INSTITUT FÜR GERMANISTIK DER UNIVERSITÄT BUKAREST

GESELLSCHAFT DER GERMANISTEN RUMÄNIENS

ÖSTERREICH-BIBLIOTHEKEN IN BUKAREST, CLUJ/KLAUSENBURG UND TIMIŞOARA/TEMESWAR

 

 NACHRUF AUF

WENDELIN SCHMIDT-DENGLER

 


Die Universität Wien trauert um O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Wendelin Schmidt-Dengler, der am Sonntag, 7. September 2008, im Alter von 66 Jahren überraschend in Wien verstorben ist.

Wendelin Schmidt-Dengler (geb. 1942 in Zagreb), Vorstand des Instituts für Germanistik an der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek, war seit 1989 Ordentlicher Professor an der Universität Wien. Im Zentrum seiner Arbeit stand die österreichische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Wirkungsforschung der Antike.

Der Heimito-von-Doderer- und Thomas-Bernhard-Spezialist erhielt im Laufe seiner langen wissenschaftlichen Laufbahn zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1968 den Theodor-Körner-Preis, 1978 den Förderungspreis der Gemeinde Wien, 1994 den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik, 1997 den Preis für Sozial- und Geisteswissenschaften der Stadt Wien und zuletzt im Jänner die Auszeichnung als Österreichs "Wissenschafter des Jahres 2007".
Am 7. September 2008 verstarb Wendelin Schmidt-Dengler 66-jährig an einer Lungenembolie.

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Im Lesesaal des Österreichischen Literaturarchivs Wien

am 18. Juli 2006

(Foto: George Guţu)

 

Nachruf der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens, des Instituts für Germanistik der Universität Bukarest sowie der Österreich-Bibliotheken in Bukarest, Klausenburg und Temeswar

Unser hochverehrter und -geschätzter Fachkollege, Prof. Dr. h.c. Wendelin Schmidt-Dengler, verstarb unerwartet am 7. September 2008 in Wien.

Eine entsetzlich traurige Nachricht! Die rumänischen Germanistinnen und Germanisten, die die besondere Freude hatten, ihn kennen zu lernen, mit ihm Gedanken auszutauschen, ihn in seinen unermüdlichen, vielfältigen Tätigkeiten als Germanist und Humanist von europäischem Format zu erleben, trauern um ihn.

Am 17. Februar 2004 verlieh ihm die Universität Bukarest die Ehrendorktorwürde. In der Laudatio hieß es: "Die Initiative zu dieser Ehrung ergriff der Germanistiklehrstuhl der Universität Bukarest, dem Prof. Schmidt-Dengler seit vielen Jahren eine konsequente berufliche Verbundenheit und Solidarität entgegenbrachte. Diese menschlichen Beziehungen rundeten den enormen Gewinn ab, den Lehrkräfte und Studenten der Germanistik in Bukarest, in Rumänien, in vielen Ländern der Welt durch die Lektüre, das Studium seiner nicht nur informativ, sondern auch stilistisch-diskursiv beeindruckenden Bücher, Aufsätze, Stellungnahmen, Vorträge und Diskussionen erzielen konnten." (Siehe: http://www.ggr.ro/WDSlauD.htm)

In seiner Rede bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde ging er auf seine geistigen Rumänien-Bezüge ein: "Unweit meiner Wohnung im 18. Wiener Bezirk in der Buchleitengasse findet sich eine Gedenktafel auf einem Haus, die besagt, daß hier in den Jahren 1935 bis 1937 der rumänische Dichter Lucian Blaga gewohnt habe, die äußere Evidenz einer Verbundenheit Wiens mit Rumänien, auf die sich sehr wohl auch die innere wird stützen lassen, eine Tatsache, die indes so kaum in unserem Bewußtsein verankert ist, wie nachhaltig und intensiv gerade diese unterirdischen Ströme der Literatur sein mögen. Ich habe mir die Gedichte Blagas in einer zweisprachigen Ausgabe mit französischer Übersetzung besorgt und bei der Lektüre des rumänischen Textes, in Unkenntnis der Sprache, wurden mir doch auch jene Qualitäten greifbar, die diese Lyrik auszeichnen, Qualitäten des Klanges und der Bilderintensität, eine Nähe zu unseren Autoren, zu Rilke und Trakl, und beim Nachfragen wurde mir auch bewußt, daß dies nicht der einzige Punkt einer Verbindung sei, wenn man an Mihai Eminescu denkt, der denn auch in Wien – wie Lucian Blaga – studierte, und von dem es eine Fülle von Übertragungen ins Deutsche gibt, zum Teil sehr gelungene, und immer wieder hört man hier den eigenen Tonfall und späht doch in der Prägnanz der Schwermut und in der glänzenden Rhetorik dieser Texte die Verwandtschaft zu einem der größten Lyriker, zu Nikolaus Lenau, der ja auch auf dem Territorium des heutigen Rumänien geboren wurde." (Siehe den gesamten Wortlaut über: http://www.ggr.ro/WDSredD.htm)

Das Forschungs- und Exzellenzzentrum "Paul Celan" des Instituts für Germanistik der Universität Bukarest (http://www.ggr.ro/Celan_Zentrum1.htm) verliert einen seiner Gründer und hervorrangendsten Mitarbeiter, die Österreich-Bibliotheken in Rumänien werden einen ihrer eifrigsten Förderer schmerzhaft vermissen.

Die rumänischen GermanistInnen werden Professor Wendelin Schmidt-Dengler stets ein ehrendes Gedenken bewahren und sich bemühen, seinem begeisternden Vorbild als dem eines hervorragenden Germanisten nachzueifern.

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