UNIVERSITATEA BUCUREŞTI / UNIVERSITÄT BUKAREST

FACULTATEA DE LIMBI STRĂINE / FAKULTÄT FÜR FREMDSPRACHEN

 CATEDRA DE GERMANISTICĂ / INSTITUT FÜR GERMANISTIK

Str. Pitar Moş 7-13            RO-010451 Bucureşti    

Tel. 0040-21-318.15.79; 0040-21-252.15.51;

Tel.+Fax: 0040-21-252.59.72

E-mail: gutugeorge@yahoo.de

www.unibuc.ro/ro/catd_lscllg_ro

 

IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEN

 

 VERANSTALTERN DES

INTERNATIONALEN MUSIKFESTIVALS UND

-WETTBEWERBS

"GEORGE ENESCU"

(Bukarest, 30.Aug.-26. Sept 2009)

http://www.festivalenescu.ro

 

und der

GESELLSCHAFT DER GERMANISTEN RUMÄNIENS

im Rahmen des

Exzellenz- und Forschungszentrums "Paul Celan"

 

organisiert das

INTERNATIONALE SYMPOSION

"Paul Celan und der europäische Kulturraum"

SIMPOZIONUL INTERNATIONAL

"Paul Celan şi spaţiul cultural european"

(Bukarest, den 24.-26. September 2009)

aus Anlass der Aufführung der Oper "Celan"

von Peter Ruzicka in der Bukarester Nationaloper

(http://www.festivalenescu.ro/eng/programme.html)

Austragungsort: Zentrale Universitätsbibliothek (BCUB)

Str. Boteanu 1, Corp C, Sala Metodica

 

  + Abstracts

    ( Curriculum vitae )

Bianca BICAN

Young-Ae CHON

Ioana CRĂCIUN

Gabriel H. DECUBLE

Irene FANTAPPIÈ

Markus FISCHER

George GUŢU

Yoshihiko HIRANO

Andrei CORBEA-HOIŞIE

Christine IVANOVIĆ

Sissel LAEGREID

Camilla MIGLIO

Helga MITTERBAUER

Iulia-Karin PATRUT

Petro RYCHLO

Hans-Jürgen SCHRADER

Horst SCHULLER

Hiroaki SEKIGUCHI

Heinrich STIEHLER

Grete TARTLER

Barbara WIEDEMANN


 

  ► Bianca BICAN, Gegenwärtige rumänische Übertragungen aus Paul Celans Lyrik

Die nach der Wende erschienenen Übersetzungen aus der Lyrik Celans ins Rumänische werden in einer Übersicht erfasst, die sowohl den Quellentext als auch die dazu entstandenen Paratexte berücksichtigt. Diese Darstellung wird mit Beispieluntersuchungen ausgesuchter Texte ergänzt, wobei u. a. die aktuellen Übersetzungen zu früheren Übertragungen in Bezug gesetzt werden.

  ► Young-Ae CHON, Das “Akut der Gegenwart”. Zu Shakespeare-Sonetten von Celans Hand

Es ist Leserfreude und Philologenglück, zwei uralte, gut gepflegte Erbschaften aus dem tradierten europäischen Kulturgut in Celans Übersetzung mit besonderen Facetten zu erleben: Sonett und Shakespeare. Die Freiheit, die Celan sich bei der Übersetzung zugunsten der Poesie, schließlich seiner eigenen Dichtung nahm, scheint mit seinem dichterischen Prinzip und sogar mit seinen existenziellen Fragen zu tun zu haben. Diese Freiheit wird aus der Perspektive einer Lyrikerin und Übersetzerin aus der Ferne beleuchtet. 

Die berühmte Übersetzung von Sonett Nr. 71 und die gescheiterte von Sonett Nr. 66 kommen im Zusammenhang mit den Gedichten aus den Bänden Niemandsrose und Atemwende, die zeitlich die Sonettübersetzung rahmen, zu Betracht. Fokussiert wird, was vom Original abweichend, durch Celan beim Übertragen hervorgehoben wurde: das Schreiben an sich und der starke Gegenwartsbezug.

  ► Gabriel H. DECUBLE, Lumen et Limen. Zum „Lichtzwang“ literarischer Übersetzung

Die Begriffe lumen und limen, denen die mittelalterliche Exegese noch jeglichen paronomastisch erwirkten Erkenntniswert absprach („non confundatur!“), werden hier als metaliterarische Figuren gedeutet, die in der Lyrik Paul Celans insofern eine besondere Rolle spielen, als sie die Möglichkeiten literarischen Übersetzens und literarischer Kommunikation überhaupt dialektisch umschreiben. So unterliegt jeder Übersetzungsversuch qua hermeneutische Leistung einem Lichtzwang, einem Zwang zur Durchbrechung des Hermetischen im Gedicht, indes werden jener Leistung kognitive Schranken gesetzt, die bewirken, dass der Rätselcharakter des Gedichts von Schwelle zu Schwelle hinübergerettet wird oder, in Celans poetischer Terminologie, selbst „hinüberdunkelt“.

  ► Irene FANTAPPIÈ, Die Briefwechsel Celan – Waern und Celan – Sachs: Aktualisierung, biographische Erfahrung, Gedächtnis

Das Referat beschäftigt sich mit Paul Celan als Briefschreiber und fokussiert sich besonders auf den Briefwechsel mit der Schauspielerin Inge Waern, einer Freundin und Mitarbeiterin von Nelly Sachs. Die Briefe Celans an Inge Waern (1960-1961) sind bis jetzt nie untersucht worden; sie handeln von Nelly Sachs’ Dichtung und auch von ‚Dichtung’ überhaupt. Celan beschäftigt sich insbesondere mit dem Begriff ‚Aktualisierung’, der Dichtung und biografische Erfahrung in Verbindung setzt. Der Briefwechsel enthält auch verschiedene Behauptungen Celans über die Beziehung zwischen individuellem Gedächtnis und poetischem Wort. Die Briefe an Waern bringen neues Licht auch in die Deutung des Celan - Sachs Briefwechsels. Man kann so feststellen, dass Paul Celan und Nelly Sachs in ihrem Briefwechsel am Anfang der 60er Jahre ein ‚Netz von Metaphern’ gebildet haben, das ein getreuer Spiegel ihrer unterschiedlichen Beziehung zum Judentum und zur Literatur ist.

  ► Markus FISCHER, Paul Celans Übertragungen rumänischer Gedichte ins Deutsche

Unter den Gedichten, die Paul Celan ins Deutsche übertragen hat, finden sich erstaunlicherweise nur wenige Gedichte aus der rumänischen Literatur, obwohl der in Czernowitz geborene Lyriker und Übersetzer wie kaum ein anderer dafür prädestiniert gewesen wäre, poetische Texte aus der Sprache seines kulturellen Umfeldes in seine Muttersprache zu übertragen. Die zu Paul Celans Lebzeiten veröffentlichten Gedichtübersetzungen aus der rumänischen Literatur (Tudor Arghezi, Gellu Naum und Virgil Teodorescu)  lassen sich an einer Hand abzählen, wobei Paul Celan im Falle der beiden letztgenannten rumänischen Lyriker höchstwahrscheinlich nur französische Übersetzungen der rumänischen Originalgedichte vorlagen. Der Vortrag wird sich außerdem mit den von Paul Celan selbst nicht veröffentlichten Übersetzungen einiger Gedichte der rumänischen Lyrikerin Nina Cassian auseinandersetzen und sie übersetzungskritisch befragen.

  ► George GUŢU, Sprach- und Kulturtransfer oder Meridian und Gedächtnis. Überlegungen am Rande der “rumänischen Koordinate” des frühen Celan

Im berühmten Brief an seinen Bukarester Mentor Alfred Margul-Sperber (30.06.1960) äußerte sich Paul Celan zu seiner Herkunft aus der süd-östlichen Landschaft der Bukowina und Rumäniens. Seine Weltsicht und sein Kanonverständnis, die er in einem seiner Frühgedichte als „östliche(s) Fenster“ bezeichnete, schlugen sich im Briefpassus nieder: Sein Weg sei jenem Margul-Sperbers in Vielem ähnlich, er habe „am Fuße unserer heimatlichen Berge und Buchen“, in einer „karpatischen“ Fixiertheit begonnen, die er unverhüllt in Anspruch nahm und ihn – nach eigener Aussage – „weit ins Transkarpatische hinausgeführt“ habe. Dieser Transferprozess erfolgte im Sinne eines meridianhaft verlaufenden kollektiven und individuellen Gedächtnisses und nahm in Bildern, Metaphern und Themen diskursiv und poetologisch relevante Translationsformen an. Erinnertes, prägendes Bildungsgut und interkulturell relevante alteritäre Phänomene wurden bereits in seinen poetischen Anfängen in dichterischen Ergüssen und poetologischen Intarsien als Eigenes wirksam und rannten gegen das drohende Vergessen an. Es gilt weiterhin für die Forschung, innerhalb dieser Prozesse megalithischen Spuren aus der bukowinischen und Bukarester Zeit nicht nur in den Früh-, sondern auch in den späteren Gedichten nachzugehen und in die Gesamtentwicklung Paul Celans sinnvoll einzuordnen.

  ► Yoshihiko HIRANO, Zwischen Hölderlin und Chagall. Einige philologische Notizen zur Celan-Lektüre

Es ist nicht des Erwähnens wert, dass die in Marbach und in Paris aufbewahrte private Bibliothek Celans für die Interpreten seiner Gedichte von Relevanz ist. Die Lesespuren, die darin hinterlassen sind, üben eine spezifische Referenzfunktion aus. In diesem Vortrag wird darauf gezielt, diese Funktion zu präzisieren und differenzieren: Die Tatsache, dass etwa die betreffenden Lesespuren, ja sogar die einschlägigen Bücher, in der Bibliothek fehlen, lässt sich eventuell auch als eine negative oder paradoxe Referenz verstehen. Indem die beiden Aufsätze, in denen der Verfasser einmal Celans Gedichte auf Hölderlin und Chagall bezog, aufs Neue philologisch überprüft und ergänzt werden, werden die scheinbar divergierenden topografischen Intentionen Celans auf den Osten sichtbar, die zuletzt auf einen vermeintlichen Fluchtpunkt konvergieren, d.h. auf sein eigenes Judentum.

  ► Andrei CORBEA-HOIŞIE, Warten auf den „Zuspruch der Sprache“. Bemerkungen zu den Desiderata, Celan zu übersetzen

Der Beitrag nimmt sich vor, die Möglichkeiten und die Grenzen der Übersetzbarkeit der Lyrik- und Prosatexte Paul Celans zu prüfen. Von den Argumenten und Gegenargumenten der französischen Kontroverse der 70er Jahre zu dieser Frage ausgehend, werden die allgemeinen Bedingungen der Lyrik-Übersetzung mit dem spezifischen Fall der Interpretation als Voraussetzung einer „Übertragung“ des Celanschen „Idioms“ konfrontiert, wobei dazu auch die eigene übersetzerische Praxis des Dichters in Betracht gezogen wird. Die Analyse stützt sich auf eine Reihe von Übersetzungen Celanscher Texte ins Rumänische im Vergleich mit Versionen in anderen romanischen Sprachen.

  ► Christine IVANOVIĆ, Für die Sache der Treue. Zitatknoten im „Meridian“

Celans Büchner-Preis-Rede weist ein komplexes Geflecht aus Zitaten auf, das als Grundbedingung seiner Poetik dargestellt werden soll. Dieses Verfahren verknüpft Celans Gedicht einerseits mit der Ästhetik der Moderne, es greift andererseits Positionen jüdischer Denker wie Buber und Benjamin auf, wobei dem – hier unausgesprochen bleibenden – Begriff der Treue besondere Bedeutung zukommt. Als Geste seiner Aufmerksamkeit für den komplexen Anspielungscharakter gerade der Schreibweise Benjamins lässt sich in Celans implizitem Rückbezug auf dessen radikale geschichtskritische Dekonstruktion der theologischen wie der profanen Implikationen von „Treu und Glauben“ ermessen, in welch emphatischem Sinne Celan Treue als Wort-Treue in der Schrift dichtend wie übersetzend zu bewahr(heit)en versucht hat.

  ► Sissel LAEGREID, „Die dingfest gemachten Worte, die Wortdinge im Gedicht.“ Versuch zur Dichtung und Poetik Paul Celans

Ausgehend von den poetologischen Aussagen Paul Celans „dingfest machen“ und „im Gedicht stehen die Dinge – […] – immer in ihrer letzten Dinglichkeit!“ sollen im Vortrag seine Beiträge zur Poetik mit einer Auswahl seiner Gedichte ins Gespräch gebracht werden, um im Sinne einer dialogisch-reflexiven Relektüre sein Dichten als wiederholtes Rettungs- und Widerstandmanöver beleuchten zu können.

  ► Camilla MIGLIO, „Wiederholung ist eine Erinnerung in Richtung nach vorn". Ein kierkegaardsches Muster in Celans Poetik der Übersetzung.

Anhand der sich diachronisch entwickelnden Übersetzungsstrategien, die Paul Celan in der Auseinandersetzung mit sehr verschiedenen Autoren zustande bringt, sollen (wenn auch nicht systematische) Elemente einer Arbeit am Gedächtnis als persönliche, kulturelle und historische Instanz aufgezeigt werden. Die “Wiederholung” soll im kierkegaardschen Sinne verstanden werden, d.h. als  “Erinnerung in Richtung nach vorn”. Diese so verstandene “Wiederholung” in einer anderen Sprache wirkt durch die interlinguistiche Sprachbewegung auf die Veränderbarkeit nicht nur der Gegenwart und der Zukunft, sondern auch der Vergangenheit. Die Poetik der Übersetzung – so lautet die These von diesem Beitrag - ist also koextensiv zu einigen Ansätzen einer Poetik der Veränderbarkeit der Geschichte, welche Celan in Anlehnung an Kropotkin und Landauer im Meridian entwirft. Die celansche Variante dieses Musters, wo Kierkegaard, Kropotkin und Landauer zusammenfallen, kann man in seiner Arbeit an der Sprache, an den Sprachen, zwischen den Sprachen verfolgen. Diese utopische Poetik der Übersetzung gilt allerdings nur für einige Übersetzungen, und in der Endphase der celanschen Laufbahn wird sie radikal in Frage gestellt.

  ► Helga MITTERBAUER, Transgressionen. Anmerkungen zum Briefwechsel Ingeborg Bachmanns und Paul Celans

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan ist geprägt von Annäherung und Distanzierung. Er oszilliert zwischen dem Wunsch nach Verbundenheit und der unüberbrückbaren Kluft, die die historischen Ereignisse ebenso wie komplexe Persönlichkeitsstrukturen zwischen die beiden Autoren gesetzt haben.

Anhand von Michel Foucaults im Essay „Préface à la transgression » formulierten Konzepts der Transgression soll das « maßlose Maß der Distanz, die sich an der Grenze auftut », ausgelotet werden. Zentral steht in den Ausführungen die Frage nach den ästhetisches Ausdrucksmitteln dieser diskursiven Zone, in der über literarische Formen ebenso verhandelt wird wie über den Literaturbetrieb und die gesellschaftliche Lage im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg oder auch über persönlich-emotionale Befindlichkeiten.

  ► Iulia-Karin PATRUT, Paul Celan – postkolonial

Der Vortrag führt zwei in der Celan-Forschung viel diskutierte Aspekte (die Ich-Du-Thematik und die jüdisch-osteuropäische Herkunft) zusammen und betrachtet sie neu, indem er sie in ein dialektisches Verhältnis zu Herangehensweisen der Postkolonialen Theorien setzt. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern Celans Lyrik ästhetische, sprach- und machttheoretische Probleme, die die Postkolonialen Studien aufwerfen, vorwegnimmt, indem die Gedichte verwandte Fragen thematisieren und im Medium des Kunstwerks spiegeln, modifizieren oder utopisch auflösen. So zentrale Motive und kompositorische Grundelemente wie das Sehen und die Ansprache eines Gegenübers sind als subtile Reflexion über Blickregimes und den Standpunkt des sprechenden Subjekts deutbar. Der Vortrag spannt einen Bogen vom Früh- bis zum Spätwerk und lässt im Zuge der Interpretation ausgewählter Gedichte einen Wandel im Problembewusstsein und in den ästhetischen Antworten Celans erkennbar werden.

  ► Petro RYCHLO, Paul Celans interkultureller Diskurs als Dialog mit dem Anderen

Bereits in seiner Heimatstadt Czernowitz fühlte sich Paul Celan in mehreren Sprachen und Kulturen zu Hause. Kosmopolitisch veranlagt, war er auch später für alles Fremde höchst empfänglich. Wie kein anderer Lyriker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trug Celan mit seinem poetischen Werk zur Herausbildung der dichterischen Weltsprache bei. Die intensive Rezeption fremder Kulturen in Form von Anspielungen, Reminiszenzen, Paraphrasen und Parodierungen zeugt vom ständigen Dialog mit dem Anderen und trägt zum intertextuellen Charakter seiner Lyrik bei. Seine rege übersetzerische Tätigkeit aus sieben Sprachen, in der lyrische Nachdichtungen ausgesprochen dominieren, ist ein seltenes Beispiel für ein immerwährendes, fruchtbares Gespräch mit älteren und zeitgenössischen Dichtern der Weltliteratur, die dank ihm zu einem unentbehrlichen Teil der deutschen Kultur geworden sind.

  ► Hans-Jürgen SCHRADER, Poetische Celan-Reminiszenzen im Jerusalemer Lyrik-Kreis, namentlich bei Manfred Winkler

Unter den Poesie-Schaffenden des Jerusalemer Lyris-Kreises stammen mehrere aus der Bukowina und haben bis zur Shoah und ihrer Israel-Emigration in Czernowitz gelebt. Ilana Shmueli war bekanntlich dort schon mit Paul Celan befreundet, der Lyriker und Bildhauer Manfred Winkler hatte mit ihm während des Jerusalem-Aufenthalts intensiven Umgang, hat viele seiner Gedichte ins Hebräische übersetzt und einen Aufsatz über ihn publiziert . In den neueren Sammlungen seiner eigenen Gedichte in deutscher Sprache („Im Schatten des Skorpions“, 2006 − „Im Lichte der langen Nacht“, 2008) treten immer wieder intertextuelle Bezüge zu Celan zutage (Reminiszenzen, Motivaufnahmen, Reflexionen). Solche Bezugnahmen und Nach-Rufe eines fortgesetzten Zwiegesprächs sollen hier exemplarisch resümiert und analysiert werden.

  ► Horst SCHULLER, Zwischen den Sprachen. Celan als Übersetzer

Paul Celan, der einen polyglotten Kontakt zur Literatur pflegte, hat mehr als 60 Autoren übersetzt und diese Übersetzungen stets als gleichberechtigten Teil seines Gesamtwerks betrachtet. Ganz besonders wichtig waren ihm die Übertragungen aus Blok, Rimbaud, Mandelstam und Valéry. Theoretische Äußerungen finden sich in Reden und Briefen Paul Celans. Das Referat gibt, von einem kommentierten Lexikoneintrag ausgehend, eine Übersicht über die verschiedenen Sprachen und Stationen in Celans Übersetzertätigkeit und geht näher auf die kreativen Kontakte Celans zur rumänischen Literatur ein.

  ► Hiroaki SEKIGUCHI, Die Wunde Paul Celans

In den späten Gedichten Paul Celans treffen wir wiederholt auf das Wort „Wunde“. Das ist nicht nur ein poetisches Bild, sondern auch ein Ort, wo die zerstreuten Zitate die schmerzhaften jüdischen Erinnerungen beschwören und wo sie wieder in ein Wort zusammengefügt werden. Dieser Charakter entfaltet sich in vielen späten Gedichten, woraus sich oft intertextuelle Bezüge zu anderen jüdischen Autoren wie Franz Kafka oder Rosa Luxemburg entwickeln. Sie begegnen sich in der gemeinsamen Wunde des jüdischen Volks wie z.B. im Gedicht „Coagula“ („Auch dein Wunde / Rosa“).

  ► Heinrich STIEHLER, Das Prestige des Rumänischen für Paul Celan

Der Beitrag behandelt das interne und externe Prestige des Deutschen vor dem Hintergrund von Celans rumänischer Dichtung der Jahre 1945 – 1947. Dabei kommt eine „Soziologie der Kommunikation“ zum Tragen, wie sie in der gleichnamigen Wiener Forschungsgruppe seit Jahren entwickelt wurde. Celans Wechsel vom Deutschen zum Rumänischen ist relativ und nicht sprach-, sondern sprecherorientiert.

  ► Grete TARTLER, Musikalische Kompositionstechniken bei Paul Celan 

Die musikalische Kultur Paul Celans und sein musikalisches Gehör bewirkten die Verwendung musikalischer Techniken innerhalb seiner Dichtung. Nicht nur die viel besprochene Todesfuge, sondern auch andere Gedichte zeigen seinen Wunsch das Wort dem elementaren und essenziellen Bereich der Musik anzugleichen. Melodisch-rythmische Konstruktionen, Themenbildung und Themenführung, die Phrasierungsbewegung, Wiederholungen um eine größere Spannung hervorzurufen, Auslassungen, „Obertöne“, die in bedeutsamsten Worten mitklingen, crescendo um Beängstigendes, Bedrohliches auszuwirken, diminuendo als ein Zurückweichen und Entschwinden, Leitmotive, Wortserien, in clusters verbundene Dissonanzen u.a.m. dokumentieren Celans Versuch, durch musikalische Formen eine Sprache zu erfinden, die jenseits des Wortes führt.

  ► Barbara WIEDEMANN, „Der Gast“. Paul Celan im Roman „Jakob und die Sehnsucht“ von Rolf Schroers

Rolf Schroers’ 1953 erschienener Roman „Jakob und die Sehnsucht“, in dem Krieg und deutsche Schuld im Zentrum stehen, war im Entstehen als sein Autor, Sohn eines SS-Brigadeführers und selbst Kriegsteilnehmer als Offizier, den jüdischen Dichter Paul Celan kennenlernte. Diese Begegnung hat im Roman ihre Spuren hinterlassen; deutlich wird dies nicht nur an Celans Gedicht „Der Gast“, das dem dritten Teil – mit Celans Einverständnis – als Motto vorangestellt ist. Celan ist, nach Schroers’ Aussage, selbst „Gast“ im Roman. Der Briefwechsel Celans mit Schroers, dessen Publikation im Suhrkamp Verlag u.a. von mir vorbereitet wird, erlaubt es, über die Reaktion Celans auf den Roman kritisch nachzudenken.


 

Projektleiter:

 

Prof. Dr. George Guţu, Bukarest,

  Präsident der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens,

  Direktor des Forschungs- und Exzellenzzentrums "Paul

  Celan"

 

Prof. Dr. Ioana Crăciun-Fischer, Bukarest,

  Leiterin der Zweigstelle Bukarest der

  Gesellschaft der Germanisten Rumäniens,

  Programmdirektor im Forschungs- und Exzellenzzentrum

  "Paul Celan"

 

Directorul Centrului:

George Guţu (Bucureşti)

 

www.e-scoala.ro

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