UNIVERSITATEA BUCUREŞTI / UNIVERSITÄT BUKAREST

FACULTATEA DE LIMBI STRĂINE / FAKULTÄT FÜR FREMDSPRACHEN

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| Exzellenz- und Forschungszentrum "Paul Celan"

   Centrul de Cercetare şi Excelenţă "Paul Celan"

| Österreichisches Literaturarchiv Wien

Arhiva Literară Austriacă Viena

 

 EMIL CIORAN

 SCRISORI CĂTRE WOLFGANG KRAUS

 (1971-1990)

 

 EMIL CIORAN

 BRIEFE AN WOLFGANG KRAUS

 (1971-1990)

 

 

 A apărut deja / Bereits erschienen:

 

 

 

 

Emil Cioran: Scrisori către Wolfgang Kraus 1971-1990.

• Transcrierea şi stabilirea textelor originale, traducere din germană şi notă introductivă de GEORGE GUŢU
• Note de GEORGE GUŢU în colaborare cu GERTRUDE KOTHANEK şi THOMAS ANGERER
• Transcrierea pasajelor din Jurnalul lui Wolfgang Kraus de GERTRUDE KOTHANEK

Editura Humanitas, Bucureşti 2009 [293 p.]

 

 

RECENZIE / BUCHBESPRECHUNG

Hans Bergel: Cioran inedit. Scrisori către Wolfgang Kraus 1971–1990. Traducere din germană, ediţie ingrijită şi note de George Guţu. 290 S. Bucureşti: Humanitas 2009. În: "Spiegelungen" (München), 4, 2009

 

In der Reihe „Convorbiri, corespondenţe, portrete“ brachte der renommierte Bukarester Humanitas-Verlag vor kurzem die vor wenigen Jahren vom Leiter des Germanistik-Instituts der Universität Bukarest, Prof. Dr. George Guţu, im Österreichischen Literaturarchiv in Wien entdeckten Briefe Emil Ciorans (1911–1995) an den österreichischen Kulturphilosophen Wolfgang Kraus (1924–1998) während der Zeitspanne 1971-1990 heraus – noch ehe also eine deutsche Originalausgabe greifbar ist. In einem knappen, gescheiten Vorwort erläutert George Guţu die Umstände seines Funds und die Hauptmerkmale der Briefinhalte und dankt u. a. Mag. Gertrude Kothanek sowie Prof. Dr. Thomas Angerer und Herbert Kraus, den Söhnen von Wolfgang Kraus, die Cioran betreffende Auszüge aus des Österreichers unveröffentlichtem Tagebuch zur Verfügung gestellt und die Genehmigung für die Veröffentlichung und Übersetzung der Texte dieses Bandes ins Rumänische erteilt haben; Guţu weist darauf hin, dass erst mit der Publikation in deutscher Sprache „das authentische Dokument“ vorliegen werde.

Dessen ungeachtet ist seine Entdeckung schon allein deshalb als aufsehenerregend zu bezeichnen, weil die 158 Briefe, erstens, so etwas wie eine im Vorbeigehen hingeworfene synoptische Übersicht des gesamten Ideenuniversums Ciorans bieten und, zweitens, die zunehmende Altersresignation dieses unerreichten Meisters des aphoristischen Zugriffs auf die Weltbefindlichkeit sichtbar machen, die auch in zwei von Guţu in den Anhang aufgenommenen Briefe der Simone Boué ebenso angesprochen wird wie in Kraus’ angefügten Tagebuchaufzeichnungen. Guţus sprachlich luzide rumänische Fassung macht die Lektüre der Cioran-Briefe zum Lesevergnügen bester Qualität.

Zum Faszinierenden der Briefe gehört der Umstand, dass die Essenz dessen, was der Răşinarer Pfarrerssohn Emil Cioran über sich selbst, über Zeitereignisse, Kultur, Geschichte, Politik, Geistesströmungen und die europäische Philosophie seit den Griechen formulierte, als Schlagwort oder Andeutung, auf die Kurzformel also gebracht, wiederkehrt – als ob er in diesen Briefen Revue passieren ließe, was er je gedacht. Der schonungslose Biss des fatalistischen wie nüchternen Weltbeobachters Cioran, der über sich den Satz schrieb: „’Umsonst’ ist mein Lieblingswort“, ist in jedem der Briefe erkennbar; diese versah Guţu – unter Zuhilfenahme von Informationen, die ihm die Familienangehörigen von Kraus zur Verfügung stellten – mit rund 240 (!) Fußnoten, so dass die Zusammenhänge der Briefäußerungen verständlich werden. Wer an Zustand und Entwicklung der europäischen Welt verzweifelt, hat in Cioran den trostreichsten und besten Gefährten: seine Verzweiflung ist jedesmal noch größer.

1973 schreibt er an Kraus über „die winzige Rolle, die West-Europa in der Weltpolitik spielt. Es ist nicht erstaunlich: seit einem Monat spricht man hier nur vom Gemüsepreis“ (alle Zitate wurden uns vom Herausgeber aus der deutschen Originalvorlage zur Verfügung gestellt; HB). Kann geistige Provinzialität – hier der Europäer – präziser erhellt werden? Darf ich eine Prophezeiung machen?, heißt es an anderer Stelle: In fünfzig Jahre[n] Notre-Dame wird eine Moschee sein. (1987); oder: Für Europas Linke war „Stalin … ein Halbgott oder sogar ein Gott, nur weil er ein Henker mit ideologischen Ansprüchen war (1980); Israel hat die Araber aus ihrem historischen Schlaf erweckt. Ein folgenschwerer Irrtum (1979); Die politische Naivität der Deutschen ist unglaublich (1981); Auf der Straße sieht man (in Paris; HB) hauptsächlich Wikingerabkömmlinge und die unvermeidlichen Schwarzen. Ein Bild der Zukunft, nur dass Afrika bei weitem das überwiegende Element sein wird. (1979); Ein englischer Schriftsteller sprach über seine Erlebnisse in Prag auf die Spuren Kafkas – und kam zu dem Schluss, dass Prag nicht freier und nicht glücklicher unter der österreichischen Herrschaft war als heute unter der russischen. Er hat sogar wörtlich gesagt: ‚Kein Unterschied zwischen Wien und Moskau.’ Bestürzend! (1978); „[...]die zwangsmäßige Zurücksendung der Kosaken nach Russland. Selten habe ich so etwas Schreckliches gehört. In vieler Hinsicht, Schlimmeres als Auschwitz […] Ich habe meine Illusion über die Engländer verloren (1978); Gestern abend war ich im [sic! am] Montmartre (um Pigalle): - die Abfälle, der Auswurf der Erde. Eine Stichprobe der Dekadenz. So müsste Rom vor seinem Zusammenbruch aussehen [sic! ausgesehen haben] (1979); Die Deutschen haben nichts verstanden. […] Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen muss (1983); Es ist auch wa[h]r, dass Rumäne zu sein ist [sic!] ein Fluch (1989). Etc.

Egal, wie einer zu diesen Befindungen steht: Emil Cioran kannte keine, aber auch gar keine Tabus. Und er sagte mit einem Satz, wozu andere Weltbetrachter ganze Seiten brauchen. Darin liegt seine Wirkung bis heute, so wie wir sie seit den Syllogismen der Bitterkeit (dtsch. 1969) oder Vom Nachteil geboren zu sein (dtsch. 1977) kennen; nicht zuletzt diese Qualitäten unterscheiden ihn vom Gros unserer stromlinienbedachten „Zeit-“ und „Gesellschaftskritiker“.

Wie ein roter Faden zieht sich als zweite Hauptkomponente das Moment der Resignation durch diese Briefe: Ich werde nie wieder etwas schreiben; mich interessiert keine Zeitungsmeldung mehr; wäre ich nicht als Skeptiker geboren, hätte mich meine Zeit dazu gemacht – so und ähnlich leitmotivisch klingen Ciorans Absagen. Es bleibe dahingestellt, ob das der Ausdruck krankheitsbedingter Altersresignation oder der einer prinzipiell empfundenen Aussichtslosigkeit ist, als Denkender den Lauf der Dinge zu beeinflussen. George Guţu jedenfalls gebührt Anerkennung dafür, uns vierzehn Jahre nach Emil Ciorans Tod diesen Kompromiss- und Illusionslosen in Erinnerung gerufen zu haben, der Bach zu seinem Lieblingskomponisten erklärt und zwanzig Jahre vor seinem Tod Leonhard Reinisch in den ehemals berühmten „Philosophengesprächen“ auf die Frage „Was wäre für Sie das größte Unglück?“ geantwortet hatte: „Das Weltende zu verpassen.“

Hans Bergel


Von der Präsentation auf der Bukarester Buchmesse Bookfest am 31. Juni 2009 ist nachstehend die etwa 40minütige Aufnahme der Ansprachen von Lidia Bodea (Chefredakteurin), Dan C. Mihăilescu (Literaturkritiker) und Gabriel Liiceanu (Verlagsleiter) abrufbar!

Emil Cioran: Scrisori către Wolfgang Kraus. Lansare la Bookfest, 21 iunie 2009; prezentare de Lidia Botea, Gabriel Liiceanu, Dan C. Mihăilescu a FILE AUDIO (durata: cca 45 minute; faceţi click sub coperta cărţii!)

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Directori de program:

George Guţu (Bucureşti), Stefan Sienerth (München)

www.e-scoala.ro

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