Societatea Goethe din România (S.Go.R.)

Goethe-Gesellschaft in Rumänien(GoGR)

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+ George Guţu Ehrenmitglied der  Goethe-Gesellschaft Weimar e. V. (Juni 2017)

 

Auf Beschluß des Vorstands wurde Prof. Dr. George Guţu (Universität Bukarest) auf der 85. Vollversammlung (10. Juni 2017) zum Ehrenmitglied der Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V. ernannt. Die Laudatio dazu sprach Prof. Dr. Nikolina Burneva:

 

LAUDATIO

für GEORGE GUŢU,

Vorsitzender der Rumänischen Goethe-Gesellschaft

Auslandsgermanisten, besonders der Generation, zu der Kollege George Guţu gehört, sind dazu bestimmt, breit ausgefächerte fachliche Kompetenz zu besitzen und vielseitig interessiert sowie pädagogisch und bildungspolitisch sehr rege zu sein. Denn sie haben als Lerner in ihrer Heimat nie unmittelbaren und uneingeschränkten Zugang zur deutschen Sprache und Literatur gehabt, als Doktoranden – nie die reichlich belieferten öffentlich zugänglichen Bibliotheken und die fachlich kompetenten Mentoren, als Dozenten – keine studentischen Hilfskräfte, technisch ausgestatteten Labore und Hörsäle und kaum sachverständige Vorgesetzte, die nicht immer fragen, warum außer Englisch auch noch andere Fremdsprachen zu unterrichten sind.

Als rumänischer Auslandsgermanist seiner Generation hatte George Guţu, Jg. 1944, mehrfach Glück gehabt. Nach einem Anfangskurs in deutscher Sprache auf der Schule im heimatlichen Galaţi/Galatz erhielt der angehende Philologie-Student der Universität Bukarest in der liberalen Zeit der 1960er Jahre ein Stipendium des rumänischen Bildungsministeriums und durfte sich am Herder-Institut auf sein künftiges Germanistik-Studium an der Universität in Leipzig vorbereiten, wo er sich dem Leben und Schaffen von Max Frisch und Ingeborg Bachmann widmete und 1969 als ausgezeichneter Student absolvierte. Als Leipziger Student leistete er zwei Mal sein Praktikum im Aufbau-Verlag in Weimar, wo er durch den dort tätigen dichter Wulf Kirsten auch auf die rumäniendeutsche Literatur aufmerksam gemacht wurde. Als Assistent am Institut für Germanistik der Universität in Bukarest hat er später an der Alma Mater Lipsiensis als Fernaspirant seine Doktorarbeit über Paul Celan abgeschlossen (Doktorväter waren die Professoren Walter Dietze und Walfried Hartinger), um dann bis 1993 den steilen und sehr anregenden Werdegang zum ordentlichen Professor zu vollenden.

Prof. Dr. George Guţu hat auch in einer zweiten Hinsicht Glück gehabt. Der Antritt seiner reifen beruflichen Laufbahn wurde von der großen Umwälzung der kulturpolitischen Verhältnisse nach 1989 geprägt. Die Abschaffung des Eisernen Vorhangs hat vielfache wissenschaftliche und institutionelle Kommunikationsmöglichkeiten geschaffen. George Guţu hat es verstanden, alle neuen Zugänge zu Bildung und Kontakten mit seinen Studierenden und Kollegen ertragreich umzusetzen.

Zum einen hat er sich als Autor und als Übersetzer sehr aktiv der Erforschung der rumäniendeutschen Literatur und der deutsch-rumänischen Kulturbeziehungen beachtliche Verdienste erworben. Besonders hervorzuheben sind seine zwei bahnbrechenden Monografien über den frühen sowie späten Paul Celan (1977 bzw. 1990 und 1994) sowie die Textanthologie zur Geschichte der deutschen Literatur in zwei Bänden (2001 und 2004), nicht zuletzt seine Übersetzungen der Werke von Hermann Hesse, Hans Bergel, Matthias Buth, Rose Ausländer u.a.m. Auch als Mitglied wissenschaftlicher Beiräte und Redaktionskollegien von Zeitschriften in Sibiu/Hermannstadt, Braşov/Kronstadt, Cluj-Napoca/Klausenburg, Wien und Sevilla hat er seine akademische Kompetenz eingesetzt, um den germanistischen Publikationen zu mehr Ansehen zu verhelfen. Als Gast-Professor an den Universitäten La Sapienza (Rom), Viadrina (Frankfurt/Oder), Trier, Braga, Russe etc. konnte er einem weiten Kreis von Studierenden und FachkollegInnen interkulturelle Anregungen vermitteln.

Zum anderen ist es Prof. Guţu in unermüdlichen und langjährigen fachlichen Kontakten gelungen, Netzwerke aufzubauen, die von beachtenswerter Tragfähigkeit sind. Als Leiter des Instituts für Germanistik und Direktor des von ihm geschaffenen Exzellenz- und Forschungszentrums „Paul Celan“ an der Universität Bukarest hat Prof. Dr. George Guţu eine Reihe von gewichtigen Initiativen (Wiederbelebung des alle 3 Jahre organisierten internationalen Kongresses der Germanisten Rumäniens, Gründung von germanistischen Zeitschriften und Buchreihen etc.) ergriffen, die nachhaltige Auswirkungen sowohl für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Rumänien und in den Nachbarländern, als auch für die Verbreitung germanistischen Wissens gezeitigt haben. Der Münchner „Fachdienst Germanistik“ konnte zu Recht lakonisch von einer „erstaunlichen Tätigkeit“ der rumänischen Germanistik sprechen.

Dazu gehörte zum Beispiel seit 1990 auch die Gründung und Leitung des bis dahin verbotenen Rumänischen Germanistenverbands, der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (www.ggr.ro). Bemerkenswert ist der Elan, mit dem unser Kollege schon 1994 die seit mehr als sechzig Jahren verdrängte Tradition der wissenschaftlichen Kongresse wieder belebte, um seitdem Germanisten aus Rumänien und aus der  ganzen Welt regelmäßig zu Erfahrungsaustausch zusammen kommen zu lassen. Diese Begegnungen sind auch der organisatorische Rahmen für germanistische Printmedien mit Grenzen überschreitender Anziehungskraft und Ausstrahlung, die von George Guţu schriftleitend betreut werden: Die „Zeitschrift der Germanisten Rumäniens“ (mit bis dato 24 Einzel- und Doppelheften), die Schriftenreihe „GGR-Beiträge zur Germanistik“ (36 Bände) und „transcarpathica. germanistisches jahrbuch Rumänien“ (11 Hefte).

All diese Aktivitäten haben bei Prof. Guţu, dem Inhaber der Hauptvorlesungen zum Sturm und Drang, zur Weimarer Klassik und zur Deutschen Romantik, eine direkte Beziehung zur Tätigkeit der Weimarer Goethe-Gesellschaft in Weimar. Deshalb wurde Prof. Guţu 1994 in die Goethe-Gesellschaft in Weimar aufgenommen. 1998 fand in Bukarest die Gründungsversammlung der Rumänischen Goethe-Gesellschaft  statt, an der auch der Initiator des internationalen Goethe-Netzwerks – Professor Werner Keller (www.ggr.ro/goetheg.htm), sowie der damalige Präsident des Goethe-Instituts – Prof. Dr. Hilmar Hoffmann, teilgenommen haben. Zum Vorsitzenden der rumänischen Goethe-Gesellschaft wurde Prof. Dr. George Guţu gewählt, um auch auf diesem Gebiet Bleibendem zu verhelfen: eine  einzigartige CD mit eigens dafür komponierter „Musik für Goethe“, das neugegründete „Rumänische Goethe-Jahrbuch“, die neue Ausgabe von Goethes „Ausgewählten Werken“ in 18 Bänden in rumänischer Neuübersetzung, von denen bislang 2 (Autobiografische Schriften sowie Gedichte) bereits gedruckt vorliegen und weitere 4 im neuen Bukarester Verlag Eikon verlagsreif bearbeitet und möglichst bald in den Druck gehen sollen.

Prof. Dr. George Guţu nützte seine intellektuellen und organisatorischen Fähigkeiten auf dem Hintergrund seiner Epoche voll aus – ganz im Sinne von Goethes Spruch: „Wer sich dem Notwendigsten widmet, geht überall am sichersten zum Ziel.“ (Wilhelm Meisters Wanderjahre III, 9.) Die Arbeitskraft des rumänischen Professors erlaubte es ihm, die eigene menschliche und wissenschaftliche Leistung voll darauf hin wirken zu lassen, um die Gunst der Stunde (seinen Bildungsweg und die geschichtliche Situation) mit nationalen und internationalen befreundeten FachkollegInnen im Geiste der sinnvollen grenzüberschreitenden Kulturwissenschaft zu verbinden. Nicht von ungefähr trug die ihm gewidmete Festschrift aus Anlass seines 60. Geburtstages die Überschrift „Brückenschlagen“, während die zweite, zweibändige, seinem 70. Geburtstag gewidmete lautete: Kultivierte Menschen haben Beruhigendes...“

 

Prof. Guţu hat die Gunst der Zeit zu schätzen und zu sozial relevanten, Kultur und Humanität fördernden Aktivitäten zu verwenden gewusst, wofür wir alle ihm gratulieren und zugleich sehr dankbar sind.

 

Weimar, 9. Juni 2017                                                                 Prof. Dr. Nikolina Burneva, Mitglied des Vorstands

 

 

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