im Schnellverfahren nachzuholen. […]

Ganz folgerichtig schließt sich in Bosserts Text die Schlußzeile an. Konsequenz der Erschöpfung oder Ausdruck der Resignation? – "Ein Land geht in die Knie." An der geste der demut besteht kein Zweifel. Der Befund ist eindeutig. Er bedarf im Gedicht selbst keines Kommentars. So kann auch der Titel ein technischer sein: "Vierzeiler". Blanke Positivität: des Miefs, des Lichtzwangs, des Schreckens, der Ohnmacht, der Rettungslosigkeit. Und doch: da ist noch etwas, das widersteht. Es hat sich in die Form selbst zurückgezogen. Und es hat mit Bosserts Urvertrauen in die (Gegen)-Macht und List der Poesie zu tun. Wir meinen die Einfachheit dieses "Vierzeilers". Wirkt er nicht in der Schlichtheit seines Reims, seiner Jamben, wie ein Abzählvers? Wie leicht lassen sich in ihm die realen Gewaltverhältnisse benennen, sprachlich vorführen! Tanzt! – Wir alle wissen, daß solcherart Verse den Kindern als Beschwörungsformeln diesen. Auch sie stehen zunächst im Kreis gebannt. Doch dann ergreift einer das Wort, deutet die anderen aus, und es heißt: "Eins, zwei, drei – und du bist frei!"

Mehr kann niemand von der Poesie verlangen. Aber warum sollte sich einer mit weniger bescheiden? Der "Vierzeiler" enthält in seiner Form die Erinnerung daran. Denn der Anspruch der Poesie ist die Überschreitung der Wirklichkeit. Das hat mit Metaphysik nichts zu tun. Wo doch schon Lenin wußte, daß die Realität sich stets in einer konkreten Situation figuriert! Auch die poetische Kritik kann daher nur eine konkrete sein. De exemplu: konkretes Gegengift gegen einen konkreten Gartenzwerg.

Aufgaben

 

1.       Wie stehen Sie zum Begriff «rumäniendeutsche Literatur»? Welche andere Bezeichnungsmöglichkeiten dafür gäbe es noch?

2.       Wie kam es dazu, daß auf rumänischem Boden deutsche Inselgruppen ansäßig wurden? Wie entwickelten sie sich im Laufe der Jahrhunderte?

3.       Welche Identität nahmen und nehmen sie in Anspruch?

4.       Wie verhielt es sich in ihrer Geschichte mit der Frage der täglichen Begegnung mit der Fremde, mit der Alterität?

5.       Welche rumäniendeutsche Autoren würden Sie lesen? Aus welchem Grunde?

 

[1] Das Anspruchsvollste und Höchste. Lebensfragen der deutschen Literatur in der RVR. In: Volkszeitung, 47/1958; Die gegenwärtige Lage der deutschen Literatur in der RVR. In: Neuer Weg (Bukarest), 2570/1957; Günter Deicke: Deutsche Literatur in der Rumänischen Volksrepublik. In: Neue Deutsche Literatur, 4/1958.

[2] Vom Stoff zum Gehalt. Das Problem der Besonderheiten im deutschen Schrifttum der RVR. In: Neue Literatur (Bukarest), 2/1956.

[3] Arnold Hauser: Literaturkritische Äußerungen zum historischen Bewußtsein im rumäniendeutschen Nachkriegsroman. In: Literatur und Kritik, 139/1979, S. 548.

[4] Peter Motzan: die rumäniendeutsche lyrik nach 1944. Problemaufriß und historischer überblick. Cluj-Napoca 1980, S. 10, 28 f.

[5] Johann Wolf: Zu den sprachlichen Voraussetzungen der deutschsprachigen Literatur im rumänischen Sprachraum. In: Neuer Weg, 8892 und 8898/1977, 8908 und 8915/1978.

[6] Dieter Schlesak: Eine fünfte deutsche Literatur. In: Grenzgänge. Deutsche Dichtung aus Rumänien. Regensburg 1969.

[7] Gerhard Csejka: Deutsche Literatur in rumänischer Landschaft. In: Karpaten-Rundschau (Braşov/Kronstadt), 26/1974.

[8] Hans Bergel: Literaturgeschichte der Deutschen in Siebenbürgen. Ein Überblick, Innsbruck 1987, S. 9.

[9] Gerhard Csejka, Eigenständigkeit als Realität und Chance. Zur Situation der rumäniendeutschen Literatur. In: Neuer Weg, 20. März 1971.

[10] Peter Motzan, a. a. O., S. 10.

[11] Gespräch mit Nina Cassian und Alfred Kittner (geführt mit Valentin Lupescu und Arnim Zeissler). In: Sinn und Form, 1/1974, S. 86.

[12] Olivia Spiridon: Untersuchungen zur rumäniendeutschen Erzählliteratur der Nachkriegszeit. Oldenburg 2002, S. 17. Vor der österreichischen Okkupation (1774) bzw. vor der russischen Besatzung (1821) waren die ganze Bukowina sowie Bessarabien Bestandteile des rumänischen Fürstentums Moldau, so daß hier historische Voraussetzungen gegeben waren, die zur Entstehung des Phänomens rumäniendeutsche Literatur mitbeigteragen haben.

[13] Ebd., S. 23.

[14] Alles: Peter Motzan, rumäniendeutsche lyrik…, a. a. O.., S. 19 f.

[15] Horst Schuller Anger: Kontakt und Wirkung. Literarische Tendenzen in der siebenbürgischen Literaturzeitschrift "Klingsor". Bukarest 1994, S. 22.

[16] Peter Motzan: Was aber stiften die Literaturhistoriker? Ausschweifende Überlegungen zu einer Literaturgeschichte und einem Tagungsband. In: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 1995, S. 129.

[17] Ebd., S. 129.

[18] Hans Müller: Aufgaben einer Literaturgeschichtsschreibung der rumäniendeutschen Literatur nach 1945. In: Die deutsche Literaturgeschichte Ostmittel- und Südosteuropas von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Forschungsschwerpunkte und Defizite, München 1992, S. 217 f.; Corbea-Hoişie, Andrei: Erneute Anmerkungen zum Begriff "rumäniendeutsche Literatur". Versuch einer ideologiekritischen Dekonstruktion. In: Wunberg, Gotthard / Binder, Dieter A. (Hrsg.), Pluralität. Eine interdisziplinäre Annäherung. Festschrift für Moritz Csáky, Wien, Köln, Weimar 1996, S. 81-99.

[19] Olivia Spiridon, a.a.O., S. 18. Darin zitiert sie René Kegelmann: "An den Grenzen des Nichts, dieser Sprache". Zur Situation der rumäniendeutschen Literatur der 80er Jahre in der BRD. Bielefeld 1995, S. 19.

[20] Nicht zu verwechseln freilich mit der unsinnigen Formulierung, die gelegentlich bibliothekarisch verwendet wurde: "literatura română de expresie germană", die die rumäniendeutsche Literatur als Bestandteil der rumänischen betrachtete und deshalb sicher ideologisch instrumentalisiert wurde!

[21] Gündisch, Gustav / Gündisch, Herta / Gündisch, Konrad G. / Nusbächer, Gernot (Hrsg.): Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen. Begründet von Franz Zimmermann. Siebenter Band. 1474-1486, Bukarest 1991, S. XVI (Einleitung).

[22] Ausführlich dazu s. Hugo Weczerka: Zur Geschichte der Deutschen in der Moldau und Walachei bis ins 17. Jahrhundert. In: Südostdeutsches Archiv, XXVI./XXVII. Bd., 1983/1984, S. 69-87.

[23] Geschichte der Deutschen auf dem Gebiete Rumäniens. Redigiert von Carl Göllner, I. Bd. (12. Jahrhundert bis 1848), Bukarest 1979 ( = GDGR). Siehe auch Literatur der Siebenbürger Sachsen in den Jahren 1849-1918. Redigiert von Carl Göllner und Joachim Wittstock (Beiträge zur Geschichte der rumäniendeutschen Dichtung), Bukarest 1979.

[24] Wittstock, Joachim / Sienerth, Stefan: Die deutsche Literatur Siebenbürgens. Von den Anfängen bis 1848. I. Halbband: Mittelalter, Humanismus und Barock, München 1997; II. Halbband: Pietismus, Aufklärung und Vormärz. München 1999.

[25] Peter Motzan, rumäniendeutsche lyrik…, a.a.O., S. 19 f.

[26] Karl Kurt Klein: Die Siedlung. Primi hospites regni Saxones. – Die ersten Saxones als Siedler im Lande Siebenbürgen. In : Saxonica septemcastrensia. Forschungen, Reden und Aufsätze aus vier Jahrzehnten zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen. Marburg 1971, S. 105

[27] GDGR, S. 18.

[28] Ebd., S. 19.

[29] Eduard Eisenburger und Michael Kroner (Hrsg.): Sächsisch-schwäbische Chronik. Beiträge zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen. Bukarest 1976, S. 105.

[30] GDGR, S. 280 f.

[31] Franz Liebhard: Schwäbischer Kolonist – sozialistischer Patriot. In: ders.: Banater Mosaik. Beiträge zur Kulturgeschichte. Erster Band. Bukarest 1976, S. 128.

[32] Lehner, Josef: Deutsches Kulturerbe im Buchenland. In: Südostdeutsche Heimatblätter, 4. Jg., 4, 1955, S. 159 bzw. 162.

[33] GDGR, S. 327.

[34] Ludwig Adolf Simiginowicz-Stauffe: Die Völkergruppen der Bukowina. Ethnographisch-culturhistorische Skizzen. Csernowitz 1884, S. 9.

[35] Franz Lang: Sprache und Literatur der Deutschen in der Bukowina. In: Südostdeutsche Heimatblätter, 4. Jg., 4, 1955, S. 192-219.

[36] Rolf Schneider: Die problematisierte Wirklichkeit. Leben und Werk Robert Musils. Versuch einer Interpretation. Berlin (Ost) 1975, S. 12

[37] Michael Kroner: Zur Geschichte der rumänischen mitwohnenden Nationalität. In: Forschungen zur Volks- und Landeskunde (Bukarest), 2/1977, S. 13. Siehe auch: SSChr, S. 9

[38] Carmen Wagner: Sprache und Identität. Literaturwissenschaftliche und fachdidaktische Aspekte der Prosa von Herta Müller. Oldenburg 2002, S. 8 f.

[39] Edith Konradt, Grenzen einer Inselliteratur. Kunst und Heimat im Werk Adolf Meschendürfers. (1877-1963). Frankfurt am Main u.a. 1987, S. 15.

[40] Ebd., S. 18.

[41] Selbst Carmen Wagner  widerpsricht sich selbst, a.a.O., S. 12 ff.

[42] Wolf Oschlies: Die deutschen in Rumänien. Teil IV: Zeit des Überlebens (1944-1960). In: Berichte des Bundesdeutschen Instituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien, 4, 1986, S. 9.

[43] Ebd., S. 8.

[44] Richard Wagner: Die Aktionsgruppe Banat. Versuch einer Selbstdarstellung. In: Wilhelm Solms: Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur, Marburg 1990, S. 125.

[45] Es sang ein klein Waldvöglein. Siebenbürgische Volkslieder, sächsisch und deutsch. Cluj 1973, S. 129.

[46] GDGR, S. 142.

[47] Zitiert nach: GDGR, S. 143 f.

[48] Edith Konradt: a.a.O., S. 22 f. und 170-206.

[49] Beiträge zur Geschichte der rumäniendeutschen Dichtung. Die Literatur der Siebenbürger Sachsen in den Jahren 1848-1918 (=LSS), redigiert von Karl Göllner und Joachim Wittstock. Bukarest 1979, S. 32.

[50] Richard Csaki: Einleitung zu Jenseits der Wälder, Hermannstadt 1916, S. 28.

[51] Karl Kurt Klein: Adolf Meschendörfer. In: ders.: Ostlanddichter. Zehn literarische Bildnisstudien siebenbürgisch-sächsischer Dichter der Gegenwart. Kronstadt 1926, S. 16. f.

[52] LSS, S. 296.

[53] Ausführlich in Edith Konradt, a.a.O., S. 49-133.

[54] Eingehende Erläuterungen zu den Einzelwerken siehe bei: Hans Weresch: Adam Müller-Guttenbrunn, sein Leben, Denken und Schaffen. Band 2. Selbstverlag des Verfassers. Freiburg i. Br. 1975.

[55] Zitiert nach: SSChr, S. 141.

[56] Peter Motzan, a.a.O., S. 18.

[57] Gerhard Csejka: Unfaßbares poetisch gefaßt. In: Neuer Weg vom 9.3.1973, S. 3.

[58] Alfred Kittner: Alfred Sperber – der Mensch und das Werk. Nachwort zu Alfred Margul-Sperber: Geheimnis und Verzicht. Das lyrische Werk in Auswahl. Bukarest 1975, S. 590.

[59] SSChr, S. 170. Siehe auch: Peter Motzan, a.a.O., S. 73.

[60] Karl Bernhard Capesius: Im alten Land. Roman aus Siebenbürgen. Hermannstadt 1923, S. 102.

[61] Peter Motzan: Nachwort zu: Ein halbes Semester Sommer. Moderne rumäniendeutsche Prosa (hrsg. Von dems.). Berlin (Ost) 1981, S. 341.

[62] ders.: die rumäniendeutsche lyrik ..., a. a. O., S. 73.

[63] ders.: Nachwort zu: Ein halbes Semester..., a. A. O., S. 342.

[64] Alfred Kittner, a. a. O., S. 609. Auf die näheren Umstände der Entstehung dieser legendären Anthologie geht George Guţu ein in: "Die Buche" – Zur Geschichte einer Anthologie. In: Peter Motzan / Stefan Sienerth (Hrsg.): Deutsche Regionalliteraturen in Rumänien 1918-1944. Positionsbestimmungen, Forschungswege, Fallstudien. Internationale Tagung – III. Kongreß der rumänischen Germanisten, Neptun/Schwarzmeerküste 16.-19. Mai 1994. München 1997, S. 149-175. Die Anthologie soll demnächst in München von George Guţu, Peter Motzan und Stefan Sienerth herausgegeben werden.

[65] Siehe dazu: George Guţu: Die rumänische Koordinate der Lyrik Paul Celans. Diss. Leipzig 1977. Zur Klärung solcher Aspekte trug auch das Celan-Kolloquium, Bukarest, 1.-2. Oktober 1971, in nicht geringem Maße bei. Guţus Dissertation erschien in leicht veränderter Form als: Die Lyrik Paul Celans und der geistige Raum Rumäniens, Tipografia Universităţii din Bucureşti, Bukarest 1990; Die Lyrik Paul Celans und die rumänische Dichtung der Zwischenkriegszeit,  Editura Universităţii din Bucureşti, Bukarest 1994.

[66] SSChr, S. 171.

[67] Doriana Lupu: Zur Teilnahme der Bevölkerung deutsche Nationalität am antifaschistischen Kampf in den Jahren 1933-1944. In: Forschung zur Kolks- und Landeskunde, 2/1972, S. 22 ff.

[68] Peter Motzan, a.a.O., S. 344.

[69] Gerhard Csejka: Bedingtheiten der rumäniendeutschen Literatur. In: Neue Literatur, 8/1973, S. 26.

[70] Peter Motzan: die rumäniendeutsche lyrik..., a.a.O., S. 21.

[71] Peter Motzan: die rumäniendeutsche lyrik…, a.a.O.

[72] Er verließ vor Jahren seine Heimat und lebt in Berlin (West).

[73] In seiner "Meldung des Herausgebers" zeigt Eduard Schneider die Leistung dieser Anthologie: Sie gebe Aufschluß darüber, "wie diese jungen Keute sich in der Wirklichkeit, in die sie sich gestellt sahen, zu orientieren trachten und von den Ergebnissen ihrer Wegsuche Meldungen in der Form von Gedichten abgeben". In: Wortmeldungen. Eine Anthologie junger Lyrik aus dem Banat, hrsg. von Eduard Schneider. Temeswar 1972, S. 8.

[74] Walter Engel: Keine provinzielle Enge. HZ-Gespräch mit Günter Grass. In: Hermannstädter Zeitung, 98/1969.

[75] S. Olivia Spiridon, a.a.O., S. 132-148; Carmen Wagner, a.a.O., S. 22-34;  Richard Wagner, a.a.O., S. 145-159;  Entstehung und Auflösung einer literarischen Gruppe. Podiumsdiskussion. Moderation: Jochen Hieber. In: Wilhelm Solms (Hrsg.)…, a.a.O., S. 265-287.

[76] Richard Wagner in: Entstehung und Auflösung einer literarischen Gruppe…, a.a.O., S. 270.

[77] Ebd., S. 283.

[78] Herta Müller: Reisende auf einem Bein, Berlin 1989.

[79] Olivia Spiridon, a.a.O., S. 239.

[80] Rolf Bossert: Auf der Milchstraße kein Licht. Gedichte. Eingeleitet von Guntram Vesper. Nachwort von Gerhardt Csejka, Rotbuch Verlag, Berlin 1986, S. 14.

[81] Hugo Friedrich: Die Struktur der modernen Lyrik. Von der Mitte des neunzehnten bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Erweiterte Neuausgabe, Hamburg 1968, S. 141. Das Buch erfreute sich in Rumänien sowohl bei rumänischen als auch bei rumäniendeutschen Autoren großer Beliebtheit.

[82] Gerhardt Csejka in: Entstehung und Auflösung einer literarischen Gruppe…, a.a.O., S. 271. Vrgl. Anm. 18.

[83] Die Interpretation entstand im Jahre 1987 und enstammt dem Aufsatz von Gerhard Mahlberg: Tönender Biß in die Kehle / des Tags den sie züchten. Über Rolf Bossert. In: die horen, Jg. 32, 3, 1987.

[84] Der Interpret verweist auf ein sich bei ihm befindlichen noch nicht veröffentlichten Manuskript Werner Söllners.

[85] Rolf Bossert: Auf der Milchstraße kein Licht. Gedichte. Eingeleitet von Guntram Vesper. Nachwort von Gerhardt Csejka, Rotbuch Verlag, Berlin 1986, S. 67: "Mäßiger bis starker Wind".

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