GOETHE-GESELLSCHAFT IN RUMÄNIEN

GESELLSCHAFT DER GERMANISTEN RUMÄNIENS

LEHRSTUHL FÜR GERMANISTIK DER UNIVERSITÄT BUKAREST

 

  NACHRUF AUF  

  WERNER KELLER 

(1930-2018)

 

&

Werner Keller (* 16. Januar 1930 in Calmbach, Schwarzwald), der hervorragende deutsche Germanist und Literaturwissenschaftler, weltweit anerkannter und geschätzter Goethe-Exeget, Universitätsprofessor an der Universität Köln und Ehrenpräsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar, verstarb († 23. Februar 2018 in Köln) vor einigen Tagen nach einem langen Herzleiden.

(Bilder von George Guţu)

Schwerpunkte seiner Lehre und Forschung waren: Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, insbesondere der Weimarer Klassik, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Dramen des Naturalismus, Theorie und Poetik des modernen Dramas und die Geschichte der Lyrik.

Werner Keller war von 1991 bis 1999 Präsident der Internationalen Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V. Unter der Präsidentschaft Kellers wurden vor allem die Verbindungen der Goethe-Gesellschaft in den Ländern Ost- und Südosteuropas, in Georgien und im Fernen Osten ausgebaut.

Zu seinen Werken gehören Aufsätze und Bände u. a. zu Andreas Gryphius, Rolf Hochhuth, Henrik Ibsen, Franz Kafka, Heinrich von Kleist, Johann Anton Leisewitz, Reinhold Schneider und Botho Strauß, insbesondere zu Goethe und Schiller. Er trat auch als Herausgeber der Werke der großen deutschen Klassiker auf. (Siehe Literatur von und über Werner Keller im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek  sowie den Beitrag von Markus Schwering: Nachruf: Goethe als Zentralsonne. ksta.de, 27. Februar 2018.

    

Werner Keller war ein begeisterter Freund Rumäniens, nahm an der Gründung der Goethe-Gesellschaft in Rumänien teil und war oft voll des Lobes auf die Kultur und Literatur unsres Landes. Ihrerseits schätzten rumänische Goethe-Liebhaber sowohl die intellektuellen als auch die menschlichen Leistungen von Werner Keller:

„Es ist immer ein Riesenvergnügen, mit Ihnen zu sprechen, Ihnen zu lauschen. Es ist, als höre man einem Weisen zu, der die katastrophalen Missgeburten der modernen Zivilisation um einen Himalaja überragt und den Entartungen gegenwärtiger seelischer Verführungen seine edle Gesinnung und cortesia, geschickt und entschieden zugleich, entgegenzusetzen weiß...“ (Guţu an Keller, Bukarest, den 7. Januar 2007)

Keller drückte seine Begeisterung über das Erscheinen des ersten Bandes der neuen rumänischen Ausgabe von Goethes „Ausgewählten Werken“ aus, so in einem Brief an Prof. Dr. George Guţu vom 25. Januar 2010: 

”Sehr geehrter Herr Kollege, verehrter, lieber Herr Guţu,

groß waren beide, meine Überraschung wie meine Freude, als der 15. Band Ihrer Goethe-Ausgabe hier ankam. Natürlich bedauerte ich sehr, Ihrer Sprache nicht mächtig zu sein, doch konnte ich zu meiner Erleichterung ein Gutteil der Anmerkungen erschließen...

Meine Gratulation gehört Ihnen – und allen jenen, die zur Publikation ihren Beitrag leisteten.

Was in den letzten Wochen oft gedacht wurde, sei jetzt in Schriftzeichen wiederholt:

Alles, alles Gute für Sie, für Ihre Gattin und für jene Menschen, die Ihnen nahestehen!

Glück auf! für alle Ihre Landsleute, die sich für die produktive Entwicklung Rumäniens Mühe geben. Ein ’Vereintes Europa’ – das war und ist mein innigster Wunsch seit frühesten Studententagen, seit 1949.

In alter und neuer Verbundenheit

der Ihre

Werner Keller

P.s.: Die obigen Zeilen wurden schon kurz nach dem Jahreswechsel notiert. Die Abwesenheit meiner Mitarbeiterin verzögerte die postalische Absendung.”

Bei der Gründung der Goethe-Gesellschaft in Rumänien 1999 in Bukarest führte Werner Keller aus:

„[…] im Sommer 1954 las Paul Celan, damals nur sehr wenigen durch Mohn und Gedächtnis bekannt, in Tübingen vor einer Handvoll Studenten. Heutzutage weiß jeder, dass er es war, der die deutschsprachige Lyrik nach dem zweiten Weltkrieg am tiefsten beeinflusste, der einzige, der, nach der Durchquerung des Entsetzens am Rande des Verstummens angekommen, die Sprachsplitter fand, um daraus die Mahnmale des angemessenen Gedenkens zusammenzusetzen – des Erinnerns als des Beginns einer unversöhnbaren Versöhnung. Nachher dann, im scheuen, kargen Gespräch, machte Paul Celan darauf aufmerksam, dass im Deutschen Danken, Denken und Gedenken derselben Sprachwurzel entstammten.

Die Gründung einer rumänischen Goethe-Gesellschaft und das Goethe-Symposion führten mich hierher, – doch zudem auch das Danken, das dem Gedenken eingeprägt ist. Dieses dankende Denken gilt überdies einem anderen rumänischen Dichter, Ionesco, den man in Deutschland oft der französischen Literatur zuordnet. Vor zwanzig Jahren hörte ich ihn in Paris – seine leidenschaftliche Anklage gegen den Kommunismus […]

Gedenken und danken – beides gilt auch für die Anstrengungen, die Rumänien seit 1989 auf sich nimmt, um eine integrale Stellung in einem künftigen einheitlichen Europa zu erlangen […]. Es war ein glücklicher Gedanke, der rumänischen Literatur, der rumänischen Kultur auf der Leipziger Buchmesse 1998 eine Sonderstellung einzuräumen. Wortreiche Landschaft hieß der Titel, wortgewordene Landschaften zu vermitteln wurde erreicht, wie begeisterte Presseberichte belegen. […] Zum guten Beschluss gilt mein Dank den Gastgebern für die mustergültige Zusammenarbeit. Gedankt sei dann von Herzen meinem Kollegen und Freund Herrn Prof. Guţu und allen, die mithalfen, dass wir dieses festliche Symposion haben begehen können. Je weniger die Gäste von der Mühe der Vorbereitung spüren, desto besser ist das Ganze gelungen. Rumänische Germanisten werden in Deutschland sehr geachtet. Rumänischer Germanist zu sein bedeutet für die Stipendiaten in Weimar: durch sprachliche Kenntnisse und methodische Reflexion ausgezeichnet zu sein. […]“

Der trauernden Familie sprechen die rumänischen Goethe-Forscher und -Freunde ihr tiefes Beileid aus und werden Werner Keller ein ehrendes Gedenken bewahren.

œ


www.e-scoala.ro

Imagine Romania!

Lernen Sie Deutsch - Kliken Sie hier